Eigentlich musste ich bei den Tigern nur das Gehege putzen. Aber es war super, die ersten beiden Wochen meines Volontariats gleich bei diesen imposanten Tieren arbeiten zu können. Denn als Mitarbeiterin bin ich den Tieren viel näher als die Besucher. Wenn ich einige Zentimeter neben dem Tigermännchen Coto stand und ihn durch das Gitter hindurch fast anfassen konnte, war das schon ein unglaubliches Gefühl.

Natürlich konnte ich das Gehege erst betreten, wenn die Tiger draussen waren, sonst hätten sie mich wohl zerfleischt. Ich rief also die Tiger, damit sie ins Innen­gehege gingen, betrat mit dem Kessel das Gehege und sammelte den Kot ein. Dann versprühte ich an mehreren Stellen Parfüm, das finden die Tiger sehr interessant. Je stärker ein Parfüm stinkt, desto lieber haben sie es. Coto zum Beispiel ist ganz wild auf «David Beckham». Am Schluss kratzte ich noch die alten Essensreste zusammen und verteilte die Fleischstücke. Darauf liess ich die Tiger wieder hinein. Oft durfte ich dann noch einige Minuten lang beobachten, was sie mit dem Futter anstellten und wie die Jungen herumtollten.

Nun arbeite ich schon seit drei Wochen als Volontärin im Zoo Zürich, eine Woche liegt noch vor mir. Zuerst war ich im «Hima­laya»-Revier eingeteilt, bei den Tigern, Schneeleoparden und Eulen. Jetzt arbeite ich im Revier «Vogelwiese», bei den Pinguinen, Enten und Gänsen.

Für das Volontariat habe ich mich angemeldet, um einmal hinter die Kulissen der Tierpflege zu blicken, denn in einigen Wochen beginne ich das Studium der Veterinärmedizin. Aber eigentlich mache ich es auch, um die Zeit herumzubringen. Vor einem Jahr habe ich die Matur bestanden, danach an mehreren Orten gearbeitet. Für die Lücke bis zum Studium habe ich keinen Job mehr gefunden. Es wäre natürlich perfekt gewesen, wenn ich auch hier im Zoo etwas Geld hätte verdienen können. Aber so ist es auch gut. Ich kann hier viele Kontakte knüpfen – vielleicht hilft mir das später einmal.

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Die Pfleger sind hart im Nehmen

Arbeitsbeginn ist etwa um halb acht. Die ersten zwei Tage begleitete ich einfach ­einen Tierpfleger, aber schon bald konnte ich ziemlich selbständig arbeiten. Im «Himalaya» stellte sich rasch eine gewisse Rou­tine ein: Als Erstes ging ich zu den Waldrappen, dann zu den Eulen, zum Kleinen Panda und am Schluss zu den Tigern und Schneeleoparden. Ich musste den Kot zusammenrechen, die Steine schrubben, das Wasser wechseln, neues Futter hinlegen. Auch jäten muss man, oder Sträucher zurückschneiden. Belohnt wirst du dafür mit spannenden Begegnungen mit den Tieren. Eines Morgens kam zum Beispiel Kailash, das Schneeleoparden-Weibchen, direkt auf mich zu und schaute mich lange an, wie zur Begrüssung. Auch dem Männchen kam ich einmal sehr nah, als es sich gleich neben mir an das Gitter legte. So etwas erlebst du als normaler Zoobesucher nicht.

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Natürlich frage ich den Tierpflegern immer wieder Löcher in den Bauch. Ich will alles über die Tiere wissen. Die Pfleger kennen ihre Tiere ja, wissen alles über sie. Sowieso haben sie meine absolute Bewunderung. Die arbeiten wahnsinnig viel, egal, ob die Sonne brennt oder ob es schneit. Morgens stehen sie schon um sechs im Revier, damit alles sauber ist, wenn der Zoo öffnet. Und wenn wir Volontäre nachmittags um drei oder halb vier nach Hause gehen, ­arbeiten sie noch zwei Stunden weiter. Neun- oder Zehnstundentage sind keine Seltenheit.

Ein Schlüssel für verborgene Wege

Echt cool finde ich, dass ich jetzt auf der «Vogelwiese» die Pinguine füttern kann. Normalerweise wird in einem Zoo ja vermieden, dass die Pfleger den Tieren zu ­nahe kommen. Bei den Pinguinen ist das anders: Wenn ich ihnen Fische bringe, watscheln sie sofort zu mir und umzingeln mich. Ich muss dann aufpassen, dass sie mich nicht picken, denn vor allem die Königspinguine können recht aggressiv sein.

Dass immer viele Leute zuschauen, kümmert mich nicht gross. Denn ich muss mich voll auf die Fütterung konzentrieren. Manchmal höre ich aber, was die Leute sagen. Ich muss dann einfach schmunzeln, wenn die Erwachsenen den Kindern erzählen, die kleinen Humboldtpinguine seien die Jungen der Königspinguine.

Überhaupt können die Besucher manch­mal ziemlich nerven. Einmal sagte ein Kind, als es im Affengehege einem Tierpfleger zuschaute: «Schau mal, Papa, ein blauer Affe!» Das ist nicht gerade angenehm. Aber die meisten Besucher sind anständig. Auch wenn sie wahnsinnig viel fragen, weshalb ich manchmal fast nicht zu meiner Arbeit komme.

Die grösste Krise hatte ich aber nicht wegen Besuchern, sondern wegen der Hitze. Einmal mussten wir in der Mittagshitze bei den Zebras eine Rinne mit Sand auffüllen. Schubkarre für Schubkarre schleppte ich den Hang hinauf. Nach einer Stunde war ich fix und fertig. Dafür kenne ich jetzt alle Zebras mit Namen und weiss, welches Tier welchen Charakter hat.

Alles in allem könnte ich mir gut vorstellen, noch länger im Zoo zu arbeiten. Aber nur, wenn ich damit etwas Geld verdienen könnte. Denn es gibt irgendwo eine Grenze der Freiwilligenarbeit, finde ich. Man muss im Zoo Zürich ja sogar 100 Fran­ken pro Woche zahlen, um als Volontärin arbeiten zu können. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn die Tierpfleger sind, glaube ich, ziemlich froh, dass ihnen jemand hilft.

Auf jeden Fall werde ich den Zoo in Zukunft mit ganz anderen Augen besuchen. Schade ist bloss, dass ich schon bald wieder auf den regulären Wegen bleiben muss. Denn wenn du so einen Allroundschlüssel hast und durch alle Hinterwege des Zoos gehen kannst, ist das schon ein megagutes Gefühl.

Freiwilligeneinsätze: einige Angebote

Zoo Zürich
Freiwillige Einsätze für Kinder ab acht Jahren finden jeweils am Wochenende von 10 bis ­12 Uhr im Zoolino statt (ohne Anmeldung). Volontariate für Jugendliche von 13 bis 16 Jahren dauern mindestens eine Woche (der Unkostenbeitrag beträgt 50 Franken pro Woche). Ab 16 Jahren sind Volonta­riate von mindestens zwei Wochen möglich (100 Franken pro Woche). ­­Die Volontariate sind über Monate ausgebucht, eine frühzeitige Anmeldung lohnt sich. Freiwillige können auch in der Besucher­information mitarbeiten.

Tierpark Dählhölzli, Bern
Freiwillige können nach einer kurzen Ausbildung im Bereich Besucherinformation und im Kinderzoo mitarbeiten. Kinder sind jederzeit eingeladen, im Kinderzoo mitzuhelfen.

Wildnispark Zürich Langenberg
Jugendliche von 10 bis 14 Jahren werden als Kinderführer ausgebildet, um Gruppen von Gleichaltrigen durch den Park zu führen. Erwachsene können Führungen leiten oder bei Anlässen oder Forschungsarbeiten mithelfen.

Zoo Basel
Jugendlichen ab 15 Jahren offeriert der Zoo Volontariate von mindestens zwei Wochen Dauer. Frühzeitige Anmeldung ist angezeigt, die Volontariate sind über Monate ausgebucht. Kinder ab acht Jahren können im Kinderzoo mithelfen; Besammlung ist täglich um 8 Uhr sowie um 13.30 Uhr.

Knies Kinderzoo, Rapperswil
Der Kinderzoo bietet Schnupperwochen an. Bedingung ist eine schriftliche Bewerbung. Filme über diese Wochen sind zwischen Ende September und Mitte Oktober im SF zu sehen («Tierische Freunde», sonntags ab 18.15 Uhr).

Natur- und Tierpark Goldau SZ
Im Herbst 2012 wird der Tierpark ein neues Freiwilligenprojekt lancieren. Freiwillige können dann bei Anlässen mithelfen, so etwa bei Kinderfesten oder Fackelumzügen.

Papiliorama, Kerzers FR
Der Schmetterlingspark bietet Jugendlichen und Pensionierten Ferien- oder Teilzeitjobs in den Bereichen Unterhalt, Cafeteria, Empfang und Parkplatz an.