«Traum verwirklicht»

Die 21-jährige Coiffeuse Vanessa Traber hat vor neun Monaten ihr eigenes Geschäft eröffnet.

«Nach der Lehre arbeitete ich als Angestellte in einem Coiffeursalon. Mit der Zeit ärgerte ich mich immer mehr über den geringen Lohn von 3000 Franken brutto monatlich. Meine Familie und Freunde rieten mir, den Weg in die Selbstständigkeit zu versuchen. Ich zweifelte lange, ob das gut gehen kann. Meine Familie unterstützte mich finanziell grosszügig, sonst hätte ich mir Ausstattung und Umbau nicht leisten können. Mein Geschäft ist noch lange nicht selbsttragend. Ich arbeite mehr und verdiene weniger als früher Ferien liegen frühestens Ende Jahr drin. Aber ich habe mir einen Traum verwirklicht auf eigenen Beinen zu stehen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist.»

«55 Stunden pro Woche»

Seit 18 Jahren führt Christoph Hochstrasser mit Erfolg die Brockenstube Au-Wädenswil.

«Mit 22 Jahren gründete ich mit zwei Kollegen eine der ersten Brockenstuben am linken Zürichseeufer. Das Ladenlokal war winzig, Miete und Verdienst waren es auch. Damals war ich ungebunden und kam mit wenig Geld über die Runden. Nach ein paar Jahren stiegen die Kollegen aus, ich wurde Alleininhaber. Meine Firma ist langsam gewachsen, das ist sicher einer der Gründe für den Erfolg. Heute habe ich drei Angestellte, und das Lokal hat sich auf 500 Quadratmeter vergrössert. Der Druck hat erst mit der Zeit zugenommen, denn heute habe ich wesentlich mehr Verantwortung: Für meine Familie und die Mitarbeiter. Ich arbeite etwa 55 Stunden pro Woche, das muss schon sein.»

«Altersvorsorge verloren»

Der 55-jährige Marcus Messmer machte sich im Gastgewerbe selbstständig und scheiterte.

«In meinem Alter einen Job zu finden ist schwierig. Was blieb mir anderes übrig, als den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Als ich das Angebot erhielt, eine Schulcafeteria zu pachten, nahm ich die Herausforderung an. Die Pacht war angesichts der studentenfreundlichen Preise jedoch viel zu hoch. Schnell merkte ich, dass ich auf keinen grünen Zweig kommen würde. Es gelang mir, dem Personal ordnungsgemäss zu kündigen und die Sozialleistungen zu begleichen. Im letzten August musste ich Konkurs anmelden. Meine Selbstständigkeit hatte ich mir mit der Auszahlung meines Pensionskassenkapitals finanziert. Nun stehe ich ohne Job und ohne Altersvorsorge da. Aber meine Kraft ist nicht gebrochen.»

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«Ich war blauäugig»

Ruedi Wartenweiler liess sich mit seinem Tankstellenshop auf Scheinselbstständigkeit ein.

«Heute ist mir klar: Die Verlockung, mein eigener Chef zu sein, machte mich blauäugig. Deshalb erkannte ich 1995, als ich einen Tankstellenshop übernahm, die Fallen im Franchising-Vertrag nicht ein Riesenfehler. Ich trug alle unternehmerischen Lasten wie Personal- und Pachtkosten, konnte aber selbst nicht unternehmerisch tätig sein, weil mir Preis, Margen, Sortiment und Logistik strikt vorgeschrieben wurden. Nach einem Jahr war das eingeschossene Eigenkapital aufgebraucht. Der Ausstieg aus dem Vertrag war sehr schwierig. Meinen Traum habe ich mir aber doch noch erfüllt: Seit zwei Jahren besitzen meine Frau und ich im Thurgau ein Lädeli. Wir arbeiten viel, aber jetzt sagen wir, wos langgeht.»

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«Das Genick gebrochen»

Nach fünf Jahren scheiterte der 58-jährige Ingenieur Hans Peter mit seinem Kleinbetrieb.

«Mit der Abgangsentschädigung von Novartis gründete ich 1997 eine eigene Engineering-Firma für Pharmaanlagen. Doch mit all den Fixkosten eines Fünf-Personen-Betriebs blieb das finanzielle Pols-ter stets dünn. Spürbar wurde das ab 2001, als sich das Wirtschaftsklima verschlechterte. Unsere Kunden begannen zu sparen. Dies machten sich Frühpensionierte aus der Chemiebranche zunutze. Sie sind mit guten Rentenlösungen abgesichert und können als Freelancer Mandate zu Dumping-preisen übernehmen zu Lasten jener, die auf Arbeit angewiesen sind. Meiner Firma hat diese Wettbewerbsverzerrung das Genick gebrochen: Ende 2002 musste ich meine Leute entlassen.»