Mike hat schon alle möglichen alternativen Heilverfahren ausprobiert, um seine Schuppenflechte (in der Fachsprache: Psoriasis) loszuwerden: von Schwarzkümmelöl, Kombucha, Brennnesseltee und Nachtkerzenöl über Bachblütentherapie, Eigenurin- und Fremdurinbehandlung, Eigenblutinjektion, Akupunktur und Arjuveda bis zu Fernheilung durch Auspendeln, Yoga und transzendentaler Meditation. Alles ohne Erfolg, wie Mike in seinem Erfahrungsbericht auf der Website des Psoriasis-Netzes schreibt.

Damit er die unangenehme Hautkrankheit unter Kontrolle halten kann, sieht sein persönliches Therapieprogramm wie folgt aus: Öl-, Salz- und Kamillenbäder, rückfettende und pflegende Cremen, kortisonhaltige Salbe für Rückfälle im Gesicht und Teersalbe gegen den Juckreiz. Ausserdem Urlaub in der Sonne und immer wieder Therapien mit UV-Bestrahlung.

Nur Behandlung der Symptome

Mike ist kein Einzelfall. Tatsächlich haben die meisten Psoriasis-Patienten eine halbe Apotheke zu Hause. «Für die Schuppenflechte gibt es keine ursächliche Behandlung», erklärt Dagmar Simon von der Klinik für Dermatologie und Allergie in Davos GR. «Man behandelt die Symptome, die vorhanden sind.» Dabei geht es vor allem darum, die befallenen Hautstellen zu entschuppen, die übermässige Schuppenbildung zu drosseln und die Entzündung zu beherrschen. Zum Abschuppen der Haut empfiehlt die Hautärztin salicylsäurehaltige Präparate oder Salz- und Ölbäder. Gegen Entzündung und Schuppenbildung werden vor allem Teer, Dithranol, Kortison, Vitamin-D- und Vitamin-A-Abkömmlinge äusserlich angewandt. Diese sehr effektiven Mittel eignen sich insbesondere für eine kurmässige Anwendung beim akuten Krankheitsschub.

Anzeige

Salben mit pflanzlichen Wirkstoffen können dagegen auch langfristig eingesetzt werden. Es dauert zwar länger, bis die schuppigen Herde zurückgehen, aber dafür ist die Behandlung angenehmer und frei von Nebenwirkungen. Belegt ist die Wirksamkeit der Mahonie und von Aloe vera. Die Mahonie (Mahonia aquifolium), eine Berberitzenart, ist eine traditionelle Heilpflanze der nordamerikanischen Indianer. Die Rinde der Pflanze enthält Substanzen, die die Zellteilung und die Entzündung beeinflussen. Klinische Studien haben ihre Wirksamkeit nachgewiesen. Die Salbe ist zur Anwendung bei leichten bis mittelschweren Formen, zur unterstützenden Behandlung zwischen Schüben oder zur Hautpflege im erscheinungsfreien Intervall geeignet.

Gute Erfolge mit Fumarsäure

Auszüge von Aloe vera wirken sich günstig auf die Wundheilung und die Hautgesundheit aus. Bei leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte kann es sich also lohnen, eine Aloe-Salbe auszuprobieren. Auch Extrakte von Kamille, Ringelblume (Calendula) oder Zaubernuss (Hamamelis) haben eine milde, entzündungshemmende Wirkung. Wegen ihrer geringen Wirkung eignen sie sich vornehmlich zur Nachbehandlung oder zur Hautpflege.

Anzeige

Bei der Schuppenflechte werden ebenfalls Heilpflanzen eingesetzt, die als Hauptwirkstoff Fumarsäure enthalten, zum Beispiel Erdrauch (Fumaria officinalis), Isländisch Moos (Cetraria islandica) und Hohler Lerchensporn (Carydalis cava). Zur äusseren und inneren Anwendung dieser Pflanzen kann man zu fertigen Zubereitungen aus der Apotheke greifen. Sie gewährleisten einen standardisierten Gehalt an Fumarsäure. Anstelle von Heilpflanzen mit Fumarsäure gibt es auch Tabletten und Salben, die synthetisch hergestellte Fumarsäureverbindungen enthalten. Diese Mittel wirken offenbar gut bei Schuppenflechte, können aber auch die Nierenfunktion belasten, zu Magen-Darm-Störungen führen und das Blutbild verändern. Pflanzenextrakte mit natürlicher Fumarsäure sind hingegen ungefährlich.

Warme Bäder und Wickel mit verschiedenen Zusätzen können die äusserliche Behandlung unterstützen. Als Badezusatz eignet sich Ackerschachtelhalm (Zinnkraut), der als Tee in der Apotheke oder im Reformhaus erhältlich ist. Für ein Vollbad 150 Gramm Tee auf fünf Liter kochendes Wasser geben und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschliessend den Sud unters Badewasser mischen und 10 bis 20 Minuten darin baden. Auch Heublumen-, Molke- oder Kleiebäder sowie Soja-, Erdnuss- oder Mandelölbäder besänftigen die gereizte Haut.

Anzeige

Neben der Salbentherapie hat vor allem die UV-Behandlung einen hohen Stellenwert. «UV-Licht wirkt direkt auf die Haut und verhindert die schnelle Hauterneuerung, wie sie für die Schuppenflechte typisch ist», erklärt Dagmar Simon. Ausserdem hemmt die UV-Strahlung das Immunsystem, die Entzündungsvorgänge bei der Schuppenflechte werden unterdrückt. Die UV-Therapie gibt es in verschiedenen Varianten. Man kann sich der Sonne aussetzen (Heliotherapie) oder die Haut mit künstlichem UV-Licht bestrahlen. Ein Urlaub am Meer oder im Hochgebirge, wo die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist, gehört für Patienten mit Schuppenflechte sozusagen zum Pflichtprogramm.

Achtung vor einem Sonnenbrand

Wichtig bei der Sonnen- oder UV-Therapie: die Haut langsam an die Bestrahlung gewöhnen und die Dauer des Sonnenbads langsam steigern. «Man muss immer unter der Grenze bleiben, wo ein Sonnenbrand entstehen kann, um Schäden wie vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs zu verhindern», rät Dagmar Simon. Bei der Balneo-Fototherapie kombiniert man UV- oder Heliotherapie mit Salzbädern. Der Patient badet in der Solelösung und wird dabei von der Sonne oder einer UV-Lampe bestrahlt. Diese am Toten Meer natürlicherweise gegebene Kombination verstärkt die Wirkung der UV-Strahlung. Die Solelösung wirkt zusätzlich reinigend und entzündungshemmend. Die schuppigen Hautstellen weichen auf und lösen sich.

Anzeige

Eine weitere Möglichkeit, den Effekt von UVA-Strahlung zu steigern, ist die Anwendung von Psoralen, einem Wirkstoff, der die Strahlenempfindlichkeit der Haut erhöht. Diese Kombination wird auch als PUVA-Therapie (Psoralen und UVA) oder Fotochemotherapie bezeichnet.

Klimawechsel hat positive Wirkung

Die guten Behandlungserfolge nach einem Aufenthalt im Hochgebirge oder an der See, vor allem auf den Nordseeinseln, beruhen aber nicht nur auf der intensiveren Sonnenstrahlung. Entscheidend ist das besondere Zusammenspiel von klimatischen Reizfaktoren. Das Klima löst Immun- und Stoffwechselreaktionen im Organismus aus, die sich heilsam auf den Verlauf von Hautkrankheiten auswirken. «Nach einer Kur im Davoser Hochgebirgstal können über 95 Prozent der behandelten Patienten mit Schuppenflechte erscheinungsfrei oder deutlich gebessert entlassen werden», sagt Siegfried Borelli, der die Davoser Hautklinik leitet. Und der Effekt hält länger vor als nach künstlicher UV-Bestrahlung im Heimatort.

Anzeige