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Putativnotwehr

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Wer ohne Recht angegriffen oder unmittelbar bedroht wird, darf diesen Angriff «in einer den Umständen angemessenen Weise» abwehren. In Notwehr verübte Taten sind also grundsätzlich straffrei

Ein spezieller Fall der Notwehr ist die sogenannte Putativnotwehr. «Putare» ist lateinisch und heisst «glauben» oder «meinen». Dementsprechend reden Juristen von Putativnotwehr, wenn eine Person glaubt, angegriffen zu werden und sich dagegen verteidigen zu müssen. Der Betroffene geht also von einer Notwehrlage aus – obwohl er in Tat und Wahrheit gar nicht angegriffen wird.

Ein Beispiel: Tim befindet sich spätabends auf dem Nachhauseweg, als er denkt, dass ein Fremder mit einem Baseballschläger zum Schlag auf ihn ausholt. In vermeintlicher Notwehr bringt er den von ihm gewähnten Angreifer mit einem Kickbox-Tritt zu Boden. Kurz später stellt sich jedoch heraus, dass sein Gegenüber bloss zufällig mit einem Gehstock in Tims Richtung gezeigt hatte. Tim hat sich über die Situation geirrt. Hat er sich nun einer vorsätzlichen Körperverletzung strafbar gemacht? Da gar kein Angriff im Raum stand, kann sich Tim nicht auf die rechtfertigende Notwehr berufen. Gemäss Gesetz hat das Gericht Tims Abwehrtat jedoch zu seinen Gunsten nach dem Sachverhalt zu beurteilen, den er sich vorgestellt hat. Hätte er seinen Irrtum bei pflichtgemässer Vorsicht vermeiden können, fällt eine Bestrafung wegen Fahrlässigkeit in Betracht.

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