Die erste offizielle Wohngemeinschaft hiess «Kommune 1», lag in Berlin und wurde 1967 als politisch ausgerichtetes Studentenprojekt gegründet. Knapp drei Jahre später löste sich die «Kommune» wieder auf. Doch die in revolutionären Zeiten entdeckte Lebensform, auch mit Nicht-Familienmitgliedern zusammenzuwohnen, hat bis heute überlebt und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Die moderne WG unterscheidet sich allerdings markant von ihrem damaligen Vorbild.

Wer heute in einer WG lebt, verbindet damit bestimmt nicht freie Liebe und Opposition gegen das Establishment. Vielmehr stehen Spargründe im Vordergrund oder der Nutzen, in einer neuen Stadt dank den Mitbewohnern schneller Anschluss zu finden.

Schliesslich dient eine WG auch dazu, zu Hause nicht mehr allein zu sein, weshalb sich neuerdings auch Senioren in geteilten vier Wänden zusammentun.

Bei aller Romantik: Auch das zeitgenössische WG-Leben ist nicht frei von Problemen – mietrechtlicher und anderer Art. Die folgenden vier Konfliktherde gilt es dabei besonders zu beachten.

1. Der Mietvertrag

Wer neu in eine Wohngemeinschaft kommt, denkt nicht gleich wieder ans Ausziehen. Doch genau hier ergeben sich häufig Probleme, weil man beim Abschluss des Mietvertrags diesen Aspekt zu wenig bedacht hat. Für WGs gibt es zwei Arten von Verträgen, beide mit Vor- und Nachteilen.

Die gleichberechtigte WG: Alle Mieter unterschreiben den Mietvertrag gemeinsam. Damit haftet jeder Mieter solidarisch für die Bezahlung des Zinses. Wenn ein Mitbewohner seinen Anteil nicht bezahlt, kann sich der Vermieter wahlweise an jeden Bewohner halten, damit er den Ausstand begleicht. Ausserdem kann ein Vertrag mit mehreren Mietern nur gemeinsam gekündigt werden.

Wer also ausziehen will, muss aus dem Vertrag entlassen werden, wobei dies nur möglich ist, wenn sämtliche Vertragsparteien – also der Vermieter und alle Mieter – schriftlich zustimmen. Stellt sich aber der Vermieter oder ein anderer Bewohner gegen die Vertragsüberschreibung, bleibt dem WG-Genossen nichts anderes übrig, als zu versuchen, die frei werdenden Räume unterzuvermieten.

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Die flexible WG: In vielen Wohngemeinschaften wechseln die Mitbewohner recht häufig. Darum sollte der Auszug der einzelnen Mitglieder möglichst flexibel geregelt sein. Am einfachsten ist es, wenn ein Hauptmieter da ist, der den Mietvertrag übernimmt und mit seinen Mitbewohnern separate Untermietverträge abschliesst. Er haftet dann zwar allein für allfällige Mietzinsausstände, dafür können die Untermietverträge auch problemlos gekündigt werden.

Wer sich nicht an die ordentlichen Kündigungszeiten halten will, kann vorzeitig ausziehen, wenn er einen zumutbaren und solventen Nachmieter findet, der bereit ist, zu denselben Bedingungen den Untermietvertrag zu übernehmen. Mehr zu Untermieter und Nachmieter findet sich im Kasten ganz unten.

Mehr zu Untermiete bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Bei Wohngemeinschaften und Wohnungen zur Untermiete ist es besonders ratsam, den Mietvertrag vor der Unterzeichnung genau zu studieren. Auf Guider erfahren Mitglieder die strittigsten Punkte, die es mit dem Vermieter zu klären gilt.

2. Mietzinszahlung und Depot

In Wohngemeinschaften, wo jedes Mitglied lediglich seinen Anteil an die Miete beiträgt, kann eine Zahlung schnell einmal vergessen gehen. Ein reibungsloser Ablauf der Mietzinsüberweisungen ist aber wichtig, denn bei regelmässigen Zahlungsrückständen kann der Vermieter kündigen.

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Empfehlenswert ist deshalb die Errichtung eines speziellen WG-Kontos, auf das jeder Mitbewohner rechtzeitig seinen Mietanteil überweist – am besten und einfachsten mit einem Dauerauftrag.

Da die Miete immer bis spätestens am ersten Tag des Monats auf dem Konto des Vermieters sein muss und da Banktransaktionen in der Regel zwei bis drei Arbeitstage dauern, sollten alle Zahlungen bis spätestens am 25. des Monats auf das WG-Konto überwiesen sein, damit am 26. der Dauerauftrag aufs Konto des Vermieters veranlasst werden kann.

In der Regel verpflichten sich Mieter zur Bezahlung eines Mietzinsdepots. Dieses Depot bleibt bis zur Beendigung des Mietverhältnisses gesperrt.

Wie kommt aber ein WG-Bewohner zu seinem beim Einzug geleisteten Kautionsanteil, wenn er die WG vorzeitig verlässt? Muss er warten, bis die WG ganz aufgelöst wird? Nein. Tritt ein neuer Mitbewohner an seine Stelle, kann dieser den Anteil des ausziehenden Mieters mitsamt den aufgelaufenen Zinsen übernehmen.

Und wird der ausziehende Mitbewohner durch niemanden ersetzt, müssen ihn die verbleibenden Mieter auszahlen. Wichtig ist dabei, alles schriftlich festzuhalten, damit es später nicht zu Diskussionen kommt, wem die Kaution denn nun gehört.

WG zum Glück

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Der Mitbewohner hat seit Monaten keine Miete bezahlt. Einfach rauswerfen darf man ihn aber trotzdem nicht...

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3. Schäden und Auszug

Bei Mietende nimmt der Vermieter die Wohnung ab und belastet den Mietern die übermässige Abnützung. Doch was geschieht, wenn die Wohngemeinschaft nicht aufgelöst wird, sondern nur einer von beispielsweise vier Bewohnern auszieht? Wer übernimmt in diesem Fall die Verantwortung für die Brandspuren einer Zigarette auf dem Waschbeckenrand, wenn es genau der Übeltäter ist, der die WG verlässt?

Hier bleibt dem verbleibenden Hauptmieter nichts anderes übrig, als selbst ein Übergabeprotokoll zu erstellen, worin sich der ausziehende Mitbewohner verpflichtet, die Haftung für den Schaden zu übernehmen, sollte die WG zu einem späteren Zeitpunkt aufgelöst werden.

Ohne entsprechende Unterschrift auf dem Protokoll wird man ihn später nicht mehr behaften können. Für den Ausziehenden ist es ratsam, den Schaden vorsorglich seiner Haftpflichtversicherung zu melden.

4. Putzfrau statt Putzplan

Während für den einen die Toilette noch blitzblank ist, stockt bei der anderen wegen eines Urinflecks auf dem Boden vor Ekel der Atem – der Konflikt ist programmiert. Doch wie soll in einer WG geputzt werden?

Eigentlich ist es ganz einfach: Wer keine Endlosdiskussionen über Sauberkeit führen will, stellt eine Putzfrau an. Wer diese Option einmal durchrechnet, wird feststellen, dass sich fast jede WG eine Putzhilfe leisten kann – vorausgesetzt, man beauftragt die Putzkraft nur mit der Reinigung der allgemeinen Räume, während jeder für seine Privatgemächer selber zuständig ist.

Ausserdem sollte darauf geachtet werden, dass die Küche nicht jedes Mal wie ein Schlachtfeld aussieht, durch das sich die Putzfrau zuerst eine Stunde lang kämpfen muss.

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Nicht vergessen: Wer eine Putzhilfe anstellt, muss für diese AHV-Beiträge leisten und eine Berufsunfallversicherung für sie abschliessen.

Untermiete von Zimmern: Was zu beachten ist

Der Vermieter muss der Untermiete für WGs grundsätzlich zustimmen. Er kann die Zustimmung nur in folgenden Fällen verweigern:

  • wenn sich der Hauptmieter weigert, dem Vermieter die Bedingungen zur Untermiete bekannt zu geben;
  • wenn diese Bedingungen im Verhältnis zum Hauptmietvertrag missbräuchlich sind, insbesondere wenn der Unter­vermieter zu viel Miete verlangt;
  • wenn dem Vermieter aus der Untermiete ein erheblicher Nachteil erwächst, beispielsweise wenn in den Mieträumlichkeiten eine unerlaubte Tätigkeit ausgeübt wird.

Nachmieter: Die WG darf hohe Anforderungen stellen

Bei der Suche nach einem passenden WG-Nachfolger werden hinsichtlich Zumutbarkeit des Nachmieters höhere Anforderungen gestellt als beim «normalen» vorzeitigen Auszug. Dem ist so, weil nicht das Mietverhältnis einer ganzen Wohnung aufgelöst wird, sondern ein neuer Mietinteressent in eine bestehende Gemeinschaft eintritt.

Deshalb haben die Mitbewohner hier ein gewisses Einspracherecht. Jedoch kann die Gemeinschaft nicht jeden Interessenten willkürlich ablehnen und so den Vormieter zum weiteren Zahlen der Miete verpflichten. Die Gründe dafür müssen objektiv vertretbar sein. Beispielsweise dürfte eine Frauen-WG einen männlichen Bewerber ablehnen; ebenso könnte das Veto gegen einen Mietinteressenten eingelegt werden, der aufgrund eines erheblichen Altersunterschieds nicht in die WG passt.

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Quelle: Beobachter Edition