Beobachter: Herzlichen Glückwunsch zum Prix Courage Lifetime Award 2020. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung ganz persönlich?
Sabine Basler: Ich freue mich über diese Auszeichnung! Es kommt mir unwirklich vor, wie ein Geschenk des Himmels. Seit einem Jahr bin ich Geschäftsführerin des Verbands; nun darf ich stellvertretend für alle, die diese Institution aufgebaut haben und erfolgreich betreiben, den Preis entgegennehmen.


Wie haben Ihre Mitarbeitenden reagiert?
Sie haben sich wahnsinnig gefreut. In einem Schreiben haben wir unsere 670 Freiwilligen informiert, die ja die tragenden Säulen unserer Dienstleistung sind. Das Feedback war sehr positiv. Eine grosse Dankbarkeit ist spürbar. Und auch Stolz.


Was beschäftigt die Schweizerinnen und Schweizer während der Coronakrise am meisten?
Im März und April ging es um Alltagsbewältigung. Homeoffice, Heimunterricht und Kinderbetreuung hat viele enorm gefordert. Dazu die Einsamkeit und die Sorge wegen der Infektion – das waren die Top-Themen. Auch das psychische Leiden war in diesen Monaten deutlich ausgeprägter als im Vorjahr.


Es droht ein erneuter Shutdown. Steigt die Anzahl Anrufe wieder?
Derzeit sind wir noch im Normalmodus. Aber klar, sollte der Bundesrat wieder strengere Massnahmen beschliessen, werden wir das wohl auch zu spüren bekommen. Im Frühling nahm die Anzahl Gespräche, in denen es um Einsamkeit ging, um mehr als 30 Prozent zu. Das gibt mir schon zu denken.

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Was raten Sie Menschen, die sich von der gegenwärtigen Situation überfordert fühlen?
Grundsätzlich erteilen wir bei der 143 keine Ratschläge. Wir hören zu, fragen nach. So versuchen wir, einen kleinen Lichtblick im Leben der Anrufenden zu generieren. Ihnen einen möglichen Silberstreifen am Horizont aufzuzeigen, und erste Schritte auf dem Weg dorthin. Manchmal geht es aber auch einfach darum, Erleichterung zu verschaffen, mitzutragen.


Wie meistern Sie persönlich die Krise?
Nicht ständig an das Virus denken hilft. Täglich die Fallzahlen zu studieren und bloss News zu konsumieren, ist auf Dauer ungesund. Man sollte sich jeden Tag eine kleine Freude bereiten, und einen Tag nach dem anderen nehmen.


Im Frühling war das einfacher, da schien die Sonne, man konnte nach draussen.
In die Natur zu gehen ist immer noch eine gute Idee. Aber klar, wenn es dunkel ist und regnet, ist es nicht so angenehm. Ich persönlich lese gerne. Und ich telefoniere deutlich mehr mit Menschen, die mir nahestehen. Heute läuft vieles über Chats und SMS. Diese Kanäle können ein richtiges Gespräch nicht wirklich ersetzen.

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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