Das glänzendste Insekt: Goldkäfer

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Metallisch schillernde Farben findet man bei vielen Insekten. Sie entstehen nicht durch Farbstoffe, sondern durch Strukturen auf dem Körper, die einen Teil des einfallenden Sonnenlichts reflektieren. Je nach Beschaffenheit und Winkel der reflektierenden Strukturen resultiert eine andere Schillerfarbe.

Die wohl glänzendste Metallfärbung weisen die Goldkäfer der Gattung Plusiotis auf, welche in Zentral- und Südamerika heimisch sind. Die genaue Struktur des Käferpanzers wird erst unter dem Elektronenmikroskop sichtbar: Die Oberfläche ist mit winzigen, parallel angeordneten Auskehlungen versehen. Diese reflektieren gewisse Anteile des Lichts in einem genau definierten Winkel, so dass der Panzer im Sonnenlicht wie poliertes Metall schimmert.

Der breiteste Kopf: Stielaugenfliegen

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Ihr Name sagt es schon: Die meisten Arten dieser Insektenfamilie Diopsidae haben Augen, die auf langen dünnen Stielen sitzen. Die daraus resultierende Kopfbreite beträgt dabei oft das Doppelte der Körperlänge.

Die Augenstiele verschaffen nicht nur einen optimalen Überblick, sie gelten auch als ein Symbol von Manneskraft: Wer die längeren Stiele hat, bekommt das Weibchen. Der Sieger wird dabei in einem ritualisierten Augenstiel-zu-Augenstiel-Wettstreit auserkoren. Aus Sicht des Weibchens ergibt das auch tatsächlich Sinn – denn Fliegen mit besonders langen Augenstielen haben im Larvenstadium von besonders viel Nahrung profitiert und sind daher fitter.

Die schönsten Augen: Bremsen

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Insektenaugen bestehen aus zahlreichen sechseckigen Linsen, die wabenartig angeordnet sind. Jede dieser Linsen lenkt das Licht auf eine einzelne Säule aus lichtempfindlichen Zellen im Inneren des Auges. Bei vielen Insekten sind die Augen einheitlich schwarz gefärbt, bei anderen auch rot oder braun. Einige Fliegenarten aber haben Augen mit verblüffend bunten Farbmustern entwickelt.

Welchen Sinn die leuchtenden Farben genau haben, ist nicht abschliessend geklärt. Denn die farbenprächtigen Augen haben einen Nachteil: Sie fallen auf, womit die Fliegen weniger gut getarnt sind. Möglich wäre aber, dass die Augenmusterung das Farbensehen verbessert. Vermutlich ruft das Licht, das durch unterschiedlich gefärbte Linsen gelenkt wird, im Gehirn einen kontrastreicheren Bildeindruck hervor – ähnlich wie bei grün und rot gefärbten 3D-Brillen.

Bestes Aphrodisiakum: Spanische Fliege

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Im Jahr 1772 klagte man den Marquis de Sade an, Prostituierte mit einem luststeigernden Gebräu aus Spanischen Fliegen vergiftet zu haben. Es waren zwar keine Todesfälle eingetreten, doch der Marquis wurde – wenn auch in Abwesenheit – trotzdem zum Tode verurteilt.

Die aphrodisierenden, aber auch gefährlichen Eigenschaften der Spanischen Fliege sind bereits seit der Zeit der Alten Griechen belegt. Entgegen ihrem Namen ist die Spanische Fliege keine Fliege, sondern ein Käfer mit metallisch glänzenden Flügeldecken. Bei Berührung sondert er ein öliges Sekret ab, das eine sehr wirksame Substanz enthält, das sogenannte Cantharidin. Der Verzehr dieses Stoffs wirkt stark anregend auf den Harntrakt, was zu einem kribbelnden Gefühl führt und bei Männern eine starke Erektion hervorruft.

Doch die anregende Wirkung muss mit schweren Gesundheitsproblemen bezahlt werden: Blasenentzündung, Blutharn und starker Harndrang gehören zu den Nebenwirkungen des Aphrodisiakums, später auch Atemnot, Krämpfe und manchmal sogar der Tod. Auch auf der Haut hat Cantharidin eine reizende Wirkung: Fasst man einen der Käfer unvorsichtig an, sind Hautpusteln und -rötungen die Folge.

Gefährlichstes Insekt: Malariamücke

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Malaria, ausgelöst durch den Einzeller namens Plasmodium, stellt die grösste Bedrohung der menschlichen Gesundheit dar. Verbreitet wird die Krankheit durch Malariamücken («Moskitos»), die sich von Blut ernähren und dabei den Erreger übertragen.

Weltweit gibt es jährlich 500 Millionen Malariafälle. Etwa zwei bis drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an der Krankheit; die meisten Opfer sind Kinder in Afrika südlich der Sahara.

Grösstes Insekt: Riesenbockkäfer

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Das grösste lebende Insekt, der Riesenbockkäfer (Titanus giganteus) aus Süd- und Zentralamerika, wird bis zu 17 Zentimeter lang. Kein Wunder, gab ihm der Naturforscher Carl von Linné im Jahr 1771 den Namen «Titanus giganteus», der «gigantische Titan». Zu dieser Zeit hatte man von der seltenen Art erst einige wenige tote Exemplare gefunden; Linné selber beschrieb das riesige Insekt anhand eines Kupferstichs. Erst 1958 gelang es, ein lebendiges Tier für die Wissenschaft zu fangen.

Weitere sehr grosse Käfer sind der Elefantenkäfer mit einer Länge von 13,5 cm und der Goliathkäfer mit 11 cm.

Längstes Insekt: Phobaeticus chani

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Noch länger als der Riesenbockkäfer, dafür aber viel dünner und leichter, ist die Riesen-Stabschrecke namens Phobaeticus chani. Stabschrecken haben ihre Tarnung perfektioniert: Mit ihrem bleistiftdünnen Körper und den nadeldünnen Beinen ähneln sie auf verblüffende Weise den Zweigen in ihrer Umgebung. Dadurch werden sie von ihren Feinden kaum erkannt.

Das längste je gemessene Exemplar von Phobaeticus chani erreichte eine Gesamtlänge von 56,6 Zentimetern. Die Art lebt natürlicherweise auf der Insel Borneo; ein totes Exemplar kann im Natural History Museum in London besichtigt werden.

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Am stärksten aufgeblähtes Insekt: Honigtopfameisen

Die meisten Ameisenvölker pflegen eine rigorose Arbeitsteilung: Während die einen Arbeiterinnen auf Nahrungssuche gehen, widmen sich andere der Brutpflege oder der Verteidigung des Nests. Bei einigen Arten Australiens, der USA, Mexikos, Neuguineas und Südafrikas sind interessanterweise auch Arbeiterameisen zu finden, die sich speziell der Nahrungsspeicherung widmen: die sogenannten Honigtopfameisen (Myrmecocystus und andere Arten).

Diese «lebenden Vorratskammern» können ihren durchscheinenden Hinterleib um ein Vielhundertfaches dehnen. Während sie bewegungslos an der Decke des Nests hängen, nehmen sie Unmengen von Honigtau und Nektar auf. Herangeschleppt werden die Schleckereien von anderen Arbeiterinnen. Die gesammelte Nahrung dient dann gleichzeitig als Notvorrat und Wasserspeicher für trockenere Zeiten.

Peinlichstes Insekt: Filzlaus

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Die zwei bis drei Millimeter grosse Filzlaus (Phthirus pubis) ist ein naher Verwandter der Kopflaus. Sie ist ebenfalls auf das Blutsaugen beim Menschen spezialisiert. Doch während die Kopflaus perfekt an das Leben im Kopfhaar angepasst ist, hält sich die Filzlaus lieber in den behaarten Körperregionen im Schambereich oder unter den Achseln auf. Dementsprechend wird ihre Existenz normalerweise totgeschwiegen.

Weil sich die Filzlaus in kräftigerem und schüttererem Haar bewegt als die Kopflaus, besitzt sie kräftigere Klammerbeine mit grossen Krallen. Von Mensch zu Mensch gelangt sie nur durch direkten Körperkontakt. Wie die Kopflaus kann sie weder springen noch lange ausserhalb des Haars überleben.

Schmerzhaftester Stich: 24-Stunden-Ameise

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Der Insektenkundler Justin Orville Schmidt entwickelte 1984 den «Schmidt Sting Pain Index» (Stich-Schmerz-Index), mit dem er das Insekt mit dem schmerzhaftesten Stich ermitteln wollte. Zu diesem Zweck liess er sich von allen Insektenarten stechen, derer er habhaft wurde.

Einen Mittelwert von 2,0 erreichten die Stiche der Hornissen und Honigbienen. An der Spitze der Schmerzliste mit einem Wert von 4,0+ aber stand die 24-Stunden-Ameise  (Paraponera clavata). Ihr Stich fühlt sich laut Schmidt so an, als ob man über glühende Kohlen laufen würde und dabei einen sieben Zentimeter langen rostigen Nagel in der Ferse stecken habe.

Die Ameisen sind mit den Wespen und Bienen relativ nah verwandt. Die meisten Arten besitzen aber keine Stechwerkzeuge mehr, sondern versprühen ihr Gift – meist Ameisensäure – durch eine Öffnung am Ende ihres Körpers. Die 24-Stunden-Ameise ist aber eine Ausnahme. Ihr Sekret enthält unter anderem das potente Gift Poneratoxin.

Grösste Kältetoleranz: Antarcthophthirus ogmorhini

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An grosse Kälte angepasste Insekten sind selten – aber die Laus namens Antarcthophthirus ogmorhini, die auf Weddellrobben lebt, hat den Titel «kältetolerant» wahrlich verdient. Das rund drei Millimeter kleine Insekt kommt ausschliesslich auf dieser Wirtsart vor und heftet sich an die Haare auf Schwanz, Fussknöcheln, Hüften und Hinterflossen.

Die Weddellrobbe lebt im Südpolarmeer. Sie verbringt viel Zeit unter der Eisdecke und taucht nur auf, um an Atemlöchern Luft zu holen. Daher sind die Läuse fast ständig Temperaturen von minus zwei Grad ausgesetzt. Sie müssen zudem hohen Druck aushalten, da die Robben bis zu 450 Meter tief tauchen. Praktisch alle Weddellrobben sind mit der Laus befallen; übertragen wird das Insekt durch Köperkontakt in den Robbenkolonien.

Grösste Überwinterungsversammlung: Hippodamia convergens

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Die meisten Marienkäfer-Arten überleben den Winter, indem sie sich in Gruppen dicht zusammendrängen. Bei der Art Hippodamia convergens finden sich die Käfer in solch grosser Zahl zusammen, dass man sie in Felsspalten oder Höhlen spatenweise ausgraben kann. Das grösste je gefundene Winterquartier bestand aus 30 bis 40 Millionen Käfern.

Hippodamia convergens ist in ganz Nordamerika heimisch. Weil die Käfer effiziente Blattlausvertilger sind, werden sie gerne in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die Art wird daher eimerweise aus ihren Winterquartieren geholt und an Gärtner verkauft.

Längster Saugrüssel: Xanthopan morganii

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Charles Darwin prophezeite 1862, dass es ein Insekt geben muss, das einen 35 Zentimeter langen Rüssel besitzt. Zwar hatte er noch nie ein solches Tier gesehen. Aber es wurde ihm eine Orchidee zugesandt, deren Blüte einen 35 Zentimeter langen, hohlen Lippensporn besitzt. Da die Blüte am Grund des Sporns Nektar produzierte, folgerte Darwin, dass ein Insekt existieren muss, dessen Rüssel bis ganz hinunter zum Nektar reicht.

Das Insekt, ein Schwärmer namens Xanthopan morganii, wurde 1903 tatsächlich gefunden.

Giftigstes Insekt: Afrikanischer Pfeilgiftkäfer

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Die Buschleute in der Kalahari graben die Puppen von Pfeilgiftkäfern (Gattungen Diamphidia und Polyclada) aus dem Boden. Dann pressen sie die Hämolymphe – das «Blut» der Insekten – von rund zehn Puppen auf den Schaft eines Pfeils. Mit den vergifteten Pfeilen gehen sie dann auf die Jagd.

Das Vorgehen der Buschleute erinnert stark an die Jagdmethoden der Indianer im Amazonas-Regenwald. Doch während das Gift dort von Pfeilgiftfröschen stammt, bedienen sich die afrikanischen Jäger des Pfeilgiftkäfers. Für Mäuse ist das Gift hochtoxisch, weil es die roten Blutkörperchen zerstört. Bei Giraffen dauert es Stunden bis Tage, bis sie sterben.

Die Buschleute kennen noch eine andere Verwendung: Getrocknet und mit Tabak geraucht, lösen die Käferpuppen Rauschzustände und Halluzinationen aus.

Beste Tarnung: Indischer Blattschmetterling

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Eine gute Tarnung ist im Überlebenskampf besonders wichtig – daher erstaunt es kaum, dass eine grünliche oder bräunliche Farbe bei den Insekten die am weitesten verbreitete Form der Körperfärbung ist. In beinahe jeder Insektengruppe gibt es Arten, die derart gut getarnt sind, dass man sie in ihrer natürlichen Umgebung sehr leicht übersieht.

Am perfektesten getarnt ist aber wohl der Indische Blattschmetterling. Im Ruhezustand faltet er seine Flügel so über dem Rücken zusammen, dass er einem toten Blatt täuschend ähnlich sieht. Dabei weist jedes Individuum seine ganz eigene Zeichnung auf. Das verstärkt den Eindruck, es handle sich um totes Laub.

«Rekorde der Insektenwelt»

Die Bilder und Informationen stammen aus folgendem Buch (mit freundlicher Genehmigung des Haupt-Verlags):

Richard Jones: «Rekorde der Insektenwelt. 130 Extreme»; Haupt-Verlag Bern, 2010, 288 Seiten, Fr. 62.90

Das Buch stellt 130 Rekordhalter der Insektenwelt in wissenschaftlich fundierten Texten und grossformatigen Bildern vor. Das Werk lädt zum Schmökern ein und lässt uns über die Vielfalt und den Einfallsreichtum der Insekten staunen.

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