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LebensmittelNoni-Saft: Heilmittel oder Humbug?

Mir wurde Noni-Fruchtsaft als Mittel gegen allerlei Beschwerden empfohlen. Zu Recht?

Der Kommentar des Medgate-Ärzteteams:

Noni-Juice ist der Presssaft aus der Frucht von Morinda citrifolia, der indischen Maulbeere. Die Noni-Frucht ist eine aus Polynesien stammende Wildfrucht, wobei nicht nur der Saft, sondern vor allem Extrakte aus Blättern und Wurzeln traditionell als Heilmittel bei Fieber, als Abführmittel und zur Wundbehandlung verwendet wurden. Der unbehandelte Saft schmeckt nach altem Käse, riecht sehr unangenehm und wird deshalb mit anderen Fruchtsäften gemischt.

Noni-Produkte zeichnen sich nicht durch einen besonderen Ernährungszweck aus. Wie andere Fruchtsäfte enthalten auch sie Mineralstoffe, Aminosäuren, Vitamin C und Bioflavonoide. Laut Werbetexten soll in der Noni-Frucht zusätzlich das Anthrachinonderivat Proxeronin, verantwortlich für Wirksamkeit bei zahlreichen Beschwerden wie Krebs, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes, enthalten sein.

Allerdings werden vor allem Angaben zu Inhaltsstoffen und zur traditionellen Anwendung von Wurzeln und Blättern kritiklos auf die Frucht übertragen. Die traditionelle Anwendung korreliert nicht mit den Heilanpreisungen in den Werbebroschüren. Die in Tierexperimenten beobachtete Antitumor-Aktivität lässt keinerlei Rückschluss auf eine klinische Wirksamkeit zu. In Deutschland ist die Abgabe von Noni-Zubereitungen vorläufig verboten. In der Schweiz warnt das Bundesamt für Justiz vor einem Schneeball-Vertriebssystem von Noni-Saft.

Veröffentlicht am 13. Februar 2002