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ScheidungStreitfall Alimente

Lebt ein Kind vorwiegend bei einem Elternteil, wird der andere für den Unterhalt zur Kasse gebeten. Wie werden die Alimente für die Kinder berechnet?

Weder nennt das Gesetz für Alimente fixe Zahlen, noch sagt es, wie der Betrag 
zu berechnen ist.

Von aktualisiert am 09. Februar 2018

Angela Suter (Name geändert) ärgert sich: «Mein Ex muss mir nur 400 Franken monatlich für unseren neunjährigen Sohn zahlen – davon kann ich nicht einmal einen Bruchteil der Kosten decken. Da ist doch etwas falsch berechnet?»

Verständlich, dass sie sich ärgert. Doch leider ist es nicht so, dass in jedem Fall die Alimente so festgelegt werden, dass damit sämtliche laufenden Kosten bezahlt werden können. Denn die Alimente sind vor allem auch vom Einkommen des Zahlungspflichtigen abhängig. Und: Wo nicht viel zu holen ist, gibts auch wenig – oder im schlimmsten Fall nichts. Denn für Kinderalimente ist kein Minimalbetrag festgelegt.

Gemäss Bundesgericht darf man nämlich das Existenzminimum des unterhaltspflichtigen Elternteils nicht antasten. Liegt das Einkommen also unter diesem Minimum, werden keine Alimente für das Kind fällig. Reicht das eigene Einkommen nicht aus, muss jener Elternteil, der die Obhut über das Kind hat, möglicherweise beim Sozialamt anklopfen.

Neu ab dem 1. Januar 2017 ist immerhin im Unterhaltsvertrag oder Gerichtsurteil anzugeben, auf welchen Betrag das Kind eigentlich Anspruch hätte. Verbessert sich die finanzielle Lage des unterhaltspflichtigen Elternteils später erheblich, kann das Kind für maximal fünf Jahre rückwirkend eine Nachzahlung fordern.

Gibt es Richtlinien?

Ja. Je höher das Einkommen der Eltern, desto höher sind die Alimente. In der Regel werden die Alimente der Teuerung angepasst. Je älter ein Kind, umso höher sein Bedarf – und damit auch die Alimente. Kinderzulagen sind zusätzlich zu den Alimenten zu zahlen, wenn nichts anderes vereinbart ist.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt das neue Kinderunterhaltsrecht. Der Kindesunterhalt besteht seither aus einem Bar- und einem Betreuungsunterhaltsbeitrag. Details zur Berechnung erfahren Sie im Merkblatt «Kinderalimente» (exklusiv für Guider-Mitglieder).

Welche Kosten sollen Alimente decken?

Der Barunterhalt soll alltägliche Ausgaben wie Essen, Kleider, Schulmaterial, Körperpflege, Krankenkasse, Hobbys abdecken. Unvorhersehbare und ausserordentliche Kosten wie eine Zahnspange oder Nachhilfeunterricht können einen zusätzlichen Beitrag nötig machen, sofern dieser finanziell zumutbar ist. Dabei soll der leistungsstärkere Elternteil auch den grösseren Beitrag leisten.

Ein Beispiel: Ein Elternpaar hat nach Abzug des jeweiligen Existenzminimums 500 respektive 1000 Franken zur freien Verfügung. Die Kosten einer Zahnspange für das gemeinsame Kind sind in diesem Fall im Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln aufzuteilen.

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Mehr zu Scheidungsalimente bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Nach einer Scheidung stellt sich häufig die Frage nach der Höhe der Alimente für den Ex-Ehegatten und die Kinder. Guider zeigt seinen Mitgliedern mit verschiedenen Merkblättern, wie sie den Unterhalt regeln, die Abmachungen wieder ändern können und was zu tun ist, wenn Beiträge des Unterhaltspflichtigen nicht bezahlt werden.

Wer setzt die Höhe der Alimente fest?

Unverheiratete Eltern müssen die Ali­mente selber vertraglich regeln und den Unterhaltsvertrag von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) absegnen lassen. Kann man sich nicht einigen, entscheidet das Gericht.

Trennt sich ein Ehepaar, können die Eltern die Alimente selber regeln, zum Beispiel mit Hilfe einer Budgetberatungsstelle – oder sie im Konfliktfall vom Eheschutzgericht festsetzen lassen.

Bei einer Scheidung kann man die Alimente für die Kinder selber in der gemeinsamen Konvention festlegen. Das Gericht muss die Konvention genehmigen. Sind die Alimente oder auch weitere Punkte strittig, wird der Richter darüber urteilen.

Kann man höhere Beträge verlangen?

Ja. Kinderalimente können nachträglich erhöht werden, aber auch gekürzt, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse erheblich, dauerhaft und unvorhergesehen verbessert oder verschlechtert haben. Wurde dem ­Alimentenpflichtigen beispielsweise eine massive Lohnerhöhung zuteil, soll auch das Kind daran teilhaben. Oder wenn das Kind eine Sonderschulung benötigt, kann eine Erhöhung gerechtfertigt sein.

Magerer Lohn, kleiner Unterhaltsbeitrag

Im Fall von Angela Suter und ihrem neunjährigen Sohn ist es nun tatsächlich so, dass der frühere Ehemann bei einer 100-Prozent-Anstellung nur 3100 Franken netto verdient. Da sein Existenzminimum auf 2700 Franken festgelegt wurde, konnte man ihn nur zu einem Unterhaltsbeitrag von 400 Franken verpflichten. Zusätzlich muss der Vater die Kinderzulage von 200 Franken weiterleiten, die der Arbeitgeber ihm auszahlt.

 

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