Die Harnblase ist eigentlich ein langweiliges Organ. In der Niere finden hochkomplexe Stoffwechselvorgänge statt, das Herz pumpt unermüdlich 24 Stunden am Tag – und die nächsten Nachbarn der Blase, die Geschlechtsorgane, haben für die meisten Menschen einen ziemlich hohen Unterhaltungswert.

Nichts von alldem zeichnet die Harnblase aus. Sie ist nur ein plumper Sack mit der simplen Aufgabe, Urin zu speichern. Aber wehe, sie wird gereizt! Dann ist es mit ihrer unauffälligen Existenz vorbei.

Bei einer Blasenentzündung (Zystitis) schickt die Blase alle fünf Minuten die Meldung «Harndrang!» zum Hirn. Und wenn der Mensch im Laufschritt aufs WC eilt, dann weigert sie sich, mehr als nur ein paar Tropfen Urin herzugeben. Starkes Brennen beim Wasserlassen und stechende Schmerzen im Unterbauch sind weitere Mittel der Harnblase, auf ihre Not aufmerksam zu machen. Manchmal ist der Urin sogar mit Blut vermischt.

Frauen sind stärker betroffen

Vor allem Frauen erkranken an Blasenentzündungen. Fast jede dritte hat schon mindestens einmal mit den eher peinlichen Beschwerden gekämpft. Und eine Wiederholung ist fast schon vorprogrammiert: Wen es einmal erwischt hat, muss in fast achtzig Prozent der Fälle damit rechnen, noch einmal an einem «Blasenschnupfen» zu erkranken.

Auslöser sind fast immer Bakterien, die über die Harnröhre in die Blase eindringen. Bei Frauen haben die Krankheitserreger leichtes Spiel, denn die weibliche Harnröhre ist nur 2,5 Zentimeter kurz. Bei Männern treten Blasenentzündungen meistens erst im Alter auf, zum Beispiel bei zunehmender Prostatavergrösserung.

Blasenentzündungen sind nicht ansteckend. In der Regel sind die eigenen Darmbakterien die Übeltäter. Diese werden in die Nähe der Harnröhre transportiert – etwa durch falsche Toilettentechnik. Nach dem Stuhlgang sollten Frauen sich deshalb immer von vorn nach hinten reinigen.

Übertriebene Hygiene kann allerdings auch das Gegenteil bewirken. Durch zu häufiges Duschen und die Anwendung von Intimsprays und desinfizierenden Lotionen gerät das bakterielle Gleichgewicht der Schleimhäute aus den Fugen: Schützende Keime werden weggespült, und Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel.

Auch beim Geschlechtsverkehr können Darmbakterien in die Harnröhre gelangen und eine Entzündung auslösen. «Honeymoon-Zystitis» – «Flitterwochen-Blasenentzündung» – lautet die etwas altmodische Bezeichnung für dieses Phänomen. Manche Frauen leiden immer wieder unter solchen Entzündungen, was natürlich die Freude am Sex erheblich verringert.

Das Rezept zur Vorbeugung ist einfach: vor dem Geschlechtsverkehr viel trinken und danach sofort Wasser lassen. Dadurch werden potenzielle Krankheitskeime aus der Blase herausgespült, bevor sie sich vermehren können.

Täglich zwei Liter Wasser trinken

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und häufiges Wasserlassen ist auch sonst eine der wichtigsten vorbeugenden Massnahmen gegen Blasenentzündungen. Nützlich ist die Anschaffung eines Zylometers, das in Apotheken erhältlich ist. Mit diesem Gerät wird regelmässig die Dichte des Urins kontrolliert. Ist der Harn zu konzentriert, muss man die Trinkmenge erhöhen. Ein gut verdünnter Urin ist der beste Schutz vor Blasenentzündung und auch vor Nierensteinen.

Je länger der Urin in der Blase bleibt, desto mehr Krankheitskeime können sich darin vermehren. Die Zahl des Darmbakteriums Escherichia coli, dem häufigsten Erreger einer Blasenentzündung, verdoppelt sich alle zwanzig Minuten.

Täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit trinken, heisst die Empfehlung. Ob die Trinkmenge ausreicht, lässt sich auch an der Urinfarbe erkennen: Ist der Urin fast wasserklar, stimmt die Flüssigkeitszufuhr; ist er intensiv gefärbt, muss mehr getrunken werden. Unterstützend wirken auch Tees aus Birkenblättern, Bärentraube oder Kapuzinerkresse – dank ihren desinfizierenden, harntreibenden und entzündungshemmenden Eigenschaften.

Eine solche «Trinkkur» kann die Beschwerden ganz ohne Antibiotikaeinnahme zum Abklingen bringen. Am besten beginnt man bei den ersten Symptomen einer Blasenentzündung damit. Die wichtigste Regel lautet: Nicht erst warten, bis sich der Durst meldet, sondern immer wieder schluckweise trinken. Am besten trägt man eine Wasserflasche bei sich oder stellt als Erinnerungshilfe ein gefülltes Glas auf den Bürotisch.

Nach zwei Tagen zum Arzt gehen

Wenn die Symptome auch nach ein bis zwei Tagen nicht abklingen, der Urin mehrere Male hintereinander blutig ist oder hohes Fieber hinzukommt, sollte unbedingt der Arzt konsultiert werden. Oft ist die Einnahme eines Antibiotikums notwendig. Sonst können die Keime über die Harnleiter in die Niere aufsteigen und dort eine Nierenbeckenentzündung auslösen.

Bei ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekten kann eine Stärkung der Abwehrkräfte sinnvoll sein. Wirkstoffe wie Echinacin oder Thuja regen das Immunsystem gegen Infekte aller Art an. Und Vitamin C wirkt gleich auf zweifache Weise: Zum einen unterstützt es die körpereigene Abwehr, zum anderen säuert es den Urin an und schafft dadurch ein bakterienfeindliches Milieu in der Blase.

So beugen Sie einer Blasenentzündung vor

  • Trinken, trinken, trinken: Mindestens anderthalb bis zwei Liter Wasser pro Tag sind ein Muss.

  • Auf der Toilette immer von vorn nach hinten – also von der Harnröhre weg – wischen, um eine Ausbreitung von Bakterien zu verhindern.

  • Übertriebene Intimpflege ist fehl am Platz. Vaginalduschen, Intimsprays und Lotionen zerstören die körpereigenen Schutzbakterien und begünstigen eine Infektion.

  • Nach dem Geschlechtsverkehr sollte die Blase vollständig entleert werden. So können Bakterien ausgeschwemmt werden, die in die Harnwege eingedrungen sind.

Hilfe aus der Natur

  • Preiselbeersaft enthält Tannine, die das Ankleben der Bakterien an den Wänden von Blase und Harnwegen verhindern. Zur Vorbeugung sollten täglich drei Deziliter getrunken werden. Auch wenn die Infektion bereits ausgebrochen ist, kann Preiselbeersaft die Heilung unterstützen.

  • In Apotheken und Drogerien gibts spezielle Blasentees: Schachtelhalmkraut, Birkenblätter und Goldrutenkraut haben eine harntreibende Wirkung, Bärentraubenblätter säuern den Harn an und wirken antibakteriell. Dazu viel Wasser trinken.