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FotovoltaikEin Kraftwerk auf dem Dach

Seit rund 20 Jahren erzeugen Fotovoltaikanlagen auf Dächern und an Fassaden Solarstrom. Mittlerweile sind sie technisch ausgereift und einfach zu installieren. Dank Einspeisevergütung lohnen sich die Investitionen.

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Die Zahlen übertreffen unsere Vorstellungskraft: Die Sonne schickt im Jahr 10'000-mal mehr Energie zur Erde, als die Menschheit im gleichen Zeitraum verbraucht. Knapp eine Stunde ihrer Einstrahlung entspricht dem jährlichen Energiebedarf der Weltbevölkerung.

Unser Zentralgestirn ist ein gigantisches natürliches Energiekraftwerk, das gemäss Schätzungen von Astronomen noch rund 4,6 Milliarden Jahre lang existieren wird.Die Kraft der Sonne beeindruckt die Menschen seit Urzeiten. Von den Ägyptern bis in die Neuzeit existierte ein mehr oder weniger ausgeprägter Sonnenkult. Auch erste Formen der Nutzung von Sonnenenergie sind bereits seit der Antike bekannt – etwa in Form von Hohl- und Brennspiegeln.

Die heutige Solararchitektur knüpft an die Tradition der passiven Sonnenenergienutzung der Antike an. Die Umwandlung in thermische Energie, also Wärme, zählt zu den weltweit meistverbreiteten technischen Nutzungen. Dabei wird die Sonnenenergie in Kollektoranlagen eingefangen, um beispielsweise Warmwasser für den Haushalt aufzubereiten.

Doch Solarenergie kann mehr als nur heizen. Dank der Fotovoltaik ist es möglich, aus der Energie der Sonne Strom zu gewinnen. Seit rund 20 Jahren setzen immer mehr Hausbesitzer auf diese nachhaltige Form der Energieerzeugung. Etwa Ion Karagounis, der vor vier Jahren auf dem Dach seines frisch sanierten Einfamilienhauses in Feuerthalen ZH eine 26 Quadratmeter grosse Fotovoltaikanlage installieren liess – Kostenpunkt: 45'000 Franken. «Die Investition hat sich gelohnt», sagt Karagounis. Wie prognostiziert, liefere die Anlage jährlich rund 4200 Kilowattstunden (kWh) Strom. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch eines Vierpersonenhaushalts pro Jahr – ohne Warmwassererwärmung.

Seinen Solarstrom speist Karagounis ins öffentliche Stromnetz ein. Dafür erhält er die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung vom Bund (siehe «Fotovoltaik», unten). Dank dem Zusatzbetrag wird die Investition in die Anlage nach 20 Jahren amortisiert sein. «Da die Lebensdauer einer Solaranlage aber etwa 25 bis 30 Jahre beträgt, ist sogar eine kleine Kapitalrendite möglich – neben dem positiven Effekt für die Umwelt», wie Karagounis betont.

Was passiert in einer Fotovoltaikanlage? Die einfallende Sonnenstrahlung erzeugt im Halbleitermaterial von Solarzellen elektrischen Gleichstrom. Mehrere Solarzellen zusammen ergeben ein Solarmodul, das üblicherweise eine Fläche von 0,5 bis zwei Quadratmetern aufweist. Eine Fotovoltaikanlage besteht meist aus mehreren Modulen. Der Stromertrag pro Quadratmeter Solarzelle beträgt in der Schweiz zwischen 140 kWh pro Jahr im Mittelland und 170 kWh pro Jahr im Tessin und in den Alpen.

Es gibt zwei Typen von Solarzellen: kristalline Solarzellen und Dünnschichtzellen. Die kristallinen Zellen haben einen Marktanteil von über 90 Prozent. Bei den Dünnschichtzellen handelt es sich um grossflächige Beschichtungen, deren Wirkungsgrad jedoch deutlich kleiner (unter 100 kWh pro Quadratmeter und Jahr) ist als derjenige der kristallinen Zellen. Dafür sind Dünnschichtzellen günstiger.

Weil Solarzellen Gleichstrom erzeugen, unser System aber auf Wechselstrom basiert, lässt sich der Solarstrom nur begrenzt direkt nutzen – etwa in einer sogenannten Inselanlage. Üblicherweise besitzen Fotovoltaikanlagen einen Wechselrichter, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Dieser lässt sich dann ins Netz einspeisen und über einen Stromanbieter verkaufen. Um Solarmodule auf dem Dach oder an der Hausfassade zu befestigen, braucht es eine Unterkonstruktion. Achten Sie darauf, dass sich der tragende Gebäudeteil in einem guten Zustand befindet.

Idealerweise sind die Solarmodule nach Süden ausgerichtet und um etwa 30 Grad geneigt. Der Einfluss der Neigung und der Ausrichtung nach Süden ist allerdings relativ moderat: Tests haben ergeben, dass eine Ausrichtung nach Westen nur rund 15 Prozent Ertragseinbusse zur Folge hat. Entscheidend ist, dass die Module nicht durch Bäume oder Gebäude beschattet werden. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, lassen sich Solarzellen meist problemlos in Dächer und Fassaden integrieren.

Für den Bau von Fotovoltaikanlagen ist oft eine Bewilligung erforderlich. Installiert man die Anlage nicht auf einem denkmalgeschützten Gebäude, steht einer Baubewilligung meist nichts im Weg. Auch für geschützte Gebäude sind unauffällige Solarmodule erhältlich, etwa Solarziegel. In vielen Kantonen können Hauseigentümer die Investitionskosten für eine Solaranlage von den Steuern abziehen und teilweise durch Fördergelder abdecken. Erhalten die Anlagenbetreiber für ihren Strom dann noch die kostendeckende Einspeisevergütung oder lässt sich der Strom an der Solarstrombörse verkaufen, lohnt sich das Ganze nicht nur für die Umwelt, sondern auch fürs Portemonnaie.

Fotovoltaik: So machen Sie Geld aus Ihrem Strom

Technisch betrachtet, speisen Betreiber von Fotovoltaikanlagen die gesamte Strommenge ins öffentliche Netz ein. Möchten sie im Haushalt den selbstproduzierten Strom verbrauchen, ist das nur virtuell möglich: Das Elektrizitätswerk wird dies auf Wunsch in der Strombilanz aus Ertrag und Verbrauch rechnerisch berücksichtigen. Ob nur der Stromüberschuss oder der gesamte Solarstrom verkauft wird, bleibt den Anlagenbetreibern überlassen.

Momentan lässt sich der Strom auf drei ­Arten verkaufen: als Solarstrom mit kosten­deckender Einspeisevergütung (KEV), als Solar­strom an der Solarbörse oder zum herkömmlichen Stromtarif von sechs bis acht Rappen – den sogenannten Stromgestehungskosten. Dem Aufwand entsprechende Strompreise ­erzielt nur, wer vom Bund die KEV (siehe auch www.swissgrid.ch) erhält oder den Strom an einer Solarstrombörse verkaufen kann.

Die KEV für Strom aus erneuerbaren ­Energien gibt es seit Januar 2009. Sie wird über einen Zuschlag von 0,6 Rappen auf jede verkaufte Kilowattstunde (kWh) Strom finanziert. Da die finanziellen Mittel für die KEV knapp bemessen sind, bestehen lange Wartezeiten. Für ­Solarstromanlagen sind das etwa zwei Jahre; momentan befinden sich über 5000 Anlagen auf der Warte­liste. Letztes Jahr beschloss das Parlament allerdings, den Zuschlag für die KEV von 0,6 Rappen pro kWh auf maximal 0,9 Rappen pro kWh zu erhöhen.

Melden Sie sich vor dem Bau Ihrer Anlage für die KEV an. Für die Dauer der Wartezeit können Sie den Strom zum konventionellen Preis verkaufen oder aber mit dem Bau bis zur ­Zusage der KEV warten. Wie viel KEV jemand erhält, berechnet sich nach dem Erstellungsdatum der Fotovoltaikanlage. Da die Anlagenkomponenten laufend günstiger werden, sinkt die KEV jedes Jahr um rund acht Prozent. Die einmal zugesprochene KEV gilt jedoch für die gesamte Lebensdauer der Anlage.

Wer nicht auf die KEV setzen möchte, kann den selbstproduzierten Strom auch an der ­Solarstrombörse eines Elektrizitätswerks ­verkaufen – die Preise sind etwa gleich hoch wie beim Verkauf mit KEV. Allerdings: Auch hier muss man mit eher langen Wartezeiten rechnen.

Solarzellen: Wie aus Sonnenlicht Wechselstrom entsteht

  • Der Energieaufwand für ­Herstellung und Entsorgung ist nach drei Betriebsjahren kompensiert.

  • Der Energieverbrauch eines Einfamilienhauses kann mit 30 Quadratmetern Solar­zellen gedeckt ­werden.

  • Um ein Ein­familienhaus mit Strom zu versorgen, ist mit Kosten von rund 40'000 Franken zu rechnen. Eine ­Anlage von 30 Quadrat­metern erzeugt bei optimalen Bedingungen 11 Kilowatt­stunden pro Tag. Solarzellen produzieren auch bei ­Bewölkung Strom.

  1. Solarzellenfeld
    Die Solarzellen wandeln das Sonnenlicht in elektrische ­Energie um. Die Zellen ­bestehen meist aus ­Silizium. Die Lebens­dauer wird mit rund 30 Jahren veranschlagt. 
  2. Energiespeicher
    Wird die elektrische Energie im Haushalt verbraucht, muss sie üblicherweise in einem Akku ­gespeichert werden. 
  3. Wechselrichter
    Wird der im Solarmodul ­entstandene Gleichstrom ins ­öffentliche Netz eingespeist, muss er in Wechselstrom ­umgewandelt werden. 
  4. Stromnetz-Zuleitung
    Der erzeugte Solarstrom wird nicht selber verwendet, ­sondern ins Netz eingespeist. Man erhält dafür eine Einspeise­vergütung.

Weitere Infos

www.swissgrid.ch
www.energiefranken.ch
www.swissolar.ch

Mit dem Solardachrechner lässt sich der Ertrag einer ­Solaranlage ermitteln:
www.wwf.ch/solar

Veröffentlicht am 10. März 2011

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8 Kommentare

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David Dyntar
Der max., theor. Wirkungsgrad hat leider physikalische Grenzen, die bei Si 33% und bei GaAs ca. 41% betragen! Sehr gute kommerzielle Zellen kommen heute (2012) auf 22 bis 28 %!!!

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Peter Müller
So lamnge der Wirkungsgrad von Fotovoltaik-Anlagen noch weit unter 50 Prozent liegen, kann man sich noch nicht von "ausgereift" sprechen. Diesen Wert erreichen noch nicht mal die sauteuren Zellen, die Piccard auf seinem SolarImpulse verbaut hat. Die kommerziellen Zellen auf Hausdächern dürften bei etwa 20 Prozent liegen. Schon etwas Staub oder kurzer Regen kriegt den auch noch in die Knie und die Lebensdauer entspricht nicht annähernd den Versprechungen der Monteure ;-)

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IdeologiePreise
AKW-Lobby und AKW-Politik ist auch eine Ideologie. 8.5 Milliarden wird in Beznau für den AKW-Abbau auf die Seite gelegt ( sofern bis 2025 in Betrieb ) - wird gemäss Experten nie reichen ! Risikoversichert ist der AKW-Strom beim Staat bzw Steuerzahler! Hunderte Milliarden zahlen DE-Steuerzahler für die AKW-Gesamtkostenwahrheit ==> Ohne AKW-Politik /-Lobby wäre auch unser Strom mehrfach höher ! AKW-Abfall inklusive Entsorgung muss wie ein Tempelschatz über Generationen gehütet werden ! ===> hat da noch irgendwer Bedenken, sich voll auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik zu konzentrieren ! Schauen Sie sich auch youtube-dokumentation ( Was in Tschernobil wirklich geschah 1-10 ... da gibt es weiter russische AKWs neben Erdbebengebieten -> Gute Nacht, Europa .....

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Beat Horn
es sind wohl eher ideologische Werte als Renditeüberlegungen, die zur Errichtung einer solchen Anlage bewegen. Die Elemente müssen noch deutlich günstiger werden. Auch muss die gesamte Oekobilanz von der Herstellung bis zur Entsorgung stimmen. Hier habe ich massive Zweifel. Dazu kommt noch: wer garantiert mir, dass ich die vollen 20 Jahre lang eine kostendeckende Einspeisevergütung bekomme? Auch hier habe ich massive Zweifel. Dem Staat traue ich jedenfalls nicht.

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