Die derzeitige Trockenzeit ist selten, aber nicht einzigartig. Es ist allerdings bereits die zweite in diesem Jahr. Von Anfang Februar bis Ende April fielen ebenfalls nur kleinste Mengen an Niederschlägen. In der Westschweiz und im Wallis gehört die Periode von Anfang 2011 bis heute zu den trockensten seit Beginn der regelmässigen Messungen im Jahr 1864.

Sie ist längst nicht so problematisch, wie wenn sie im Frühling oder im Sommer aufträte. Denn für die Pflanzen hat die winterliche Ruhezeit bereits begonnen. Für das, was die Vegetation jetzt noch braucht, reicht bereits der morgendliche Tau.

Auch die Tiere leiden nicht unter dem Wassermangel. Im Frühling war das anders, als zahlreiche Tümpel schon zur Laichzeit der Amphibien austrockneten. Im Spätsommer ist es normal, dass Kleingewässer trocken fallen. Den Amphibien macht das nichts aus, denn sie haben bis dahin schon längst ihre Landlebensräume aufgesucht.

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Die Trockenheit schadet der Landwirtschaft kaum – die Vegetationsperiode ist vorbei. Die Bauern haben sogar einen Vorteil durch die gegenwärtige Wetterlage: Sie können die Äcker abernten und die Wiesen beweiden lassen, ohne dass die Böden Schaden nehmen. Einzig die Reben im Wallis müssen allenfalls bewässert werden.

In der Wachstumsruhe brauchen Bäume und Sträucher nur wenig Feuchtigkeit. Für die Holzernte sind trockene Böden sogar von Vorteil. Ob Trockenheitsschäden in den Wäldern entstehen, hängt davon ab, welche Niederschlagsmengen bis zum Beginn der Vegetation im nächsten Frühling fallen. Problematisch wird es, wenn die Niederschläge weiterhin ausbleiben und gleichzeitig der Boden gefriert. Nadelbäume, die an sonnigen Tagen auch im Winter Wasser verdunsten, könnten dann wegen dieser Frosttrockenheit unter Stress geraten.

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An exponierten Südlagen ist die Brandgefahr sehr gross. Sorgen bereiten den Experten sonnige Hänge wie im Wallis zwischen Siders und Fully. Kommt Föhn auf, könnte es dort prekär werden. Dasselbe gilt für Wälder in den Kantonen Bern, Graubünden, St. Gallen und Tessin. Einige Kantone (Tessin, Graubünden und St. Gallen) haben  bereits Feuerverbote beschlossen.

Im November sind die Wasserstände saisonal bedingt eher tief. Ungewöhnlich ist, dass die kleinen und mittleren Bäche und Flüsse im Jura und im Mittelland deutlich weniger Wasser führen als sonst zu dieser Jahreszeit. Auffallend geringe Abflussmengen und Werte werden für die Thur (SG, TG, ZH), die Minster (SG), die Murg (LU) sowie die Sionge (FR) registriert. Auf der Alpensüdseite und in den Alpen sind die Wasserstände hingegen normal oder gar leicht über dem herbstlichen Durchschnitt. Normal sieht die Lage auch bei den grösseren Gewässern aus mit Ausnahme der Aare unterhalb des Bielersees, der Rhône bei Chancy und des Rheins bei Basel. Dort fliesst deutlich weniger Wasser als dies im Herbst normalerweise der Fall ist.

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Bei den grösseren Seen der Alpennordseite liegen die Wasserstände leicht unter Durchschnitt. Starke Abweichungen vom saisonalen Wasserstand sind in den Jurarandseen und im Zürichsee zu beobachten. Dort sind die Pegelstände bis nahe an die langjährigen Novemberminima gesunken. Allerdings: Mit Ausnahme des Bodensees wird der Wasserstand in allen grösseren Seen der Schweiz künstlich reguliert.

Für Fischarten wie die Forelle, die zum Laichen kleinere Fliessgewässer aufsucht, kann der niedrige Wasserstand zum Problem werden – dann, wenn geeignete Laichgründe trocken fallen. Lokal mussten einzelne Gewässer ausgefischt werden. Die Lage ist aber nicht so dramatisch wie im Hitzesommer 2003, als auch der Sauerstoff knapp wurde. Im kalten Wasser ist der Sauerstoffgehalt für die Fische ausreichend.

Grundwasserleiter und auch Quellen reagieren vielfach verzögert auf die Niederschlagsverhältnisse. Derzeit sind die Grundwasserstände in der Westschweiz sehr tief. In der Ostschweiz und den Alpen hingegen haben die überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im Oktober die Grundwasserstände wieder ansteigen lassen. Dasselbe gilt nach den starken Regenfällen Anfang November für das Tessin und das Wallis.

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Dass einzelne kleine Quellen vorübergehend versiegen, kommt im Spätsommer und Herbst öfters vor. Selbst wenn die Trockenheit auch im Winter anhält, ist die Versorgung mit Trinkwasser weiterhin gewährleistet. Denn sie erfolgt über vernetzte Trinkwasserverbundsysteme.

Die Trockenheit im Frühjahr war ein Extremereignis, der niederschlagsarme Herbst eine signifikante Abweichung von der Norm. Rückschlüsse auf eine Änderung des Klimas lassen sich daraus nicht ableiten. Künftig werden wir in der Schweiz gemäss neusten Klimamodellen mit längeren und häufigeren Trockenperioden zu rechnen haben – allerdings im Sommer.

Die Schweiz ist ein wasserreiches Land, das «Wasserschloss Europas», und das wird sie auch bleiben. Zumal unter dem Strich kein Rückgang der Niederschläge zu erwarten ist und derzeit nur wenige Prozente des jährlich verfügbaren Wassers genutzt werden.

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Beim Brauchwasser hingegen sind neue Konzepte und Lösungen gefragt. Etwa für den Fall, dass kleinere und mittlere Gewässer für die landwirtschaftliche Bewässerung nicht mehr verfügbar sind.

Bearbeitung: Tatjana Stocker
Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)