Vor 150 Jahren wurde im Jura der letzte Steinadler erlegt – jetzt hat ein Vogelkundler im Deutschschweizer Jura erstmals wieder ein Nest des imposanten Greifvogels gefunden. Anfang August sei dem Horst ein gesunder Jungvogel entflogen, schreibt die Schweizerische Vogelwarte Sempach. Für die Ornithologen ist das eine kleine Sensation.

Beim Brutpaar handelt es sich wohl um Vögel, die von den Alpen her ins Gebiet eingewandert sind. In den Schweizer Alpen wurden die Adler nie ganz ausgerottet, obwohl ihnen im 18. und 19. Jahrhundert auch dort massiv nachgestellt wurde. Abgeschossen wurden sie, weil sie damals noch nicht als «Könige der Lüfte», sondern viel eher als «verderbliche Räuber» galten. Die Population erholte sich, und heute zählen die Ornithologen in den Schweizer Alpen wieder etwa 300 Paare. Damit sind alle geeigneten Gebiete besetzt – was auch erklärt, warum sich die Steinadler nun nach Brutgebieten ausserhalb des Alpenbogens umsehen.

Standort wird geheimgehalten
Im Jura finden die imposanten Vögel mit einer Spannweite von bis zu 2,2 Metern stellenweise geeignete Bedingungen. Normalerweise brüten sie in Felswänden, sie können ihren Horst aber auch auf grossen Bäumen errichten. Auch Nahrung ist im Jura reichlich vorhanden. Im neu entdeckten Nest wiesen die Vogelkundler Reste von jungen Rehen und Gämsen, Füchsen, Igeln und einer Hauskatze nach.

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Weil Steinadler während der Brutzeit sehr empfindlich auf Störungen reagieren, hält die Vogelwarte den genauen Standort des Horstes geheim. Das Forschungsinstitut hat sogar eine Überwachung des Nests eingerichtet, welche laut Vogelwarte «Gewähr für den reibungslosen Ablauf des Brutgeschehens am historisch bedeutsamen Horst» bietet. So sollte der weiteren Ausbreitung der Adler im Jura nichts mehr im Wege stehen.