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Zukunft des WintertourismusWie weiter mit den Schweizer Skigebieten?

Klimawandel, Gästeschwund, Preisschlachten: Die Prognosen für den Schneesport sind düster. Skigebiete suchen verzweifelt nach Auswegen.

Seit diesem Winter läuft das Skigebiet Andermatt UR im Vollbetrieb. Mit dynamischen Preisen will man nun die Auslastung erhöhen.
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aktualisiert am 14. Februar 2019

Der Schnee fiel früh. Vor Weihnachten legte er sich auf Giebel und Gipfel, begrub die Sorgen unter einem weissen Mantel des Vergessens. «Pulver gut», frohlockten die Skigebiete. Doch unter der Decke sieht es anders aus. Düster.

Der Klimawandel verkürzt die Winter und treibt die Schneefallgrenze nach oben. Eine von drei Seilbahnen kann die anstehenden Investitionen nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Sie überlebt nur dank Zuschüssen der öffentlichen Hand oder von privaten Geldgebern.

«Gewisse Skigebiete werden künstlich am Leben erhalten», sagt Philipp Lütolf von der Hochschule Luzern. Mühe haben kleine Bahnen wie in Vals, aber auch mittelgrosse wie in Gstaad. «In jeder anderen Branche würden Anbieter vom Markt verschwinden.» Dass dies bei den Bahnen noch nicht passiert ist, hat laut Lütolf einen einfachen Grund: «Die Anlagen sind für viele Gemeinden systemrelevant.»
 

«Irgendwann ist fertig. Es wird eine Bereinigung stattfinden.»

Philipp Lütolf, Hochschule Luzern


Derzeit melden die Skigebiete steigende Besucherzahlen. Ein Zwischenhoch? Für Philipp Lütolf bleibt das Wintersportgeschäft volatil: «Vor zwei Jahren sah es sehr schlecht aus. Vielleicht schlechter, als es tatsächlich war. Jetzt hatten wir zwei gute Saisons, und es sieht besser aus, als es ist.»

Für einige Destinationen brauche es bloss dreimal hintereinander grüne Weihnachten, dann werde es kritisch. «Sie können eine Finanzierungsrunde machen, dann noch eine. Aber irgendwann ist fertig.» Gebiete, die an Sonnenhängen unter 1500 Metern liegen, werden Mühe haben, ohne Alternative zum Skisport über die Runden zu kommen, sagt Lütolf. «Hier wird eine Bereinigung stattfinden.»

Hektischer Aktionismus

Um einen Pistenkilometer künstlich zu beschneien, muss eine Million Franken verbaut werden. Mancherorts haben die Kosten für die Piste diejenigen für die Bahn bereits überholt. Die wachsenden Ansprüche der schrumpfenden Schar Wintersportler verteuern den Pistenspass zusätzlich. Wer soll das bezahlen? Die Verantwortlichen wissen es nicht. Aber sie haben die Flucht nach vorn ergriffen. Seit Saas-Fee 2016 mit Dumpingpreisen Wintertourismus So wollen die Skigebiete überleben die Bergbahnbetreiber aus dem Winterschlaf geschreckt hat, ist in den Skigebieten hektischer Aktionismus ausgebrochen.

In Grindelwald BE zerschneiden drei Kranausleger das Bergpanorama, davor hämmern Männer mit gelben Helmen. Ihre Schläge vermischen sich mit dem Schlager, der aus den Boxen der Bar beim Bahnhof Grund trällert. Es riecht nach Diesel und Kafi Luz Alkohol auf der Piste Kafi Luz kann teuer werden . In einem geheizten Container befindet sich das Besucherzentrum der Baustelle für das neue Terminal der V-Bahn. Ein Jahrhundertprojekt, das sich die Jungfraubahnen 470 Millionen Franken kosten lassen. Virtual-Reality-Masken vermitteln einen Blick in die Zukunft, auf Hightech-Schirmen glänzen Visualisierungen der diversen Meilensteine. Am Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau lautet das Motto: investieren – oder untergehen.

Grindelwald BE

Die Baustelle der neuen V-Bahn am Fusse des Eigergletschers oberhalb von Grindelwald
Die Baustelle der neuen V-Bahn am Fusse des Eigergletschers oberhalb von Grindelwald.
Quelle: PASCAL MORA

«Die Jugend ist unsere Zukunft»

Der CEO tischt Mineralwasser aus Vals auf. Er trägt eine rote Skihose, graumelierte Igelfrisur. Am Morgen war Urs Kessler für einen Spendenanlass auf der Piste. Mit Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden, Alpin-Legende Pirmin Zurbriggen und anderen Prominenten sammelte man Geld für Adolf Ogis Stiftung «Freude herrscht», die Jugendlichen den Skisport näherbringen soll.

«Wir müssen wieder Wachstum generieren im Wintersport», sagt Kessler in kernigem Berner Oberländer Dialekt. Eine seiner besten Ideen sei die Aktion «Kinder fahren samstags gratis» gewesen. Wenn ein Erwachsener eine Tages- oder Halbtageskarte kauft, gibt es Liftabos für bis zu drei Sprösslinge obendrauf. «Die Jugend», sagt Kessler und klingt dabei ein bisschen wie alt Bundesrat Ogi, «ist unsere Zukunft.»
 

«Heute sind wir nur Mittelmass: zu lange Wartezeiten, schlechte Qualität bei den Zubringern. Dafür schäme ich mich.»

Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen, Grindelwald


Die Jungfraubahnen erzielten im letzten Halbjahr einen Rekordgewinn von 20,1 Millionen Franken. Verantwortlich dafür war der Sommertourismus: die Massen aus Asien Tourismus Gibt es ein Mittel gegen nervigen Massentourismus? , die aufs Joch pilgern. Der Wintertourismus ist Grindelwalds Sorgenkind. Der Bau der V-Bahn sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sagt Kessler. Auch wenn das nicht alle Grindelwalder so sehen. Geschweige denn die Umweltverbände.

Bevor im letzten Juni mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte, hagelte es sechs Jahre lang Einsprachen. Die Debatte wurde ziemlich ruppig geführt. Kessler erhielt mehrere Morddrohungen. Der Wirt einer Schneebar, ein erbitterter Gegner des Projekts Jungfraubahnen Unsere Kritiker sind unsere Feinde , warf den Jungfraubahnen Sabotage vor. Pistenfahrzeuge hatten direkt vor dem Zugang zu seiner Après-Ski-Beiz einen meterhohen Schneewall angehäuft.

Komfort steigern

Inzwischen sind alle Einwände gegen die V-Bahn vom Tisch. Man einigte sich auf tiefere Frequenzen, auf edles Anthrazit anstelle von knalligem Rot beim Anstrich der Gondeln und aufs Verkürzen zweier Masten, die sonst die Sicht auf die berühmte Eigernordwand eingeschränkt hätten.

Die V-Bahn soll Grindelwald wieder zu einer Top-Winterdestination machen. «Heute sind wir nur Mittelmass», sagt Urs Kessler. Zu lange Wartezeiten, schlechte Qualität bei den Zubringern. «Dafür schäme ich mich.» Der Chef, ein gelernter Bahnbetriebsdisponent, der 1987 als Marketingchef bei den Jungfraubahnen einstieg, will zurück in die Champions League. Der Weg dorthin, sagt der 57-Jährige, führe über «Convenience», über eine Steigerung des Komforts. Anders gesagt: Es muss schneller gehen.

Die Ansprüche steigen: Seilbahnen beliebter als Schlepplifte

Infografik: Gondeln sind beliebter als Bügellifte
Mit Seilbahnen können schweizweit fast eine Million Passagiere pro Stunde befördert werden.
Quelle: Seilbahnen Schweiz «Fakten und Zahlen» – Infografik: Anne Seeger

Kapazität verdoppeln

«Alles spricht von Entschleunigung. Und doch will jeder so rasch wie möglich von A nach B.» Die V-Bahn verkürzt die Reisezeit aufs Joch um fast 50 Minuten. Wer heute in Bern losfährt, benötigt über zweieinhalb Stunden auf den Eigergletscher. Künftig steht er nach einer Stunde und 49 Minuten auf den Skiern, bereit für die Abfahrt. «Die Berge rücken näher», sagt Kessler.

4200 Gäste pro Stunde wird die V-Bahn ab dem Winter 2020 in hochmodernen Gondeln, die ausschliesslich über Sitzplätze verfügen, auf den Männlichen und den Eigergletscher transportieren, mit Anschluss ans Jungfraujoch. Eine Verdoppelung der Kapazität. In den vergangenen drei Jahren besuchten jeweils über eine Million Gäste das Wahrzeichen. Der höchstgelegene Bahnhof Europas ist damit die Cashcow der Jungfraubahnen. Mit dem Verkauf von Sportpässen erzielt die Gruppe nur knapp 14 Prozent der Einnahmen. Das soll sich mit der V-Bahn ändern.

Der Skibetrieb ist teuer

Infografik: So hoch sind die Kosten eines Skigebiets für einen Betriebstag
Kosten für einen Betriebstag in einem grossen Skigebiet mit rund 200 Pistenkilometern. Zum Vergleich: Ein Tag im Zoo Zürich kostet rund 70'000 Franken.
Quelle: Seilbahnen Schweiz «Fakten und Zahlen» – Infografik: Anne Seeger

Saisonkarte für 666 Franken: Eigentlich ein schlechtes Geschäft für die Bahn

Im Terminal in Grindelwald-Grund, der Basisstation, wird ein 300 Quadratmeter grosser Coop gebaut. Armani, Moncler und Lindt & Sprüngli haben bereits Mietverträge unterzeichnet. Die Gäste werden ihre Skier in über 2000 Depots einstellen können. Geplant ist überdies eine App für alles: um einen Parkplatz zu finden, eine Ausrüstung zu mieten, im Bergrestaurant zu reservieren und Hotels zu buchen.

Auch bei der Preispolitik für die Skiabos geht Grindelwald seit einem Jahr neue Wege. Zusammen mit den Berner Oberländer Skigebieten Adelboden-Lenk, Meiringen-Hasliberg und Gstaad hat man – auch als Reaktion auf Aktionen der Konkurrenz – die Top-4-Saisonkarte lanciert: 666 Pistenkilometer für 666 Franken. Kessler sagt, er habe die Distanzen zusammengezählt und dann den Preis festgesetzt. Er kalkulierte mit 25'000 Pässen, die die Einnahmen aus dem Vorjahr sichern sollten. 2017 verkaufte man 36'000 Pässe, in dieser Saison schon 38'000. «Die Rechnung geht auf.»

Aber: 85 Prozent der Gäste fahren öfter als an zehn Tagen – und damit eigentlich zu günstig. Ein schlechtes Geschäft für die Bahn. Aber kein Problem für Kessler: «Höhere Frequenzen schenken dafür anderweitig ein.» Etwa in den sieben Bergrestaurants, die den Jungfraubahnen gehören. Kessler versteht Wintertourismus als Gesamtsystem.

Deshalb unterstütze man Investoren, die dem leerstehenden Grandhotel Regina im Dorfkern zu altem Glanz verhelfen wollen. Oder verkaufe neben dem neuen Terminal Land zu günstigen Konditionen, auf dem ein Hotel mit 240 Betten geplant ist. «Die Basis des Tourismus ist ein Nest zum Liegen», sagt Kessler, steigt in einen weissen VW und braust davon. Termine in Bern.

Der Preiskrieg senkt den Gewinn

Infografik: Durchschnittspreis pro Tageskarte für einen Erwachsenen
Mittlerer Preis pro Tageskarte für einen Erwachsenen.
Quelle: Seilbahnen Schweiz 2017: «Saisonbilanz» – Infografik: Anne Seeger

Der Knall in Saas-Fee

Das Epizentrum des Bebens, das die Schweizer Bergbahnbranche vor drei Jahren erfasst hat, befindet sich im Walliser Saastal. Den Betreibern der Bergbahnen in Saas-Fee stand das Wasser damals bis zum Hals. 1998 registrierte man 700'000 Ersteintritte (Skier-Days), 2016 nur noch 350'000. Saas-Fee musste handeln – und schockte die Konkurrenz mit dem «Hammer-Deal». Mittels einer Crowdfunding-Kampagne wollte man 99'999 Saisonkarten für 222 statt 1050 Franken unters Volk bringen.

Die Aktion gelang, kostete aber viel Geld. Für Marketing und IT investierten die Bahnen über drei Millionen Franken. Profitiert haben im Saastal alle – ausser den Bergbahnen. Die Hotels zum Beispiel verzeichneten bei den Logiernächten ein Plus von 19 Prozent.

Im letzten Herbst knallte es. Die stark sanierungsbedürftigen Bergbahnen holten einen neuen Investor an Bord. Die österreichische Schröcksnadel-Gruppe hilft Saas-Fee mit zwölf Millionen Franken aus der Patsche. Der bisher grösste Einzelaktionär, der amerikanisch-niederländische Hedgefonds-Manager Edmond Offermann, machte sich enttäuscht aus dem Staub. Verwaltungsratspräsident Pirmin Zurbriggen war bereits zuvor zurückgetreten.

Saas-Fee VS

Wintersportler in der Metro Alpin, der U-Bahn, welche die Gäste von der Mittelstation Felskinnplateau hinauf auf den Mittellalalin fährt
Wintersportler in der Metro Alpin, der U-Bahn, welche die Gäste in Saas-Fee VS von der Mittelstation Felskinnplateau hinauf auf den Mittelallalin fährt.
Quelle: PASCAL MORA

Schluss mit Dumpingpreisen in Saas-Fee

Das Büro der Saastal Bergbahnen befindet sich in der Talstation der Gondelbahn «Alpin Express». Betriebsleiter Urs Zurbriggen empfängt in einem Sitzungszimmer, in dem die Zeit irgendwann in den Neunzigern stehengeblieben ist. Verlebtes Mobiliar, karge Wände, diffuses Licht. Er sagt: «Es braucht Idealismus und Liebe zum Schneesport, um in dieser Branche zu arbeiten.» Für die meisten sei es ein Kampf.

Im Dorf begrüssen die meisten die Ankunft der Österreicher. Doch allen brennt die Frage unter den Nägeln: Was genau hat die Familie Schröcksnadel vor? Saas-Fee gilt als schneesicherstes Gebiet der Alpen, dank dem Feegletscher ist Skifahren auch im Juli möglich. Unternehmer Peter Schröcksnadel ist seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbands. Haben die Ösi-Cracks Kriechmayr, Reichelt und Hirscher künftig Vorrang bei den Sommertrainings? Die Verschwörungstheorie hält sich hartnäckig.

«Das ist Polemik», sagt Urs Zurbriggen. Die Schröcksnadels seien ausgewiesene Profis im Seilbahngeschäft. In neun Gebieten ist die Familie massgeblich mit Kapital beteiligt, unter anderem in Savognin GR. Im Portfolio befinden sich über 100 Transportanlagen. In Österreich nennen sie Peter Schröcksnadel den «Lift-Kaiser». Bekannt ist, dass die neuen Investoren keine Fans des «Hammer-Deals» sind. Nach drei Saisons ist also im nächsten Jahr Schluss mit Dumpingpreisen in Saas-Fee.

Verzweifelt gesucht: alternative Finanzierungsmodelle

Ein paar Gipfel weiter westlich ist die Euphorie ebenfalls verflogen. Crans-Montana, so heisst es, will bereits wieder aus dem Verbund «Magic Pass» austreten, dem 30 mehrheitlich kleinere welsche Skigebiete angehören. Stammgäste, schreibt der «Walliser Bote» (Artikel online nicht verfügbar), die reguläre Preise bezahlt hätten, fühlten sich auf vollgestopften Pisten und in proppenvollen Restaurants benachteiligt.

Was aber kommt nach der Dumping-Strategie? Urs Zurbriggen lässt sich in Saas-Fee nicht in die Karten blicken. Dynamische Preise wie in Andermatt, St. Moritz und Zermatt werde man nicht einführen. Eine Rückkehr zum traditionellen Modell mit fixen Preisen? Gut möglich. Derzeit kostet die Tageskarte für Erwachsene in Saas-Fee 75 Franken. Rabatt gibt es für Mehrtageskarten.
 

«Ich bin überzeugt, dass sich dynamische Preise durchsetzen werden.»

Franz-Xaver Simmen, Swiss Alps, Andermatt


Noch offen ist in Saas-Fee das Schicksal der Hannigbahn. Sie befördert im Winter Schlittler und im Sommer Wanderer auf die Hannigalp. Die Anlage fährt mit veralteter Technik, im Herbst verliert sie die Betriebsbewilligung. Ein Ersatz kostete acht bis zwölf Millionen Franken. Für die Investoren hat die Bahn keine Priorität, für sie zählen Skipisten. Im Gemeinderat wird das Traktandum heiss diskutiert. Verzweifelt gesucht: alternative Finanzierungsmodelle, damit die Bahn 2020/21 den Betrieb wieder aufnehmen kann. Diejenigen zur Kasse zu bitten, die davon am meisten profitieren würden, wäre eine Möglichkeit: die Hoteliers, das Gewerbe, Zweitwohnungsbesitzer – kurz: den ganzen Ort.

Dynamik in Andermatt

Rainer Flaig, einer der Erfinder des «Hammer-Deals», amtet seit 1. Februar als Chef der Bergbahnen in Andermatt. Hier im Ursental, wo der ägyptische Investor Samih Sawiris eine moderne Wintersportdestination aus dem Boden gestampft hat, wären die Bedingungen für ein stark verbilligtes Saisonabo perfekt: Der Andermatt Swiss Alps AG gehören die Betten, die Gastrobetriebe, die Skischulen. Ob Flaig in Andermatt mit Dumpingpreisen Gäste anlocken will, ist unbekannt. Er steht für Interviews derzeit nicht zur Verfügung.

Dafür gibt ein anderer Auskunft: Franz-Xaver Simmen, noch bis April Chef der Andermatt Swiss Alps AG. Der Bauingenieur zollt der Konkurrenz im Wallis Respekt: «Wenn Saas-Fee den Stein nicht ins Rollen gebracht hätte, herrschte immer noch Stillstand.» Der Branche habe lange Zeit der Innovationsgeist gefehlt, sie sei zu konservativ gewesen, sagt Simmen. Eine Wintercard wie in Saas-Fee sei vorderhand nicht geplant.

In Andermatt setzt man auf Tagestouristen – und dynamische Preise. «Jeder Tag hat einen anderen Wert», so Simmen. Entscheidend sind Wochentag und Wetter. Die Preisspanne beginnt bei 10 Franken, gegen oben gibt es keine Grenze. «Ich bin überzeugt, dass sich dynamische Preise durchsetzen werden», sagt Simmen. Der Konsument habe damit keine Probleme. Er kenne das Modell bereits von den Airlines oder Hotel-Buchungsplattformen. Die flexiblen Preise lohnen sich: Andermatt hat den Durchschnittsertrag je Ticket um 40 Prozent gesteigert, schreibt die «NZZ am Sonntag».

Andermatt UR

Wintersportler stehen an an der Sesselbahn Vordere Felli in Andermatt
Wintersportler an an der Sesselbahn Vordere Felli in Andermatt.
Quelle: PASCAL MORA

Was hat der Klimawandel für Konsequenzen?

Neben der Frage nach dem richtigen Pricing beschäftigt die Branche derzeit vor allem die Auswirkung des Klimawandels Tourismus «Die Schäden durch den ­Klimawandel sind irreversibel» . In Andermatt setzt man auf erneuerbare Energiequellen, ein autofreies Zentrum und den ÖV. Bald schon soll der neue Bahnhof in Betrieb genommen werden. «Die globale Erwärmung ist ein Riesenthema, das wir nicht schönreden können», sagt Simmen. Andermatt gilt als schneesicher und ist reich an Wasservorräten. Simmen sieht vor allem auf kleinere Gebiete Probleme zukommen, die aufgrund ihrer tiefen Lage immer weniger Betriebstage aufweisen können. «Aber solange da jemand ist, der mit Herzblut unterstützt, wird es diese Destinationen noch lange geben. Und das ist auch gut so.»

Als Franz-Xaver Simmen 2015 in Andermatt das Ruder übernahm, herrschte Stillstand. «Ausser dem Hotel Chedi gab es gar nichts, kein Parking, keine Bergbahnen, kein Leben.» Er habe Dynamik in ein eingeschlafenes Projekt gebracht, sagt Simmen. Jetzt, da die Destination zu einem grossen Teil stehe, brauche es andere Kompetenzen. Es gehe darum, das Ganze zu vermarkten, PR zu betreiben. Andere könnten das besser als er. «Man muss die Party verlassen, wenn sie auf dem Höhepunkt ist.»

Wenn Simmen einen Wunsch frei hätte, wäre es der Anschluss des Skigebiets Andermatt-Sedrun an den internationalen Tourismus. Anders gesagt: eine Porta Alpina. Ein unterirdischer Bahnhof in der Mitte des Gotthard-Basistunnels, mit dem schnellsten Lift der Welt, der Gäste aus Zürich oder Mailand in Rekordzeit auf die Piste katapultiert. Das Projekt wurde vor einigen Jahren eingestellt. Zu teuer, hiess es. «Die Porta Alpina will ich unbedingt», sagt Franz-Xaver Simmen. Im Frühling fängt er bei seinem neuen Arbeitgeber an. Schindler heisst er – und produziert Aufzüge.

Der Klimawandel droht

Infografik: Der Klimawandel droht
Die natürlichen Schneeverhältnisse bestimmen, wie lange die Wintersportsaison dauert; Anzahl Tage mit Schnee über fünf Zentimetern nach Höhenlage.
Quelle: SLF: «How much can we save?» – Infografik: Anne Seeger

Die Ski-Tage werden weniger

Infografik: Die Ersteintritte in Skigebiete werden jährlichweniger
Wenn ein Gast am Morgen das Drehkreuz passiert, generiert er einen Ersteintritt – egal, wie oft er sich hinaufbefördern lässt. So haben sich die Ersteintritte in Skigebiete (Skier-Days) entwickelt.
Quelle: Seilbahnen Schweiz «Fakten und Zahlen» – Infografik: Anne Seeger

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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