Eine spezielle Quallenart, die sich verjüngt statt zu sterben, wurde von einem Wissenschaftsteam der Pennsylvania State University näher erforscht. Wird der gallertartige Organismus der Fünf-Millimeter-Qualle «Turritopsis Dohrnii» alt oder trifft er auf schlechte Umweltbedingungen, sinkt er auf den Meeresboden ab. Was dort passiert, ist einmalig im Tierreich: «Die Turritopsis bildet sich in ihre ursprüngliche Polypenform zurück und kann sich so wieder vermehren. Das ist, als würde sich ein Apfel wieder in einen Apfelbaum verwandeln», erklärt Brigitte Aeschbach vom zoologischen Institut der Universität Basel. Dadurch sei die Qualle unsterblich – wenn sie nicht einem Planktonfresser zum Opfer fällt.

Die Verjüngung der Qualle geht auf ihre aussergewöhnliche Fähigkeit zurück, ihre Zellen vollständig umzuwandeln. Muskeln können demnach zu Nerven oder sogar zu Sperma oder Eizellen werden. Auf diesem Weg verwandelt sich die Turritopsis nach Ende eines Zyklus zuerst in eine Zyste und in weiterer Folge in eine Polypenkolonie, was in einem Quallenleben dem Frühstadium gleichkommt. Durch die ungeschlechtliche Vermehrung kann die entstehende Kolonie Hunderte genetisch gleicher Quallen in fast perfekter Kopie der ursprünglichen Qualle hervorbringen. Diese aussergewöhnliche Reaktion auf Umwelteinflüsse könnte dem Tier bei seiner Ausbreitung geholfen haben.

Erforschung der Quallengene ist schwierig

Die Turritopsis wurde bereits 1883 im Mittelmeer gesichtet, doch erst seit zehn Jahren kennt man ihre Verjüngungsfähigkeit. Die Erforschung der genetischen Voraussetzungen der Qualle sei sehr schwierig, sagt Aeschbach. «Man kann sie im Aquarium kaum züchten, sondern muss sie zur Beobachtung immer wieder aus der freien Natur ins Labor holen.» Nachdem dieser DNA-Test jedoch an mehreren Orten gelang, bereitete die Qualle den Wissenschaftlern eine neue Überraschung: Die Gene der Tierchen aus Spanien, Italien, Japan, Florida und Panama waren identisch. Sie könnten per Anhalter im Pumpwasser von Frachtschiffen mitgereist sein, so eine Erklärung der Forscher. «Die Qualle bevorzugt warme Gewässer. Es ist möglich, dass das Ansteigen der Meerestemperatur ihren Lebensraum erweitert hat», vermutet Aeschbach. Badeurlauber werden dem Tierchen jedoch kaum begegnen. «Das fünf Millimeter grosse Wesen ist im Wasser kaum sichtbar. Es hat kein Gift und nesselt daher auch nicht», so die Zoologin. (pte/03.02.2009)

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