Beznau, Mühleberg, Gösgen, Leibstadt –zwischen 1969 und 1984 nahm die Schweizer Elektrizitätswirtschaft vier Kernkraftwerke mit einer jährlichen Stromproduktion von 26 Milliarden Kilowattstunden in Betrieb – was damals viel zu viel war. Vor allem in den siebziger Jahren waren die Überkapazitäten in den Nachtstunden, wenn die Industrie ruhte, gross. Deshalb propagierten die Elektrizitätswerke Elektrospeicherheizungen. Deren Speicherelemente laden sich in der Nacht auf und geben am Tag Wärme ab.

Hunderttausende liessen sich überzeugen, lockten die Elektrizitätswerke doch mit speziell niedrigen Tarifen. Zudem sass der Schock des Ölembargos von 1973 noch tief, und viele Hausbesitzer setzten lieber auf einheimische Energie. Dank den tiefen Preisen spielte es damals auch keine Rolle, dass Elektroheizungen, die ähnlich wie ein Tauchsieder funktionieren, relativ ineffizient arbeiten.

Unterdessen hat sich das Blatt gewendet: Einheimischer Strom ist heute vor allem im Winter knapp und muss mit Importen ergänzt werden. Kein Wunder, sind die Stromproduzenten den Elektroheizungen nicht mehr grün: «Es ist heute wichtig, die knappe Ressource Strom effizient einzusetzen», sagt Herbert Giger, Fachpartner und Manager Wärme bei der BKW FMB Energie in Bern.

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Allein in deren Einzugsgebiet laufen 17'000 Elektroheizungen mit einem Stromverbrauch von jährlich 230 Gigawattstunden. Rund 230'000 Wohnungen werden in der Schweiz elektrisch beheizt. Würden all diese Systeme ersetzt, könnten rund fünf Prozent des Stromverbrauchs eingespart werden, was etwa der Produktion des Kernkraftwerks Mühleberg entspricht.

Neben den Elektrizitätswerken hat sich auch der Gesetzgeber der Sache angenommen. Die derzeit in vielen Kantonen in Kraft tretenden neuen Energievorschriften für den Baubereich sehen ein Verbot von Elektroheizungen vor.

Damit bestehende Heizungen ersetzt werden, braucht es Überzeugungsarbeit und Anreize, das heisst Beratungsangebote und Fördergelder. So bezahlt etwa der Kanton Uri bis zu 8000 Franken an den Austausch einer Elektroheizung. Trotzdem: «Viele Hausbesitzer sind sehr zufrieden mit den Elektroheizungen, die in der Regel wenig bis keine Wartungskosten verursachen», sagt Fachmann Herbert Giger. Deshalb gehe es darum, aufzuzeigen, dass die Technologie grosse Fortschritte gemacht habe und die gleiche Heizleistung mit viel weniger Energie erreicht werden könne.

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Das Sparpotential der Umstellung auf ein effizienteres Heizsystem demonstriert das Beispiel von Victor Süess aus Spiegel bei Bern. Er besitzt ein Vierfamilienhaus mit Baujahr 1984, das bis anhin über eine elektrische Zentralheizung verfügte. Als diese ersetzt werden musste, liess sich Süess einen Energieausweis erstellen, um zu sehen, wo Verbesserungen am Haus möglich waren. Dann informierte er sich über verschiedene Heizsysteme. «Ich wollte ein System, das sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.» Schliesslich entschied sich der Hausbesitzer für eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonde (siehe nachfolgende Box «Wärme aus der Umwelt»).

Die Anlage wurde im Juni letzten Jahres installiert, gleichzeitig liess Süess die Kellerdecke isolieren. Das Resultat kann sich sehen lassen: Die erste Stromrechnung für Heizung und Warmwasser fiel nur noch einen Drittel so hoch aus wie mit der alten Anlage.

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Nicht immer ist der Ersatz so einfach, denn viele Elektroheizungen arbeiten nicht mit einem zentralen System, sondern mit Elektrospeicheröfen in den einzelnen Zimmern. Ist das der Fall, muss ein neues Verteilsystem für das Heizungswasser installiert werden (siehe nachfolgender Hinweis «Vier Schritte zur neuen Heizung»). Pro neuen Radiator ist mit Kosten zwischen 1000 und 1200 Franken zu rechnen. Bei einem Einfamilienhaus mit fünf Zimmern, Korridor, Windfang, zwei Badezimmern und Küche braucht es schnell einmal 15 Radiatoren, die Kosten belaufen sich auf mindestens 15'000 Franken. Eine Belastung, die je nach Standort mit Förderbeiträgen abgefedert wird. So zahlt etwa der Kanton Bern 10'000 Franken an die Installation eines Verteilsystems mit Radiatoren. Wo es Unterstützungsgelder für den Austausch von Elektroheizungen gibt, ist auf www.energiefranken.ch ersichtlich.

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Beim Heizsystem hat man als Hausbesitzer freie Wahl: Gas- oder Ölbrenner, Pelletheizung oder eine Wärmepumpe? Oft schliessen aber die Umstände einen Teil der Systeme aus: Nicht überall gibt es einen Gasanschluss, der Bau eines Öltanks verursacht hohe Kosten, und in vielen Häusern mit Elektroheizung fehlt der Kamin. «Deshalb entscheiden sich heute viele Besitzer von Elektroheizungen für eine Wärmepumpe», sagt Giger. Ein weiser Entscheid, denn gute Wärmepumpen, die Erdwärme nutzen, arbeiten drei- bis viermal effizienter als Elektroheizungen. Sinnvoll ist die Installation einer Wärmepumpe aber nur, wenn die benötigte Heiztemperatur nicht allzu hoch ist. Deshalb ist es wichtig, vor dem Austausch der Elektroheizung das Gebäude energetisch zu sanieren (siehe Artikel zum Thema «Energetische Sanierung: Ein dicker Pullover fürs Eigenheim»). Dann sind weniger hohe Heiztemperaturen nötig, was wiederum eine weniger lange Erdwärmesonde und eine kleinere Wärmepumpe möglich macht und damit Kosten spart.

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Bei einem Einfamilienhaus muss man für eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonde mit Kosten von 35'000 bis 50'000 Franken rechnen – inklusive Bohrung, aber noch ohne Zusatzarbeiten, wie etwa die Wiederherstellung des Gartens nach den Arbeiten. Wärmepumpen, die Aussenluft nutzen und oft eingesetzt werden, wenn keine Bohrung für eine Sonde möglich ist, sind ab 25'000 Franken zu haben. Sie sind aber weniger effizient, weil im Winter, wenn die Heizung benötigt wird, die Aussenluft relativ kalt ist und weniger Energie beisteuern kann.

Die Wärmequellen

Erdreich: In einem 50 bis 300 Meter ­tiefen Loch wird eine Sonde installiert. Darin zirkuliert ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, das von der Abwärme des Erdreichs aufgeheizt wird und so die ­Ausgangsenergie für die ­Wärmepumpe liefert.

Wasser: Grundwasser oder Seewasser wird angesaugt, gibt seine Wärme an die Pumpe ab und fliesst wieder zurück ins Grundwasser oder in den See.

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Luft: Grosse Mengen Aussenluft werden angesaugt, denen der Wärmetauscher die gespeicherte Energie entzieht.

Quelle: Stock-Kollektion colourbox.com

Die Wärmepumpe

A Verdampfen: Das Kältemittel wird bereits bei tiefen Temperaturen durch die Wärme des Wassers/der Luft verdampft.

B Verdichten: Der Dampf wird durch den Kompressor ­verdichtet. Er erhitzt sich dadurch stark.

C Verflüssigen: Der Dampf gibt seine Wärme an das Heizwasser ab und kondensiert.

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D Entspannen: Der Ursprungsdruck wird wiederhergestellt. Der Kreislauf ­be­ginnt von neuem.

Der Heizkreislauf

Das Heizungswasser fliesst in die Heizkörper oder in die Bodenheizung und gibt Wärme an den Raum ab.

Vier Schritte zur neuen Heizung

Bei vielen Häusern lohnt es sich, eine energetische Sanierung durchzuführen, bevor die Elektroheizung ersetzt wird.

  • Beratung: Konsultieren Sie Ihr Elektrizitätswerk oder einen Energie­berater (Adressen finden Sie auf www.geak.ch) und lassen Sie eine energetische Analyse Ihres Hauses erstellen.

  • Energetische Sanierung: Isolieren und dichten Sie Ihr Haus gemäss den Vorschlägen des Beraters. Das ist die effizienteste Möglichkeit, ­Energie zu sparen, denn weil das Haus nach der Sanierung weniger Wärme verliert, kann eine kleiner dimensionierte Heizanlage ­eingebaut werden.

  • Systemwahl: Prüfen Sie, welches Heizsystem (Öl, Gas, Pellets, Wärme­pumpe, Fernwärme) für Ihr Haus am besten geeignet ist. Infos dazu finden Sie auf der Internetseite www.wwf.ch/heizen.

  • Wärmeverteilung: Wenn Ihr Haus über kein Wärmeverteilsystem verfügt, sollten Sie rechtzeitig das passende auswählen: Radiatoren oder Bodenheizung. Der Einbau einer Bodenheizung erfordert die Erneue­rung aller Böden und ist nur im Rahmen einer ­sowieso geplanten Sanierung der Räume sinnvoll.