Wenn Beatrice Schaub in ihrem Häuschen in Aesch BL in den Keller steigt, schlägt ihr ein muffiger Geruch entgegen. Im kleinen Büro, das sich die 56-Jährige hier unten eingerichtet hat, riecht es ebenfalls. «Ich werde all die Bücher und Kleider wegwerfen müssen», sagt die Frau bedauernd. Sie befürchtet, dass es Schimmel ist, der den Geruch verursacht – und möglicherweise auch ihre Allergien verstärkt hat.

Die feuchte Stelle und 100'000 Pilzarten

In der Natur stört der Schimmel, der auch mithilft, Humus zu bilden, niemanden. Aber die Schimmelsporen lassen sich von der Luft mittragen und gelangen so in die Gebäude. Für das menschliche Auge bleiben sie unsichtbar, bis sie auf eine feuchte Stelle treffen. Dann beginnt für die Bewohner oft der Ärger. Ob durch Risse in der Wand, durch einen Wasserschaden, beim Kochen oder Duschen, beim Aufhängen nasser Wäsche oder beim Schwitzen und Atmen im geschlossenen Schlafzimmer: Überall entsteht Feuchtigkeit, die den Schimmel nährt.

Es gibt über 100'000 Arten von Schimmelpilz, aber nur zwei Hauptursachen für seine Entstehung in Wohnräumen. Ent­weder wird zu wenig oder falsch gelüftet (siehe nachfolgende Box «Mehr Luft! So bildet sich weniger Schimmel»), oder es handelt sich um bauliche Mängel. Darunter fallen ungenügend gedämmte Aussenwände oder undichte Fenster. Schimmel verbreitet sich auch in Neubauten, wenn das Lüftungskonzept nicht funktioniert wie geplant.

Anzeige

Beatrice Schaub lüftet oft, aber ihr Haus wurde vor über 50 Jahren gebaut. Als sie die alte Treppe aussen zuschütten liess, bildeten sich an der Innenwand Schimmelflecken. Andernorts drückt Feuchtigkeit durch die Mauer, wenn es regnet, weil das Wasser draussen durchs Ablaufrohr nicht abgeleitet wird.

Schaub liess sich eine Offerte für die Sanierung der Innenwände erstellen. Kostenpunkt: 7500 Franken. Sie hat sich auch anderweitig informiert über Produkte, die Schimmel beseitigen sollen. «Ohnmächtig» sei es, was da alles feilgeboten werde.

Mehr Luft! So bildet sich weniger Schimmel

  • Fenster (auch im Bad) zum regel­mässigen Lüften nicht kippen, sondern richtig Durchzug machen. Auch bei Regen oder im Winter.

  • Herrschen im Schlafzimmer tiefere Temperaturen als im Rest der Wohnung: Türen geschlossen halten.

  • Möbel nicht direkt an die Aussenwände stellen, weil sich schnell Schimmel bildet, wenn warme Luft auf die kalten Wände trifft und nicht zirkulieren kann.

  • Nach dem Duschen lüften, damit die Feuchtigkeit gut abziehen kann.

  • Ventilatorfilter im Bad regelmässig reinigen, damit er die Feuchtigkeit wirklich abzuziehen vermag.

  • Plättli und/oder Glaswand im Bad nach dem Duschen trocknen.
Anzeige

Schimmel ist nicht generell gefährlich

Der Schimmelexperte des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, Peter Seehafer, stimmt ihr zu. «Es gibt keine Wundermittel gegen Schimmel.» Auch Raummessungen, die zur Analyse oft gemacht werden, hält der Fachmann für unnötig. Sie brächten oft nicht die erhofften Antworten, seien vor allem teuer. Diese Ansicht wird vom Bundesamt für Gesundheit in seiner Broschüre «Vorsicht Schimmel» geteilt. Für Seehafer ist klar: «Die Angebote nutzen die Panik der Leute aus, die um ihre Gesundheit fürchten.»

Gemäss der Gesundheitsbehörde sind Schimmelsporen in geringer Anzahl immer in der Luft und für gesunde Menschen nicht gefährlich. In hoher Konzentration allerdings, bei grösseren, stark befallenen Flächen, können die Sporen Augen, Atemwege und die Haut reizen. Im schlimmsten Fall kann daraus eine chronische Bron­chitis oder Asthma werden, oder es treten Allergien auf. Menschen, deren Immun­system durch eine Chemotherapie oder Transplantation geschwächt ist, sollten den Kontakt mit Schimmel meiden.

Anzeige

Hausbesitzerin Beatrice Schaub will etwas gegen den Schimmel in ihrem Keller tun, unabhängig davon, ob der Pilz etwas mit ihren Allergien zu tun hat. Peter Seehafer schaut sich die zwei befallenen Stellen im Keller an: Bei beiden sieht er die Ursache in Baumängeln. Den Befall nur von innen zu behandeln wäre möglich, aber laut seiner Einschätzung «Pflästerlipolitik» – und bei einer Offerte von 7500 Franken erst noch eine teure. Stattdessen empfiehlt er «eine nachhaltigere Vorgehensweise».

Die eine betroffene Mauer würde er ­aussen freilegen lassen und mit einer Abdichtung und einer Drainage versehen. An der zweiten Stelle könnte der Schimmel verschwinden, wenn man das defekte Abflussrohr von der Aussenwand wegführen würde. Erst danach sei es sinnvoll, im Innern zu sanieren. Beatrice Schaub wird sich von mehreren Unternehmen Offerten machen lassen: «Dann hoffe ich, den Schimmel bald los zu sein.»

Anzeige

Bewohner von Mietwohnungen haben weniger Handhabe, wenn sich die Schimmelsporen in ihren Räumen festsetzen. Sie müssen zuerst den Vermieter informieren, sonst können sie haftbar gemacht werden, wenn durch den Schimmel später Schaden entsteht. Doch wer sich an die Hausverwaltung wendet, hört nicht selten: «Lüften Sie richtig, dann gibt es keinen Schimmel!» Handelt es sich aber um einen Baumangel, kann der Mieter von Gesetzes wegen darauf bestehen, dass die Wohnung auf Kosten des Vermieters in Ordnung gebracht wird.

Viele fürchten allerdings, der Vermieter könnte ihnen die Wohnung einfach kündigen, statt sie zu sanieren. Laut ­Rosmarie Naef, Mietrechtsexpertin im Beobachter-Beratungszentrum, wäre eine solche Kündigung missbräuchlich.

Der Mieter könnte sie bei der Schlichtungsbehörde mit guten Erfolgsaussichten anfechten, ohne dass ihm dadurch Kosten entstehen. Wichtig dabei: «Man darf die 30-tägige Anfechtungsfrist nicht verpassen, sonst wird die Kündigung wirksam», sagt Naef. Die Schlichtungs­behörde ist auch die richtige Anlaufstelle, wenn sich der Vermieter weigern sollte, den Mangel zu beheben.

Anzeige

Schimmel entfernen: Selber machen oder Experten beiziehen?

Je nachdem, wie stark der Schimmelpilzbefall ist, kann man ihn selber behandeln, oder man braucht eine Fachperson. Mieter bieten einen Experten nicht selber auf, sondern konsultieren dafür immer die Verwaltung.

Tipp: Selber versuchen, den Schimmel zu ent­fernen.

Stufe 1: Der Schimmel zeigt sich typischerweise auf Fugen im Bad oder an Fenstern. An den Wänden ist er nicht grösser als 
eine Handfläche. Zum Entfernen eignen sich Wasser und Reinigungsmittel oder Schimmel­entfernungsmittel aus dem Detailhandel. Auch Javelwasser oder – für kleine Flächen – hoch­prozentiger Alkohol 
helfen. Aber Vorsicht: 
Sie können die Materialoberfläche beschädigen.

Quelle: Roland Schmid
Anzeige

Tipp: Selber versuchen, den Schimmel zu ent­fernen. Für eine fach­gerechte Sanierung mit der nötigen Abklärung der Ursachen ist es allerdings empfehlenswert, eine Fachperson bei­zuziehen. Reinigungs­vorgehen wie bei Stufe 1.

Stufe 2: Der Schimmelpilz zeigt sich an einer Wand oder an der Decke, es ist nur eine Stelle in 
einem Raum betroffen. Die Fläche ist kleiner als ein halber Quadratmeter. Es ist kein Baumangel 
erkennbar (zum Beispiel ein Wasserschaden).

Quelle: Roland Schmid

Tipp: Möglichst schnell von einer Fachperson die Ursache für den Schimmel feststellen und den Pilz entfernen lassen.

Stufe 3: Im Raum herrscht anhaltender Schimmelgeruch, oder der Pilz zeigt sich grossflächig (mehr als ein 
halber Quadratmeter) und dicht an mehreren grösser werdenden 
Stellen.

Quelle: Roland Schmid
Anzeige

Nützliche Infos, Broschüren und Merkblätter zum Thema Pilzbefall