Verfilzte Hamster, tote Fische, verhaltensgestörte Mäuse: Beim Tierschutz gehen immer wieder Klagen ein, es gehe den Tieren in den Schaufenstern von Zooläden dreckig. Die Fachgeschäfte würden ihre Tiere in zu kleinen Käfigen und sogar ohne Trinkwasser halten.

Der Beobachter wollte es genau wissen: Er nahm Mitte August zusammen mit dem Schweizer Tierschutz STS in den Kantonen Bern, Basel-Stadt, Baselland, Aargau, Solothurn und Zürich 15 Zoofachgeschäfte unter die Lupe. Resultat:

  • Acht Läden schnitten mit der Note «gut» ab; ein «sehr gut» erreichte keines der Geschäfte.

  • Fünf Fachgeschäfte erhielten die Note «genügend».

  • Zwei Zooläden kassierten sogar ein «ungenügend».


Eva Waiblinger vom Schweizer Tierschutz zeigt sich über das Resultat ernüchtert: «Die Stichprobe macht deutlich, dass die Haltungsbedingungen insbesondere bei Meerschweinchen, Hamstern und Rennmäusen oft zu wünschen übrig lassen.» Zwar traf die Expertin generell saubere Gehege und gesunde Tiere an. In vielen Läden habe es aber an frischen Ästen gefehlt, an denen die Tiere nagen können, bemängelt Waiblinger. Für Kaninchen etwa fordert die Schweizer Tierschutzverordnung, dass die Tiere «ständig Objekte zum Benagen zur Verfügung haben» müssen. Der Augenschein vor Ort zeigte aber: Viele Geschäfte lassen ihre Tiere am Gehege oder an der Einrichtung knabbern.

Frische Äste aus dem Wald



Beim Nagematerial fiel der Zooladen Soland in Rheinfelden positiv auf, der bei der Stichprobe insgesamt am besten abschnitt. «Wir fahren fast täglich in den Wald und holen frische Äste», sagt Inhaber Heinz Soland. Was für die Zooläden gilt, sollte erst recht zu Hause beherzigt werden. Hamster und Ratten werden im Schnitt gerade mal eineinhalb Jahre alt. Diese Zeit sollen sie – wenn schon eingesperrt – möglichst tiergerecht verbringen dürfen.

Die Bewertung der Stichprobe erfolgte auf der Basis der Richtlinien des Verbands zoologischer Fachgeschäfte der Schweiz (VZFS); dieser vergibt seit 1991 zusammen mit dem Schweizer Tierschutz ein Qualitätslabel für die artgerechte Haltung von Tieren. Die Vignette erhalten nur Geschäfte, die sich an die über 100 Punkte umfassenden Richtlinien halten. Diese VZFS-Vorgaben sind einiges strenger als das Tierschutzgesetz, das unter anderem die Haltung eines Meerschweinchens in einem Käfig von der Grösse eines A4-Blatts erlaubt. Zudem müssen sich Geschäfte mit dem Gütesiegel mindestens einmal jährlich unangemeldet kontrollieren lassen. Der Aufwand zahlt sich aus: Mit einer Ausnahme schnitten alle geprüften Labelgeschäfte mit der Note «gut» ab.

Fehlendes Nagematerial und zu wenig Einstreu, in der die Tiere herumwühlen und graben können, führen laut wissenschaftlichen Studien zu Verhaltensstörungen. Bei Zoo Tropic in Basel etwa scharrten Rennmäuse unablässig in einer Ecke des Geheges oder sprangen in die Höhe. Und im Basler Zoogeschäft Dunkel, das als Labelgeschäft die Richtlinien des VZFS einhalten müsste, fanden sich in fünf Käfigen statt der geforderten 15 Zentimeter Einstreu nur gerade fünf Zentimeter. «Wir reinigen die Gehege zweimal pro Woche», rechtfertigt sich Tropic-Geschäftsführer Marcel Prietzel. Und Konkurrentin Susanne Dunkel sagt: «Nicht alle Nager brauchen gleich viel Einstreu.»

Wenn auch von der grossen Freiheit nicht die Rede sein kann: Es gibt Läden, die ihren Tieren auffallend viel Platz bieten. In den drei geprüften Geschäften der Qualipet-Kette sowie im Zoo Kakadu in Zollikofen hat es mehrere Quadratmeter grosse Gehege, so dass Meerschweinchen und Hamster auch mal richtig Gas geben können. Alle vier Läden schafften bei der Gesamtnote ein «gut».

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Spinnweben im Gehege



Anders das Berner Zoohaus Helfer, das punkto Käfiggrössen weitaus am schlechtesten abschnitt. Das mitten in der Stadt gelegene Geschäft erhielt in der Beobachter-Stichprobe die schlechtesten Noten. Schmutz und Spinnweben waren zudem augenfällig, und in einem Gehege der Meerschweinchen und Rennmäuse fehlte das Wasser. Aufdringlich auch die Hitze und der Gestank nach Kot und Urin. «Unsere Lüftung funktioniert nicht optimal», räumt Geschäftsführer Hansjörg Lüthi ein. Weiter sei der muffige Geruch «auf den Abwasserkanal der Stadt» zurückzuführen.

Schlimmer als im Versuchslabor



Damit wenig zu tun haben indes die äusserst engen Raumverhältnisse. So hielt Lüthi vier Ratten auf einem viertel Quadratmeter – die Labelrichtlinien erfordern mindestens das Doppelte. Fachfrau Eva Waiblinger: «Zwar verstösst der Laden damit noch immer nicht gegen das Gesetz. Allerdings geben sogar manche Versuchstierlabors Tieren mehr Platz.» Am gesetzlich erlaubten Minimum bewegt sich das Zoohaus Helfer auch bei der Haltung von vier Stachelmäusen und ihren Jungen auf rund 50 mal 30 Zentimetern. Geschäftsführer Lüthi wollte gegenüber dem Beobachter dazu nicht Stellung nehmen.

Tatsache ist: Der Kanton Bern hat gegen das Zoohaus ein Verfahren eingeleitet. «Die Sauberkeit und die Tierhaltung sind ungenügend. Wir kontrollieren dieses Geschäft häufig, doch leider bringt eine Beanstandung jeweils nur für kurze Zeit eine Verbesserung», so Benjamin Hofstetter, Leiter der Tierschutzfachstellen beim Kanton Bern. Die kantonalen Veterinärämter können Zooläden bei Missständen per Gesetz zwingen, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Hofstetter: «Im schlimmsten Fall entziehen wir einem Geschäft die Bewilligung für den Handel mit Tieren.»

Abzüge bei der Bewertung gab es bei der Stichprobe auch, wenn ein Zooladen kleine oder nicht artgerechte Käfige zum Verkauf anbot. «Ein Käfig von 50 mal 30 Zentimetern ist höchstens als Transportkäfig geeignet», sagt Eva Waiblinger vom Schweizer Tierschutz. Eine Tierquälerei sind auch Vollplastikgehege, wie sie etwa der Qualipet in Pratteln verkaufte. Einer dieser Käfige heisst «Flipper» und hat tatsächlich die Form eines Flipperkastens – der Hamster ist quasi die Kugel. Und der Qualipet am Basler Bahnhof verkaufte zusammensteckbare Röhrensysteme aus Plastik. «Besser ist es», so Waiblinger, «den Hamstern viel Einstreu zu geben, dann graben sie ihre Gänge selbst.»

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Den Vögeln geht es gut



Ein tendenziell erfreuliches Bild zeigte sich bei den Vögeln: Zwar fehlte auch mal ein Wasserbad (Qualipet, Pratteln), oder ein Käfig war überbelegt (Zoo Seerose, Zürich). Die meisten Vögel waren aber sauber gehalten und die Volieren genügend gross.

Etwas apathisch war die Stimmung unter dem Federvieh jedoch im Basler Zoo Tropic. Mager dort die Einrichtung: In den Käfigen hatte es bloss vier bis sechs parallele Äste; diese sind fürs Personal zwar einfach herauszunehmen und zu putzen, für die Vögel bieten sie aber kaum Abwechslung. Diese Mängel seien zu relativieren, sagt Tropic-Geschäftsführer Prietzel. «Den Vögeln steht Spielzeug zur Verfügung. Dass sie sich in der Gefangenschaft anders verhalten als frei lebende, ist jedem klar.»

Die Stichprobe zeigte darüber hinaus, dass es den Fischen erfreulich gut geht, obwohl ihr Ozean auf ein Aquarium begrenzt ist. Die meisten Aquarien waren sauber und enthielten Holz, das viele Fische zur besseren Verdauung und als Versteck benötigen. Abzüge gab es für die schmutzigen Aquarien des Zoohauses Schneider in Herzogenbuchsee. Dort fanden sich zudem sechs tote Fische. «Wir waren an diesem Tag am Putzen», sagt Geschäftsführer Rolf Schneider.

Das Zoogeschäft Fasler in Muttenz bietet Haiwelse an, deren Verkauf die Tierschutzrichtlinien verbieten. Diese Fische sind als Babys zwar attraktiv, werden aber in kurzer Zeit über eineinhalb Meter gross und sprengen das Aquarium zu Hause. «Viele Leute wissen sich dann nicht mehr zu helfen und geben die Fische weg», sagt Tierexpertin Waiblinger. Ladeninhaberin Beate Fasler weist die Vorwürfe zurück: «Wir bestellen Haiwelse nur für Kunden, die ein Becken für diese Fische einrichten.»

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