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Autofahren lernenVon der Anmeldung bis zum Führerausweis

Mehr als 4000 Franken geben Fahrschüler durchschnittlich aus, wenn man alle Kosten bis zum Führerausweis zusammenrechnet. Bild: Getty Images

Bis Junglenker den Fahrausweis erhalten, sind einige Formulare auszufüllen, Prüfungen zu bewältigen und Franken auszugeben. So nehmen Sie alle Hürden.

von Christian Gmüraktualisiert am 2017 M09 14

Nothilfekurs

Wer sich mit einem motorisierten Fahrzeug auf die Strasse begibt, muss wissen, wie man bei einem Verkehrsunfall Erste Hilfe leistet. Aus diesem Grund ist der Besuch eines Nothilfekurses einer der ersten Schritte auf dem Weg zum Billett.

Der Nothilfeausweis darf für die Anmeldung zur Theorieprüfung beziehungsweise für das Gesuch zum Lernfahrausweis nicht mehr als sechs Jahre zurückliegen. Der Kursanbieter muss eine vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) anerkannte Organisation sein und die Unterrichtsdauer sollte mindestens zehn Stunden betragen. Der Schweizerische Samariterbund (SSB) gehört mit seinen regionalen und lokalen Vereinen zu den am meisten verbreiteten Anbietern. Eine Liste mit Nothilfekursen zeigt, wo die nächsten Kurse stattfinden. Laut SSB ist mit Kosten zwischen 120 und 160 Franken für den Kurs und den Ausweis zu rechnen. 

Anfang September 2017 machte der Verband der kantonalen Strassenverkehrsämter einen Vorschlag, den praktischen Nothelferkurs abzuschaffen. Der theoretische Teil soll nur noch in der Basisprüfung abgefragt werden. Der Verband argumentiert mit der grossen Verbreitung von Handys, wodurch Rettungssanitäter schnell angefordert werden können, sowie mit den sinkenden Unfallzahlen. Der Vorschlag wird von mehreren Seiten kritisiert. Für Regina Gorza, Direktorin des Schweizerischen Samariterbundes, ist es wichtig, dass Nothelfer vor Ort erste Massnahmen einleiten können. «Der Kurs ist die beste Lebensversicherung, die unsere Gesellschaft hat».

Lernfahrausweis

Ohne den Lernfahrausweis geht gar nichts. Er berechtigt Neulenker zum Führen eines Kraftfahrzeugs auf öffentlichen Strassen, entweder zusammen mit einer Begleitperson oder einem professionellen Fahrlehrer.

Voraussetzungen: Um das blaue «L» für die Fahrzeugkategorie B beantragen zu können, muss man einen Wohnsitz in der Schweiz haben und gesund sein. Ob jemand die medizinischen Mindestanforderungen erfüllt, wird durch Fragen im Gesuchsformular geprüft. Am wichtigsten ist der Sehtest. Das Ergebnis muss durch einen Optiker oder Augenarzt direkt im Gesuchsformular eingetragen werden. Der Sehcheck darf nicht älter als 24 Monate sein. Der Lernfahrausweis kann frühestens einen Monat vor Erreichen des 18. Altersjahres beantragt werden.

Gesuch einreichen: Das «Gesuch um Erteilung eines Lernfahrausweises» kann bei den Gemeinde- und Stadtverwaltungen oder auch digital bei den Strassenverkehrsämtern der Kantone bezogen werden. Zur Einreichung ist ein persönliches Vorsprechen bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinde oder beim kantonalen Strassenverkehrsamt erforderlich. Zur Identifizierung der Person wird zudem ein amtlicher Bildausweis (bei Ausländern zusätzlich der Ausländerausweis) verlangt. Neben dem Gesuch sollten Sie auch ein bis zwei aktuelle Passfotos im Format 35x45 mm sowie den Nothilfeausweis mitnehmen. Sind die Dokumente vollständig, werden diese an die Zulassungsbehörde zur Prüfung geschickt.

Kosten: Je nach Kanton zwischen 30 und 90 Franken. In der Guider-Checkliste «Übersicht über die Kosten der Fahrausbildung» sehen Mitglieder genauer, wie viel sie für den Lernfahrausweis in ihrem Wohnkanton bezahlen. 

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Theorieprüfung

Haben Sie das Gesuch für den Lernfahrausweis gestellt, wird es sicher noch mehrere Tage bis Wochen dauern, bis Sie das Bestätigungsschreiben des Strassenverkehramtes zusammen mit dem Aufgebot zur Theorieprüfung bekommen. In dieser Zeit – oder besser vielleicht schon zuvor – sollten Sie mit dem Lernen der Basis-Theorie beginnen.

Lernstrategie: Haben Sie eine Fahrschule gewählt, wird der Lehrer mit Ihnen den Stoff für die Fahrprüfung durchgehen und Fragen im Theorieunterricht besprechen. Sie können von ihm auch einen lizenzierten Katalog mit Prüfungsfragen beziehen. Der Besuch des Theorieunterrichts wird jedoch nicht vorausgesetzt, um die Prüfung abzulegen. Die Vereinigung der Strassenverkehrsämter (asa) bietet über verschiedene Lizenznehmer ebenfalls Lehrmittel in Form von Büchern, CD-Roms oder Apps an. Eine solche App ist beispielsweise «iTheorie Premium» mit Originalfragen und –abbildungen aus Theorieprüfungen vergangener Jahre.

Prüfungsablauf: Der Test wird am Computer durchgeführt und ist als Multiple-Choice aufgebaut. Sie müssen insgesamt 50 Verkehrssituationen beurteilen. Zu jeder Frage gibt es drei Behauptungen, wovon mehrere richtig oder falsch sein können. Treffen mehrere Behauptungen auf eine bestimmte Verkehrssituation zu, müssen Sie diese alle markieren. Pro falsche Markierung gibt es einen Fehlerpunkt, also maximal drei pro gestellte Frage. Gesamthaft sind 150 Punkte zu holen und mindestens 135 sind nötig, um die Theorieprüfung zu bestehen. Der Test dauert 45 Minuten und kann beliebig oft wiederholt werden. Die Vereinigung der Strassenverkehrsämter stellt eine Test-Demo mit acht Prüfungsfragen für die Basistheorie zur Verfügung, damit Kandidaten ein Gefühl für den Prüfungsaufbau bekommen.

Erteilung des Lernfahrausweises: Wer die Theorieprüfung besteht, erhält den Lernfahrausweis. Dieser ist während zwei Jahren gültig. Der Ausweis berechtigt – vorausgesetzt, dass der Lenker mindestens 18 Jahre alt ist – zum Besuch der Fahrschule sowie zum Verkehrskundeunterricht.

Kosten: Je nach Kanton zwischen 20 und 50 Franken. In der Guider-Checkliste «Übersicht über die Kosten der Fahrausbildung» sehen Mitglieder genauer, wie viel sie für die Theorieprüfung in ihrem Wohnkanton bezahlen.

Fragen zur Theorieprüfung

Muss ich die Theorieprüfung zwingend in meinem Wohnkanton machen?
Nein, die meisten Kantone erlauben gegen Zahlung einer Gebühr, die Theorieprüfung auch in einem anderen Kanton zu absolvieren.
 

Kann es ein Nachteil sein, wenn ich die Theorie nur im Eigenstudium und nicht bei einer Fahrschule lerne? 
Das kommt in erster Linie auf das verwendete Lehrmittel an und wie gut das Verständnis für gewisse Verkehrssituationen vermittelt wird. Wenn Sie die richtigen Prüfungsantworten quasi einfach nur auswendig lernen, wird das wenig nachhaltig sein. Dies kann sich spätestens dann negativ auswirken, wenn der Fahrlehrer die Basistheorie während der Fahrstunde mit Ihnen nachholen muss. Dann konnten Sie sich zwar das Geld für die Theorie bei einer Fahrschule sparen, verlieren aber umso mehr Zeit in der teureren Fahrstunde.

Fahrschule und Verkehrskunde

Kompetenzen: In der Fahrschule werden Sie insgesamt vier Ausbildungselemente durchlaufen. Bei der Vorschulung geht es darum, ein Gefühl für das Fahrzeug und die Fahrdynamik zu entwickeln. Dazu erklärt Ihnen der Fahrlehrer erst einmal die Fahrzeugbedienung und welche Blicktechniken Sie sich aneignen sollten. Während dieser Ausbildungsteil vorwiegend ausserhalb des Verkehrs z. B. auf autofreien Plätzen stattfindet, tasten Sie sich bei der Grundschulung langsam an die Strasse heran. Bei dieser Phase lernen Sie, Prozesse der Autobedienung zu verinnerlichen und erhalten ein Gefühl für das Fahren in Spuren und für die Geschwindigkeit. Die Hauptschulung als nächste Stufe geht auf befahrenere Strassen über und soll vermitteln, wie Sie auf andere Verkehrsteilnehmer achten. Zu guter Letzt lernen Sie bei der Perfektionsschulung selbständig zu fahren. Sie wissen in allen Verkehrssituationen, wie Sie sich zu verhalten haben und handeln angemessen in Gefahrensituationen.

Verkehrskundeunterricht: Fahrschüler müssen einmal während ihres Fahrtrainings zu einem Kurs, der ein Gefühl für besondere Situationen und Gefahren vermitteln soll. Die Teilnehmer sollen hierbei zu einer defensiven und verantwortungsbewussten Fahrweise motiviert werden. Der Unterricht läuft über die Fahrschule oder eine Organisation und dauert insgesamt acht Stunden. Die Bescheinigung ist für zwei Jahre gültig. In dieser Zeit muss die Fahrprüfung erfolgreich bestanden sein.

Don’ts während der Fahrschulzeit: Für Probefahrten mit dem Fahrlehrer oder einer Begleitperson sollten Sie immer den Lernfahrausweis mitführen. Werden Sie ohne Ausweis erwischt, riskieren Sie eine Busse oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Für Lernfahrende gilt ein absolutes Alkoholverbot. Anfangs sollten Sie verkehrsreiche Strassen vermeiden. Auch auf Autobahnen dürfen Sie nur dann, wenn Sie prüfungsreif sind oder der Fahrlehrer Sie für genügend fahrsicher hält. Vergessen Sie ausserdem nicht, bei einer privaten Lernfahrt das blaue «L» auf der Rückseite des Wagens anzubringen. Auf diese Weise wissen andere Verkehrsteilnehmer, dass der Fahrer vielleicht unsicher reagiert.

Kosten: Gemäss Auskunft des Schweizerischen Fahrlehrer-Verbands ist je nach Region mit 80 bis 100 Franken pro Fahrstunde zu rechnen. Für das Bestehen der Fahrprüfung sind durchschnittlich 30 Fahrstunden nötig.

Tipp: Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, so schnell wie möglich die praktische Prüfung anzugehen, nur weil gleichaltrige Kollegen weniger Fahrstunden dafür benötigt haben. Konzentrieren Sie sich auf sich selbst und auf die Einschätzung Ihres Fahrlehrers.

Fragen zur Fahrschule

Sind wir mit dem Familienauto genügend versichert, wenn es auf einer privaten Begleitfahrt zu einem Crash kommt?
Nach Angaben der AXA Winterthur und der Zurich Versicherung sind Lernfahrten abgedeckt, wenn diese zusammen mit einer Begleitperson, z. B. mit dem Vater, unternommen werden. Verursacht ein Lernfahrender unter 25 Jahren einen Schaden, kommt bei der Zurich Versicherung ein Selbstbehalt von 1000 Franken zum Tragen. In der Regel werden Fahrzeughalter beim Vertragsabschluss gefragt, ob auch Junglenker das Familienauto benutzen. Fragen Sie zur Sicherheit bei Ihrer Versicherung nach der Deckung und ob ein solcher Vermerk gemacht wurde.
 

Kann ich, wenn ich die Fahrschule mit einem Automatik-Auto absolviert habe, später auch mit Gangschaltung fahren?
Bis jetzt ist das noch nicht möglich, aber Teil der Diskussionen rund um die Revison zur Fahrausbildung (siehe Box «Neue Zulassungsbedingungen»).
 

Muss ich zwingend Fahrstunden nehmen oder kann ich einfach nur mit meinem Vater üben?
Sie sind nicht verpflichtet, sich bei einer Fahrschule anzumelden, um die Fahrprüfung zu absolvieren. Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen haben jedoch den grossen Vorteil, dass sie professionell geschult und die Autos optimal ausgestattet sind. Ausserdem kann ein Fahrlehrer helfen, falsche Gewohnheiten sofort zu korrigieren. Ohne Fahrlehrer dürfte es um einiges schwieriger sein, sich diese später wieder abzugewöhnen.
 

Darf ich auch Lernfahrten ins nahe Ausland unternehmen? 
Das kommt auf die dort geltenden Vorschriften an. Je nach Land können Ihnen eine Schweizer Vertretung, die ausländische Zollstelle, die Verkehrsverbände oder Automobilclubs Auskunft geben. Für Lernfahrende ist aber grundsätzlich eher davon abzuraten.

Praktische Fahrprüfung

Prüfungsablauf: Die Führerprüfung für die Fahrzeugkategorie B dauert mindestens 60 Minuten. Sie wird mit einem Verkehrsexperten durchgeführt. Nach einer technischen Kontrolle des Fahrzeugs brauchen Sie nur den Anweisungen des Verkehrsexperten zu folgen und das Gelernte unter Beweis zu stellen. Die Prüfstrecke führt über verkehrsreiche Kreuzungen und Verzweigungen, Landstrassen sowie Autobahnen. Am Ende der Prüfungsfahrt teilt Ihnen der Verkehrsexperte das Ergebnis mit.

Geprüfte Fähigkeiten: Grob gesagt wird bei der Fahrprüfung darauf geachtet, ob Sie fähig sind, ein Fahrzeug unter Einhaltung der Verkehrsregeln in schwierigen Situation zu führen. Der Verkehrsexperte will beispielsweise sehen, ob…

  • Sie vorausschauend fahren und dabei die anderen Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.
  • Richtungswechsel nach links und rechts sicher vollzogen werden.
  • Sie das Auto korrekt parkieren können. Zum Beispiel parallel, senkrecht oder schräg zur Fahrbahn sowie im Rückwärts- und Vorwärtsgang.
  • Sie die Geschwindigkeit den äusseren Umständen anpassen.
  • an ein umweltschonendes und sparsames Fahrverhalten gedacht wird.

In Anhang 12 der Verkehrszulassungsverordnung (VZV) finden Sie eine detaillierte Auflistung der geprüften Fähigkeiten.

Nicht bestandene Prüfung: Falls der Verkehrsexperte Sie durch die Prüfung fallen lässt, muss er dies begründen. Dies kann etwa sein, weil Sie Sicherheits- oder Verkehrsregeln missachtet haben oder weil zu viele kleine Fehler ein Ausstellen des Führerausweises auf Probe nicht zulassen. Doch keine Sorge: Wenn Ihnen aus Nervosität ein grober Schnitzer passiert, können Sie nach relativ kurzer Wartezeit die Fahrprüfung wiederholen. Sollten Sie dann aber nochmals durch die Prüfung rasseln, werden Sie wieder zum Besuch der Fahrschule aufgeboten. Erst wenn der Fahrlehrer bescheinigt, dass der Lernfahrer die Ausbildung abgeschlossen hat, kann ein dritter Versuch vorgenommen werden.

Kosten: Je nach Kanton zwischen 90 und 174 Franken. In der Guider-Checkliste «Übersicht über die Kosten der Fahrausbildung» sehen Mitglieder genauer, wie viel sie für die praktische Fahrprüfung in ihrem Wohnkanton bezahlen.

Fragen zur Fahrprüfung

Kann ich auch mit dem eigenen Auto die praktische Fahrprüfung absolvieren?
Ja, solange das Auto betriebssicher ist (z. B. wintertaugliche Reifen bei Kälte oder Schneefall), ist dagegen nichts einzuwenden. Sie brauchen ausserdem eine gültige Autobahnvignette.
 

Darf der Prüfungsexperte mir absichtlich eine Falle stellen?
Nein, das ist verboten. Dennoch sollten Sie Ihre Augen offen halten und eigenständig entscheiden, wenn Sie beispielsweise nicht in eine Strasse fahren dürfen, in die Sie der Experte leiten will.
 

Kann man eine nicht bestandene Fahrprüfung anfechten?
Ja, das können Sie, auch wenn die Chancen meistens nicht gut stehen. Verkehrsexperten haben einen gewissen Ermessensspielraum. Verlangen Sie eine schriftliche Begründung, die gleichzeitig als anfechtbare Verfügung gilt.
 

Was passiert, wenn man die Fahrprüfung zum dritten Mal nicht besteht? 
In diesem Fall müsste der Lernfahrer zu einem Eignungstest. Dieser klärt ab, ob man überhaupt geeignet ist, ein Motorfahrzeug zu führen. Ein Arzt kann hierbei die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit prüfen. Nur wenn dieser Test als bestanden gilt, darf der Lernfahrer ein viertes Mal an die praktische Prüfung zugelassen werden. Voraussetzung ist, dass die zweijährige Gültigkeit der Theorieprüfung nicht abgelaufen ist.

Führerausweis auf Probe und Zweiphasenausbildung

Ausgangslage: Wenn Sie die Fahrprüfung bestanden haben und dies Ihr erster Führerausweis ist, um den Sie sich bewerben, ist dieser für drei Jahre auf Probe gültig. Neulenker können nun ohne Begleitperson ein Fahrzeug der Kategorie B führen und dürfen in dieser Zeit nicht gegen das Strassenverkehrsrecht verstossen. Das heisst, Sie sollten keine Verkehrsregel verletzen, die einen Ausweisentzug zur Folge hat. Wenn Sie zum Beispiel mit Alkohol am Steuer (während der Probezeit gilt ein absolutes Verbot!) in eine Verkehrskontrolle geraten, verlängert sich der provisorische Führerausweis um gesamthaft ein Jahr.

Zweiphasenausbildung: Um das statistisch höhere Unfallrisiko von Neulenkern zu senken, hat der Bundesrat per Ende 2005 beschlossen, dass für den Erwerb des definitiven Führerausweises ein zweitägiger Weiterausbildungskurs (WAB) besucht werden muss. Sie müssen den ersten WAB-Kurs innerhalb der ersten sechs Monate nach Ausstellung des Probeausweises belegen. Dieser hat zum Ziel, dass Sie gefährliche Verkehrssituationen bereits vor ihrer Entstehung erkennen und vermeiden.

Beim zweiten Kurstag soll der eigene Fahrstil analysiert werden. Andere Kursteilnehmer fahren mit und geben ein Feedback. Neben einer umweltschonenden Fahrweise soll der Neulenker so lernen, sich selber besser einzuschätzen. Der zweite WAB-Kurs muss innerhalb der dreijährigen Probezeit belegt werden. Jeder Kurstag dauert ungefähr acht Stunden. Wann in Ihrer Nähe ein WAB-Kurs stattfindet, sehen Sie unter 2-phasen.ch.

Nehmen Sie die Weiterausbildung nicht auf die leichte Schulter, denn nur wer aufgrund von Krankheit die Kurse nicht (vollständig) besuchen konnte, erhält auf Gesuch eine Nachfrist von drei Monaten. Junglenker mit einem Führerausweis auf Probe können sich eine kostenlose Termin-Erinnerung für die WAB-Kurse zuschicken lassen. Werden Sie mit einem abgelaufenen Ausweis auf der Strasse erwischt, gilt dies als Fahren ohne Führerschein.

Kosten für WAB-Kurse: Zwischen 600 und 800 Franken.

Fragen zum Führerausweis auf Probe

Was gilt, wenn man während der Probezeit noch einen weiteren Führerschein der Kategorie A erwerben möchte?
Dann ist die Probezeit für den Motorrad-Führerschein (Kategorie A) ebenfalls bis zum Ablauf des provisorischen Ausweises der Kategorie B befristet. Sprich: Sie erhalten den definitiven Ausweis für beide Kategorien, wenn die Probezeit für den ersten Führerschein abgelaufen ist.
 

Ich besitze bereits den definitiven Führerausweis für die Kategorie A. Muss ich nochmals durch die Probezeit, wenn ich mich für den PW-Fahrausweis bewerbe?
Nein. Wer bereits ein Billett der Kategorie A oder B vorweisen kann, muss für die andere Kategorie nicht mehr durch die Probezeit.
 

Woher bekomme ich das «grüne L» zum Anbringen ans Auto während der Probezeit?
Das erhalten Sie nirgendwo, weil es das «grüne L» gar nicht gibt. Das Gerücht hält sich zwar hartnäckig, aber mit dem provisorischen Führerausweis dürfen Sie, anders als bei Übungsfahrten mit dem «blauen L», alleine auf die Strasse.
 

Ich habe bei einem Stoppschild nicht vollständig angehalten. Hat das einen negativen Einfluss auf die Probezeit?
Ein sogenannter Rollstopp wird zwar mit einer Busse von 60 Franken bestraft. Auf das Bestehen der Probezeit hat ein einzelnes Vergehen in der Regel jedoch keinen Einfluss, wenn durch die Missachtung nicht weitere Personen gefährdet oder verletzt werden. Nur wer eine mittelschwere oder schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsrecht begeht, die zu einem Ausweisentzug führt, muss mit einer Verlängerung der Probezeit rechnen.
 

Mir wurde zum zweiten Mal der Führerausweis auf Probe entzogen. Was passiert jetzt?
Bei einem zweiten Entzug des Führerausweises wird dieser annulliert. In diesem Fall können Sie erst nach einem Jahr Wartezeit erneut ein Gesuch für den Lernfahrausweis stellen und müssen nochmals von vorne anfangen. Voraussetzung für das Gesuch ist allerdings eine Abklärung beim Verkehrspsychologen.
 

Ein Freund von mir hat zwar die Fahrprüfung absolviert, will sich nun aber erst mal nicht hinters Steuer setzen, um die dreijährige Probezeit auszusitzen. Ist das sinnvoll?
Nein, denn Ihr Freund muss ja trotzdem die obligatorischen Weiterbildungskurse besuchen. Bei den Kursen geht es schliesslich darum, dass eigene Fahrverhalten – am besten mit dem eigenen Auto – zu analysieren, um so weitere Fahrpraxis zu erhalten. Er tut sich deshalb keinen Gefallen, auch wenn beim Gesuch für den definitiven Fahrausweis nicht nochmals das Fahrkönnen geprüft wird.

Definitiver Führerausweis

Haben Sie die dreijährige Probezeit bestanden und die beiden WAB-Kurse absolviert, können Sie frühestens einen Monat vor Ablauf des Probeausweises das definitive Billett beim kantonalen Strassenverkehrsamt beantragen. Der Führerausweis im Kreditkartenformat (FAK) kann in den meisten Kantonen online bestellt werden. Automatisch zugeschickt wird er in den Kantonen Bern, Aargau, Zürich und Neuenburg sowie künftig wohl auch in Solothurn.

Kosten: Je nach Kanton zwischen 35 und 75 Franken. In der Guider-Checkliste «Übersicht über die Kosten der Fahrausbildung» sehen Mitglieder genauer, wie viel sie für den definitiven Führerausweis in ihrem Wohnkanton bezahlen.

Fragen zum definitiven Fahrausweis

Ich fühle mich unsicher, was ich in einem Notfall tun muss. Gibt es eine Pflicht, den Nothelferkurs regelmässig zu wiederholen?
Nein. Wenn Sie jedoch unsicher sind, sollten Sie von sich aus nochmals einen Kurs belegen.
 

Ich will in den Ferien ein Auto mieten. Gilt der Führerausweis im Kreditkartenformat (FAK) auch im Ausland?
Im EU-Ausland gilt der FAK definitiv. In den meisten anderen Länder in der Regel auch (siehe Länderinfos des TCS). Zur Sicherheit können Sie jedoch beim kantonalen Strassenverkehrsamt oder beim Automobilclub einen internationalen Fahrausweis ausstellen lassen. Wichtig ist, dass Sie trotzdem noch den Originalausweis im Ausland mitführen.
 

Auf meinem Führerausweis finde ich unter den Zusatzangaben den Vermerk «01». Was bedeutet das?
Mit diesen Codes tragen die Zulassungsbehörden besondere Einschränkungen oder Auflagen ein. «01» steht zum Beispiel für das Tragen einer Brille oder Kontaktlinsen. Bei Ihrem Sehtest wurde also festgelegt, dass Sie zum Autofahren eine Sehhilfe benötigen. Checkt ein Verkehrspolizist Ihren Ausweis und Sie halten sich nicht daran, dürfen Sie ohne Sehhilfe nicht mehr weiterfahren. Überdies müssen Sie mit einer Busse sowie einem Administrativverfahren rechnen. 

Neue Zulassungsbedingungen

Im Frühling 2017 hat der Bundesrat ein Revisionspaket in die Vernehmlassung geschickt. Gesamthaft soll es darum gehen, das Prüfungswesen zu vereinfachen und die Zweiphasenausbildung - also den theoretisch-praktischen Teil bis zur Führerprüfung und die dreijährige Probezeit - besser aufeinander abzustimmen. Konkret sind folgende Massnahmen angedacht:

  • Lernfahrausweis ab 17 Jahren: Lernfahrer sollen insgesamt mehr Fahrpraxis bis zum Führerausweis sammeln können. Aus diesem Grund sollen alle Lernfahrer mindestens für ein Jahr mit dem Lernfahrausweis geübt haben, bis sie frühestens mit 18 Jahren den Führerausweis erhalten. FDP-Nationalrat Philippe Nantermod schlägt in einer Motion sogar ein Mindestalter von 16 Jahren für den Lernfahrausweis vor.
     
  • Verkürzung der WAB-Kurse: Die Weiterausbildungskurse während der dreijährigen Probezeit sollen von zwei auf einen Tag verkürzt werden. Anstelle des zweiten Kurstages soll der Fahrschüler mindestens zwei Einzellektionen bei der Fahrschule besuchen. In der einen soll das korrekte Vollbremsen geübt werden, während in der anderen gelehrt wird, wie man energieeffizient fährt. Der WAB-Kurs soll wie bisher innerhalb der ersten sechs Monate nach Bestehen der praktischen Fahrprüfung absolviert werden.
     
  • Gangschaltung ohne Prüfung: Künftig soll es möglich sein, dass jemand, der die praktische Fahrprüfung mit Automatikgetriebe absolviert und besteht, auch handgeschaltete Autos führen darf. Das Bundesamt für Strassen begründet diese Neuerung damit, dass die grösste Ablenkung im Strassenverkehr eher die technische Ausstattung als die Frage nach der Getriebeart sei. Es gebe einen solch grossen Unterschied bei den Assistenzsystemen moderner Autos, sodass sich Lenker bei jedem Fahrzeugwechsel aufs Neue umgewöhnen müssten, egal ob es sich um einen Wagen mit Handschaltung oder Automatik handle. Fahrlehrer sehen das anders: Komme es zu brenzligen Situationen im Verkehr, seien Fahranfänger schnell überfordert, wenn sie mit einem handgeschalteten Auto wenig vertraut sind. Die Folge seien mehr Unfälle.
     
  • Einfachere administrative Abläufe: Gesuchsformulare für die Zulassung sollen elektronisch abgewickelt werden können. Einzig die Anmeldung zum Verkehrskundeunterricht erfolgt weiterhin mit einem Papierformular.
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