Sex ist anstrengend. Manche Tiere nehmen für die Fortpflanzung gewaltige Mühen auf sich. Die Weibchen müssen einen potenten Partner finden und die Männchen oft aufwendig balzen, um überhaupt zum Zug zu kommen. Und das alles ­für eine Paarung, die längst nicht für alle Tiere befriedigend ist. Oft kann sie schmerzlich, in grosser ­Erschöpfung oder gar tödlich enden.

Sex ist im Grunde unnütz. Bis vor rund 600 Millionen Jahren gab es nur ein Geschlecht, das sich asexuell fortpflanzte und Klone von sich selbst produzierte. Ohne langwierige Partnersuche, ­ohne kompliziertes Werben, ohne aufreibenden Sex. ­Allerdings hat die asexuelle Fortpflanzung einen entscheidenden Nachteil: Klone können nicht auf Veränderungen der Umwelt reagieren.

Erst bei den Vorfahren der heutigen Quallen entwickelten sich zwei Geschlechter – die Basis für die geschlechtliche Fortpflanzung und damit für die schier unendliche Arten- und Formenvielfalt, die sich heute im Tierreich findet. Das ist es, was Charles Darwin mit sexueller Selektion meinte. Demnach setzen sich diejenigen Tiere einer Art durch, die mit ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen besonders punkten können. Die anderen bleiben auf ihren Genen sitzen.

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Meist sind es die Weibchen, die bei der Partnerwahl das Sagen haben. Die Männchen müssen sich bei der Balz entsprechend ins Zeug legen, um sie zu bezirzen und die Konkurrenten auszustechen. Sie tun es mit prächtigem Gefieder oder farbig leuchtenden Schuppen, mit ohrenbetäubendem Brüllen oder ausgeklügeltem Gesang, mit beeindruckenden Tänzen, Geschenken, Finten oder Macho­gehabe. Wie auch immer die Balz vor sich geht, die Botschaft des Männchens ist immer dieselbe: Ich bin lauter, stärker und ausdauernder als alle anderen. Ich falle auf, und dennoch kann mir niemand etwas anhaben. Nimm mich! Meine Gene sind die besten für einen starken Nachwuchs.

Im Vergleich zur pompösen Balz fällt die Paarung meist relativ unspektakulär aus. Mit Ausnahmen. Für manche Tiere wirkt Sex wie eine Droge, andere verlängern dank einer List das Liebesspiel, wieder andere lassen sich für Sex bezahlen. Und manche paaren sich von morgens bis abends – und haben dabei nicht die Fortpflanzung im Sinn.

Sex-Rekorde im Tierreich

Häufigster Sex
Nicht bloss zur Fortpflanzung paaren sich Bonobo-Affen, sondern auch, um Spannungen in der Gruppe abzubauen, erhitzte Gemüter zu besänftigen und sich zu versöhnen. Die Zwergschimpansen befriedigen sich selbst, mögen die Missionarsstellung und sind auch gleichgeschlechtlichem Sex nicht abgeneigt. Dass die Bonobos ihrem Sexleben so ausgiebig frönen, ist einer der Gründe, weshalb sie selten in Zoos gehalten werden.

Exzessivster Sex
Australische Breitfussbeutelmäuse treffen sich im Spätsommer zu Orgien, die nächtelang andauern können. Für die Weibchen ist das ideal, denn mit einer grossen Auswahl an Partnern ist die Chance auf einen starken Nachwuchs grösser, als wenn sie sich nur von einem einzigen Männchen begatten liessen. Der Preis für den exzessiven Sex: Sämtliche Männchen sterben innert weniger Wochen an den Folgen der stressigen Paarung, die mit vielen Rivalenkämpfen verbunden ist.

Kuriose Penisse

  • Der Penis der Äthiopischen Grünmeerkatze ist pink, der Hodensack leuchtend blau.
  • Mit bis zu drei Metern Länge und 30 Zentimetern Durchmesser hat der Blauwal den grössten Penis.
  • Der Penis der Entenmuschel ist fünf Mal so lang wie das Krebstier selbst.
  • Die Sandviper hat einen doppelten Penis.
  • Japanische Schwalbenschwanz-Schmetterlinge paaren sich auch fliegend, was koordinative Höchst­leistungen verlangt. Dabei hilft ein Klappmechanismus am lichtempfindlichen Geschlechtsorgan des Männchens.
  • Strudelwürmer setzen ihren Penis für Fechtduelle ein.
  • Männliche Zecken haben keinen Penis, sondern schnuppern so lange an der Vagina des Weibchens, bis diese sich öffnet und sie ihre Samen dort ablegen können.

Buchtipps

Markus Bennemann: «Die Evolution im Liebesrausch: Das bizarre Paarungsverhalten der Tiere»; Eichborn-Verlag, 2010, 304 Seiten, CHF 37.90

Tobias Niemann, Günter Mattei: «Kamasutra kopfüber – Die 77 originellsten Formen der Fortpflanzung»; Verlag C. H. Beck, 2010, 176 Seiten, CHF 29.90

Andreas Kieling: «Maikäfer können am längsten»; Malik-Verlag, 2013, 300 Seiten, CHF 36.90