Per Ende Februar hat sich die Universität Zürich von ihrem Professor für Herzchirurgie, Francesco Maisano, getrennt. Von der Universität in Auftrag gegebene Gutachten waren zum Schluss gekommen, Maisano habe wissenschaftliche Publikationen geschönt und Interessenbindungen nicht offengelegt.

Jetzt wird klar: Maisano hätte an keiner anderen medizinischen Fakultät in der Schweiz Professor werden können, da er weder doktoriert noch habilitiert hat. Der akademische Titel, den Maisano zum Zeitpunkt seiner Berufung auf einen der wichtigsten Lehrstühle der Medizin in der Schweiz führen durfte, war «med. pract.».

Lehrstühle werden in der Regel öffentlich ausgeschrieben. In begründeten Fällen könne ein Kandidat aber auch direkt berufen werden, teilt die Universität Zürich mit: «Dies ist gerechtfertigt, wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat akademisch bestens qualifiziert ist, das klinische Anforderungsprofil sehr gut erfüllt und die Verhältnisse vor Ort sehr gut kennt. Dies war bei Professor Maisano der Fall.»

Maisano selbst verweist auf die hohe Zahl seiner wissenschaftlichen Publikationen, die seiner Ernennung zugrunde gelegen hätten: «Sie werden nicht viele Herzchirurgen finden, die ähnlich viel publiziert haben.»

Andere Unis winken ab

Trotzdem dürfte diese Ernennung einzigartig sein. «Grundvoraussetzung für eine akademische Weiterqualifikation in Richtung Habilitation oder einen gleichwertigen Leistungsausweis ist ein Doktorat. Deshalb ist es nicht vorstellbar, dass eine Person an der Universität Bern Professorin oder Professor wird, die nicht doktoriert hat», heisst es bei der Universität Bern. Lausanne, Genf und Freiburg verweisen auf ihr Reglement. Dieses sieht ein Doktorat als Voraussetzung für eine Professur zwingend vor.

Auch an der Universität Basel sei kein Fall bekannt, bei dem eine Person ohne Doktorgrad auf eine Professur berufen worden sei. Zwar werde eine Promotion nicht ausdrücklich verlangt. «De facto bildet das Doktorat aber den ersten Schritt in eine akademische Laufbahn, ohne den es kaum möglich ist, eigene Forschungskompetenz zu erlangen», so ein Sprecher.

Die Herzklinik des Unispitals Zürich war 2020 in die Schlagzeilen geraten. Ein Whistleblower hatte auf die Missstände aufmerksam gemacht, die schliesslich zur Trennung der Uni und des Unispitals von Francesco Maisano führten. Gehen musste auch der Whistleblower.

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