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Pfarrer Sieber«Ein grosses Dankeschön»

Pfarrer Ernst Sieber wurde mit dem erstmals verliehenen Prix Courage Lifetime Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Was der 90-Jährige noch alles anpacken will, erzählt er im Interview.

Wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Pfarrer Ernst Sieber mit seinem Prix Courage Lifetime Award.
von aktualisiert am 23. November 2017

Beobachter: Herr Sieber, was bedeutet Ihnen der Lifetime Award?
Ernst Sieber: Sehr viel. Und er gibt mir die Möglichkeit, der Bevölkerung gegenüber endlich etwas loszuwerden: ein grosses Dankeschön. Ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit hätte ich das alles nie machen können.

Beobachter: Sie sind jetzt 90 Jahre alt. Macht es Sie nicht müde, immer noch so viel zu geben?
Ernst Sieber: Nein! Man bekommt immer zurück.
Sonja Sieber (Ehefrau): So viele bedürftige Leute haben bei uns angeklopft. Und als es ihnen besser ging, halfen sie anderen. Es ist wirklich wunderbar. Sie können sich teilweise besser einfühlen als jemand, der das als Beruf macht.

Beobachter: So etwas wie Work-Life-Balance kannten Sie nie.
Ernst Sieber: Nein.
Sonja Sieber: Mein Mann hat sein ganzes Leben für die Ärmsten gegeben. Das habe ich vom ersten Tag an erlebt, als ich mit ihm zusammen war.
Ilona Sieber (Tochter): Es war für mich ein Glück, so aufwachsen zu können. Unser Haus war so lebendig, so farbig. Manchmal waren Obdachlose bei uns. Ehemals obdachlose Kinder aus Paris waren meine Geschwister. Meine Eltern haben ihre Werte wirklich gelebt und nicht nur davon geschwatzt.
Ernst Sieber: Ich weiss noch, wie ich unsere drei Pflegekinder damals aus der Kälte des Pariser Slums holte. Ihre Hände und Lippen waren ganz blau. Als ich mit ihnen in Basel über die Grenze fuhr, legte ich eine Decke über sie. Und dann gehörten sie zu uns.

Beobachter: Herr Sieber, sind Sie zufrieden, wenn Sie auf Ihr Lebenswerk zurückblicken?
Ernst Sieber: Noch nicht! Als letztes Projekt will ich in Zürich «Brothuuse» errichten, ein Dorf für Randständige. Nur schon eine leere Kirche, zwei Kirchgemeindehäuser und ein paar sonstige Häuser, dann hätte man ein Dorf. Es wäre ein Ort, wo Menschen aufgenommen werden und für sich etwas aufbauen können.

Beobachter: Was machen Sie mit dem Preisgeld?
Ernst Sieber: Wenn man so lebt wie wir, hat man manchmal Schulden. Die will ich abzahlen – dann bin ich frei.

Familie Sieber: Tochter Ilona, Pfarrer Ernst und Ehefrau Sonja
Familie Sieber: Tochter Ilona, Pfarrer Ernst und Ehefrau Sonja.
Quelle: Christian Schnur

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