Wer an einem schönen Sommermorgen seinen Feldstecher von Zermatt aus auf das Matterhorn richtet, kann oft über 100 Alpinisten zählen, die sich im Gänsemarsch den berühmten Berg ­hin­aufbewegen. 2500 bis 3000 Bergsteiger ­ver­suchen jede Saison, das «Horu» zu bezwingen. Durchschnittlich 80 von ihnen kehren nicht aus eigener Kraft zurück, sondern werden mit dem Rettungshelikopter ins Tal geflogen. Pro Jahr ­bezahlen acht bis zehn ­Menschen den Traum vom Gipfel mit dem ­Leben.

Seit der Erst­besteigung vor knapp 150 Jahren kamen am Matterhorn über 500 Menschen um. An keinem anderen Berg der Schweiz sterben so viele Alpinisten. Und auch die Achttausender im Himalaja fordern weniger Opfer: Am Mount Everest kamen bisher rund 220 Menschen ums Leben, am K2 80. Noch «tödlicher» als das ­Matterhorn ist das Montblancmassiv: 6000 bis 8000 Bergsteiger starben dort bis heute.

An sich ist das Matterhorn gar nicht so gefährlich, aber genau darin liegt die Krux. Der mythische Berg gilt als relativ einfach zu besteigen und zieht überdurchschnittlich viele Bergsteiger an. Den rund sieben bis acht Stunden dauernden Aufstieg von der Hörnlihütte nehmen neben ­erfahrenen Bergsteigern auch viele Möchtegern­alpinisten in Angriff, die sich selber über- und den Berg unterschätzen – und die trotz Warnungen oft ohne Bergführer losklettern. «20 bis 30 Prozent der Leute gehen bedauerlicherweise ohne Führer auf die Tour», sagt Kurt Lauber, Hüttenwart der Hörnlihütte. «Beinahe alle Unfälle ereignen sich bei diesen Gruppen.» Die häufig nicht einmal angeseilten Laien, von denen viele aus Osteuropa, Deutschland und Grossbritannien stammen, gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kollegen, nachfolgende Seilschaften und schliesslich die Rettungsmannschaften.

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Quelle: Marina Bräm (Infografik)