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AmeisenSex? Nein danke

Eine südamerikanische Ameisenart hält nichts von geschlechtlicher Fortpflanzung: Sie bringt nur weibliche Nachkommen hervor. Zur Überraschung der Wissenschaft sind die Ameisendamen mit dieser Strategie äusserst erfolgreich.

Blattschneiderameisen schneiden kleine Stücke von Blättern ab, zerkauen sie und kultivieren auf diesem Substrat spezielle Pilze, von denen sie sich ernähren. (Bild: Bandwagonman)

Eine Blattschneiderameisenart in Südamerika kommt nach neuesten Forschungsergebnissen ganz ohne Sex aus: Die Tiere vermehren sich durch Klonen und bringen nur weibliche Nachkommen hervor, wie das Forscherteam um die Biologin Anna Himler von der University of Arizona im Fachmagazin «Proceedings of the Royal Society B» berichtet. Damit ist Mycocepurus smithii die einzige Ameisenart, die sich nur durch Klonen vermehrt.

«Die asexuelle Reproduktion von Männchen findet bei allen Hautflüglern, also Bienen, Wespen und Ameisen statt. Bei allen Hautflüglern entstehen Weibchen aus befruchteten und Männchen aus unbefruchteten Eiern», so die Wissenschaftlerin Dominique Zimmermann vom Naturhistorischen Museum Wien. «Dass sich Weibchen aus unbefruchteten Eiern entwickeln, ist jedoch nur von sieben anderen – von weltweit über 12’000 bekannten – nicht näher verwandten Ameisenarten bekannt.» Mycocepurus smithii ist jedoch die einzige Ameisenart, die ganz ohne Männchen auskommt. Die Arbeiterinnen sind vollkommen steril, und die Königinnen haben reduzierte Fortpflanzungsorgane, mit denen sie neue Königinnen und Arbeiterinnen produzieren.

«Fast alle Tiere pflanzen sich geschlechtlich fort. Das hat den grossen Vorteil, dass das Erbgut von Weibchen und Männchen durchmischt wird und eine neue – mit grösster Wahrscheinlichkeit noch nie dagewesene – Kombination entsteht», erläutert Zimmermann. Je variabler eine Art ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich an Änderungen in der Umwelt anpassen kann oder auch, dass Formen darunter sind, denen ein bestimmter Parasit oder Krankheitserreger nichts anhaben kann. «Sich ungeschlechtlich fortpflanzende Formen können sich nur sehr langsam verändern und entwickeln. Deshalb stehen sie normalerweise den sexuell fortpflanzenden Tieren im Wettbewerb um die allseits knappen Ressourcen hinten an», erklärt die Expertin.

«Das gilt offensichtlich nicht für die Art Mycocepurus smithii, die allen Theorien zum Trotz mit diesem Konzept offensichtlich auch noch recht erfolgreich ist, denn sie ist die in Südamerika am weitesten verbreitete Blattschneiderameise, die man von Mexiko bis Argentinien findet», erklärt Zimmermann. Die Gründe für den Erfolg dieser Art werden die Wissenschaft vermutlich noch einige Jahre beschäftigen. «Möglicherweise werden durch die komplette genetische Identität von Königin und Arbeiterinnen auch sonst in den Staaten sozialer Insekten gar nicht so selten vorkommende Konflikte zwischen der Mutter-Königin und den teilweise selbst eierlegen-wollenden Tochter-Arbeiterinnen vermieden und der Insektenstaat als Gesamtes dadurch wesentlich gestärkt.»

«Die sexuelle Vermehrung ist ein so erfolgreiches Konzept, dass sich fast alle Tierarten daran halten und dafür die Kosten für Partnersuche, Balz und sogar die doppelten Produktionskosten in Kauf nehmen. Denn es sind in diesem Fall zwei Tiere notwendig, um eines zu produzieren.» In Anbetracht des Erfolgs der Erfindung Sex grenze es an ein Wunder, dass es einige wenige Tierarten gibt, die dennoch wieder zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung, auch Parthenogenese genannt, übergehen, meint Zimmermann. (pte/16.04.2009)

Veröffentlicht am 16. April 2009