Die Antwort des Regisseurs Urs Odermatt auf die Anfrage des Beobachters ist knapp, aber klar: «Ich drehe 18 Stunden täglich und bin bis September telefonisch nicht erreichbar.» Sein Film «Der böse Onkel» sei eine erfundene Geschichte. «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und weder gewünscht noch beabsichtigt.» Tatsächlich?

Das Drehbuch ist zwar erst in Umrissen bekannt, doch scheint es nur in Nuancen vom Fall des Turnlehrers Köbi F. abzuweichen, der in den neunziger Jahren in Möriken AG Mädchen missbraucht hatte. So ist die Hauptfigur im Film ein ehemals erfolgreicher Turmspringer und «unwiderstehlicher Everybodys Darling» – wie Köbi F., nur war dieser Kunstturner statt Turmspringer. Im Film wie im Leben hat der Sportlehrer eine ehemalige Schülerin geheiratet. Und wie in der Realität legt sich auch auf der Leinwand eine Mutter mit dem ganzen Dorf an, als sie den Missbrauch anprangert. Die Figur nannte der Regisseur ursprünglich «Ruth Wettstein».

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Wenig erstaunlich, dass sich Ruth Ramstein wiedererkennt. Sie wurde 1998 für ihren Kampf im Fall Köbi F. vom Beobachter mit dem Prix Courage ausgezeichnet. «Ich befürchte, dass der Täter im Film zum Opfer stilisiert wird und damit die wahren Opfer zum zweiten Mal verletzt werden», sagt sie. Dass diese Bedenken nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen die Notizen von Regisseur Odermatt zum Filmprojekt auf seiner Homepage. Dort schreibt er von «Vätern, Lehrern und Sporttrainern, die in den Ruch des Missbrauchs Minderjähriger geraten sind und denen der nachträgliche Unschuldsbeweis nicht das Geringste nützt». Ruth Ramstein verlangt deshalb Einblick ins Drehbuch, doch der Regisseur weigert sich.

1000 Nackte im Bad

Bis Redaktionsschluss konnten sich die Anwälte der beiden Parteien nicht auf ein Gespräch am runden Tisch einigen. Urs Odermatts Anwalt warnt davor, dass Ruth Ramsteins Vorgehen schlimmstenfalls zum «Totalverlust» des Films führen könnte – dann nämlich, wenn Sponsoren abspringen. Noch filmt Odermatt aber weiter. Zurzeit sucht er 1000 nackte Statistinnen für eine Szene in der Schwimmhalle. «Kein Schmuddel, sondern das pralle Leben», wirbt die Produktionsfirma.