Gänsen wird Futter in den Hals gedrückt, lebenden Fröschen werden die Beine abgeschnitten, Schlangen werden gehäutet. Wenn Katharina Büttiker das beschreibt, wird sie emotional: «Es ist grauenhaft, wie diese Tiere leiden müssen!» In der Schweiz sind solche Praktiken verboten. Nun will die Tierschützerin, dass Qualprodukte auch nicht mehr aus dem Ausland eingeführt werden dürfen.

Daher hat Büttiker, Gründerin der Tierschutz-Stiftung Animal Trust, zusammen mit Wildtierschutz Schweiz und LSCV aus der Romandie (Liga gegen Tierversuche) eine Volksinitiative ausgearbeitet. Lanciert werden soll sie, falls das Parlament einer Motion von Barbara Keller-Inhelder nicht zustimmt. Die St. Galler SVP-Nationalrätin fordert darin ein Einfuhrverbot für tierische Produkte, «deren Herstellung in der Schweiz unter Strafandrohung verboten ist».

Diese Forderung kam bisher immer von linken Politikern. Erstmals wird eine Exponentin des rechten Flügels aktiv. Das dürfte die Chancen erhöhen. Die Volksinitiative der Tierschützer soll zusätzlichen Druck aufbauen.

Eine ganze Reihe von Qualprodukten könnte damit verboten werden:

• Salami und Schinken aus Schweinefleisch

Schweinen in der Massenhaltung wird der Schwanz ohne Betäubung abgeschnitten, damit sie ihn einander nicht abbeissen. Dieses Kupieren ist im Ausland oft erlaubt, in der Schweiz nicht. Italienische Salami oder spanischer Jamón Serrano sind so gesehen Qualprodukte. Laut Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz (STS) könnte ihre Einfuhr gemäss der Motion verboten werden. Die Migros reagiert und will ihr Schweinefleisch aus Italien künftig nach Schweizer Vorschriften produzieren.

• Leder von Reptilien

Die Schweiz ist einer der weltgrössten Umschlagplätze und führte 2016 mehr als eine Million Alligatorenhaut-Produkte ein, vor allem Armbänder für die Uhrenindustrie. Der Grossteil wird verarbeitet und wieder exportiert. Laut STS stammt das Alligatorenleder aus den USA. «Die Haltung ist teilweise quälerisch und widerspricht unseren Vorschriften», sagt STS-Experte Samuel Furrer. 

Auch Schlangenhäute liebt die Luxusindustrie. 2016 wurden rund 70'000 Produkte aus Pythonhäuten importiert – laut Furrer «grösstenteils aus Wildfang in Indonesien, wo die Tiere in der Regel grausam behandelt und lebendig gehäutet werden». Die Handtaschen, Schuhe und Gürtel aus Schlangenleder werden in Edelboutiquen verkauft, zur Hauptsache aber exportiert. 

• Kissen, Decken und Jacken aus Lebendrupf

In Bettwaren stecken Federn und Daunen von Gänsen und Enten, die in manchen Ländern lebendig gerupft werden. Eine qualvolle, hierzulande verbotene Prozedur. Bettwaren- und Detailhändler haben sich zwar verpflichtet, nur noch garantiert lebendrupffreie Produkte zu verwenden. Allerdings ist es laut Tierschützern bei Daunen schwierig, die Herkunft nachzuverfolgen. 

Es gebe noch ein weiteres Problem, sagt Lucia Oeschger von der Tierschutz-Organisation Vier Pfoten: «Ein Teil der hierzulande angebotenen Produkte mit Daunen und Federn kommt wohl immer aus Stopfmast.» Den Konsumenten sei das Thema kaum bekannt. Insbesondere Daunen in Jacken ohne Tierwohl-Label dürften teilweise auf Stopfmast basieren, hier gebe es kaum Transparenz.

• Stopfleber

Rund 300 Tonnen Foie gras landen pro Jahr auf Schweizer Tellern, vor allem in der Romandie. Gänsen und Enten wird die Nahrung mit einem Rohr in den Magen gepumpt. In der Schweiz ist das seit Jahrzehnten verboten. Neben kleineren Händlern verkauft die Migros in der Romandie und im Tessin Foie gras, «insbesondere aufgrund einer starken Nachfrage zum Ende des Jahres». Man «respektiere damit die regionalen Besonderheiten».

• Froschschenkel

100 Tonnen werden jährlich eingeführt, fast ausschliesslich für Restaurants und Händler in der Westschweiz. Der Grossteil aus Indonesien, wo laut Tierschützern lebenden Fröschen die Schenkel abgeschnitten werden – hierzulande verboten.

• Koscher- und Halal-Fleisch für Juden und Muslime

In der Schweiz ist das Schächten, also das betäubungslose Schlachten, seit über 120 Jahren untersagt. Manche Tierschützer fordern ein Importverbot für solches Fleisch, andere nicht.

• Pelz

 

Laut Tierschützern gibt es keine Produktion von Wildtierpelz, die unseren Vorschriften entspricht. Sie fordern ein generelles Pelzverbot.

 

Wie das Qualprodukt-Verbot konkret umzusetzen wäre, lässt Katharina Büttiker von Animal Trust offen. Sie will der Politik möglichst grossen Spielraum lassen. 

Der Bundesrat argumentierte bei ähnlichen Vorstössen, sie seien nicht umsetzbar, weil sie gegen WTO-Regeln verstiessen. Anwältin Christine Künzli von «Tier im Recht» widerspricht: «Ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte kann unter Berufung auf den Schutz der öffentlichen Sittlichkeit mit den internationalen Handelsverpflichtungen durchaus vereinbar sein.» 

Viele weitere Qualprodukte würden vom angestrebten Verbot allerdings wohl nicht erfasst – etwa Medikamente aus Tierversuchen. «Wir wollen mit den offensichtlichsten Qualprodukten beginnen», sagt Tierschützerin Büttiker, «Pelz Fragwürdige Labels Die Pelz-Heuchelei und Stopfleber.»

 

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Matthias Pflume, Textchef Digital

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