Schlüsselfunddienst«Das nervt»

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Die Schlüsselfundfirma ID-Find wirbt aggressiv neue Kunden an - mit fragwürdigen Methoden und Angeboten.

Der Schlüsselbund ist weg! Für viele Leute ein Alptraum. Aus der eigenen Wohnung ausgeschlossen - oder noch schlimmer: Einbrechern Tür und Tor geöffnet. Schlüsselfunddienste sind darum eine praktische Sache. Man hängt eine kleine Plakette mit der Adresse des Funddienstes an den Schlüsselbund - verliert man ihn, kann der Finder ihn in den nächsten Briefkasten werfen, und über die Schlüsselfundfirma findet er den Weg zurück zum Besitzer.

Die Kosten liegen zehnmal höher
Auch Joël Gilgen ist von diesem Prinzip überzeugt. Der 37-jährige Moderator beim Schweizer Radio DRS sowie beim Lokalfernsehsender Tele-Züri ist darum seit Jahren Kunde bei einem solchen Dienst. Darum wurde er auch nicht skeptisch, als ihn im Mai 2007 ein Mitarbeiter der Firma ID-Find anrief: Er habe doch ein Abo bei ihnen, ob er das nicht verlängern wolle? Zudem gebe es jetzt auch Plaketten für Koffer oder Ähnliches, pries der Verkäufer den Service an. «Ich habe nur zugesagt, dass er mir Informationen zuschicken darf», sagt Joël Gilgen.

Als er wenig später ein Paket in seinem Briefkasten vorfindet, ist Gilgen enttäuscht. «Die Plaketten sind viel zu gross. Zudem hatte ich in der Zwischenzeit herausgefunden, dass ich Kunde bei einer anderen Schlüsselfundfirma bin.» Also schickte er alles mit dem Vermerk zurück, er habe kein Interesse. Doch seit einem Jahr wird er mit Rechnungen, Mahnungen und Betreibungsandrohungen eingedeckt - zuletzt von einem «Cabinet Nardin & Associés», das den Eindruck erweckt, eine unabhängige Anwaltskanzlei zu sein. In Wahrheit gehört das Treuhandbüro wie ID-Find zur Firmengruppe Omnicom.

Wie Joël Gilgen geht es vielen; Dutzende Leser haben sich in letzter Zeit beim Beobachter-Beratungszentrum beschwert. Manche Betroffene erzählen, sie seien nur auf die Kosten von Fr. 9.90 pro Jahr hingewiesen worden, erst mit der Rechnung sei ihnen klar geworden, dass es ums Zehnfache geht, da der Vertrag über zehn Jahre läuft. Andere ärgern sich, dass ID-Find das System geändert hat: Wer einen Schlüssel mit ID-Find-Plakette findet, kann ihn nicht mehr in den nächsten Briefkasten werfen, sondern muss eine Telefonnummer anrufen; die Firma schickt dann einen Spediteur vorbei.

«Jeder Zweifel ist ausgeschlossen»
Die Vorwürfe sind nicht neu - schon 2003 kritisierte der Beobachter die Geschäftspraxis der Firma, die sich damals noch Internationale Schlüsselfundstelle nannte. Damals wie heute bestreitet die Firma die Vorwürfe. Es gebe keine «unfreiwilligen Kunden», sagt Direktor Laurent Filliatreau, nur wer am Telefon klar und deutlich erkläre, er wolle das Produkt, erhalte es auch, «jeder Zweifel ist ausgeschlossen». Zudem seien ausschliesslich bestehende Kunden kontaktiert worden, ihnen sei offeriert worden, ihr Schlüsselabo auf zusätzliche Gegenstände wie Laptop oder Handy auszuweiten.

Joël Gilgen indes hat es ganz anders erlebt: «Es nervt, wenn eine Firma wie ID-Find auf derart zweifelhafte Weise versucht, neue Kunden zu gewinnen.»

Telefonverkauf: Das müssen Sie wissen

  • Bei Telefonverkäufen können Sie innerhalb von sieben Tagen vom Vertrag zurücktreten. Davon ausgenommen sind allerdings Käufe unter 100 Franken. Verträge wie der im Artikel beschriebene Telefonverkauf von Schlüsselfundplaketten sind daher im Prinzip nicht kündbar.

  • Voraussetzung für das Zustandekommen eines Vertrags ist aber, dass Sie über alle wichtigen Vertragsbestandteile Bescheid wussten, namentlich Preis und Dauer. Ist das nicht der Fall, können Sie die Gültigkeit des Vertrags bestreiten. Das tun Sie am besten eingeschrieben.

  • Beharrt die Firma auf ihrer Forderung, kann sie die Betreibung beantragen. In diesem Fall können Sie Rechtsvorschlag erheben - die Firma müsste dann vor Gericht beweisen, dass ein gültiger Vertrag zustande gekommen ist. Dass es so weit kommt, ist allerdings sehr unwahrscheinlich, weil die Kosten in keinem Verhältnis zum Streitwert stehen.
Veröffentlicht am 2008 M06 24