Bei Umbauten und Sanierungen gibts nichts Schlimmeres als unplanmässiges, unkoordiniertes Vorgehen. Der Eigenheimbesitzer Urs B. konnte es zum Beispiel kaum erwarten, dass seine neue, moderne Küche eingebaut wurde. Hals über Kopf hatte er sich in die Küchenausstellung begeben und das Passende bestellt. Nun steht der Küchenbauer bereits vor der Tür und stellt fest, dass die sanitären Installationen überholt sind und ersetzt werden müssen. Oder: Der Eigentümer eines Einfamilienhauses beauftragt von heute auf morgen einen Bauunternehmer damit, einen Anbau für ein Büro zu erstellen. Dass Grenzabstände einzuhalten wären und es einer Bewilligung der Behörden bedurft hätte, fördern erst die Einsprachen der erzürnten Nachbarn und die von der Baupolizei auferlegte Busse zu Tage.

«Gebäudediagnose» erstellen
Fachleute empfehlen deshalb ein «ganzheitliches Denken». «Eine nicht mehr zeitgemässe Küche kann der Auslöser für eine Erneuerung sein; sie sollte aber nicht isoliert betrachtet werden», sagt Martin Rutz, Geschäftsleiter der Meier + Steinauer Partner AG in Zürich, die auf Bauerneuerung spezialisiert ist. Vor dem Gang zum Küchenbauer oder zum Architekten sei es ratsam, ein Gebäude als Ganzes anzuschauen. Oft stelle sich heraus, dass auch noch andere – oft nicht sichtbare – Teile wie Anschlüsse, Zu- und Ableitungen oder Versorgungsstränge in schlechtem Zustand seien. Rutz: «Es gibt keinen schlimmeren Fehler, als eine Küche an eine alte Haustechnik anzuschliessen.»

Eine Küche hat heute eine Lebensdauer von rund 20 Jahren, während die Haustechnik meist zwei Küchengenerationen überdauert. Eine Veränderung des Geschmacks oder neue Modeströmungen können dazu führen, dass die Benutzer einzelne Elemente auch nach kürzerer Zeit ersetzen möchten. So gesehen lohnt es sich, vor einem Bauentscheid sorgfältig abzuwägen, wie sich der unterschiedliche Lebenszyklus aller Bestandteile unter einen Hut bringen lässt. Wenn die Apparate bereits einmal ersetzt wurden, ist es wohl besser, beim nächsten Mal gleich die Küche als Ganzes zu erneuern.

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Eine fachgerechte Analyse des Gesamtzustands kann ein Architekt, ein Generalunternehmer oder ein auf Bauerneuerung spezialisierter Planer vornehmen. Eine solche ganzheitliche Planung aufgrund einer so genannten Gebäudediagnose setzt sich mehr und mehr durch – im kleineren Rahmen lohnt sie sich auch für den Privateigentümer. Wenn etwa die Raumaufteilung dem Anspruch nach einer Wohnküche nicht genügt und die statischen Gegebenheiten den Abbruch vorhandener Wände zulassen, kann eine Grundrissänderung sinnvoll sein. Neue Leichtbauwände können in Trockenbauweise relativ rasch hochgezogen werden und zugleich die neuen Installationen aufnehmen.

«Bei jedem Umbauprojekt sollte man nicht nur die Instandsetzung im Auge haben, sondern auch an die Möglichkeit einer Wohnwertverbesserung denken», empfiehlt Martin Rutz. Wichtig sei indes, solche Ideen schon in einer frühen Projektphase einzubringen.

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Ein anderer wesentlicher Punkt ist die Frage, wie viel Kompetenz Sie selbst in ein Bauprojekt einbringen können und wie viel Zeit Sie dafür zur Verfügung haben. Je nachdem wählen Sie Ihre Baupartner aus und delegieren bestimmte Aufgaben an Architekten, Raumplaner, Fachingenieure, Generalunternehmer, Bauberater, Unternehmer und Handwerker.

Direkt zum Küchenbauer gehen
Der Auftrag kann als Ganzes an einen General- oder Totalunternehmer vergeben werden; dieser nimmt dann sämtliche Aufgaben von der Planung und Ausschreibung bis zur Bauleitung wahr und garantiert die vereinbarten Preise und Fristen. Man kann aber auch einen Architekten mit der Planung und der Koordination der Handwerkerleistungen betrauen. Oder man geht gleich selber zum Küchenbauer.

«Der direkteste Weg führt immer noch zum Küchenbauer», unterstreicht Daniel Wey, Direktor Küche/Bad bei der Firma Dipl. Ing. Fust AG, die neben Haushaltgeräten und Unterhaltungselektronik auch Küchen und Bäder anbietet. Wer sich an einen Küchenbauer wende, erhalte die Beratung im Laden, die Planung und die Massaufnahme zu Hause unentgeltlich. Da Fust in der Planung mit modernen Arbeitsmitteln arbeitet, kann dem Kunden bereits vor dem Kaufentscheid ein fotorealistisches, dreidimensionales Bild seiner Küche gezeigt werden.

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Umbaufirma sorgfältig auswählen
Der Kundschaft bietet Fust eine hauseigene Generalunternehmung, die alle Handwerker organisiert und koordiniert sowie Preise, Termine und eine fachgerechte Ausführung der Arbeiten garantiert. «Bei uns hat man nur einen Ansprechpartner», sagt Wey. Koordination und Garantieleistungen seien inbegriffen, während aber bei einem Umbau in eigener Regie oder unter Beizug von Kollegen all diese Fragen offen und nicht geregelt seien.

Daniel Wey rät deshalb davon ab, ohne entsprechende Fachkenntnisse einen Küchenumbau selbst durchführen zu wollen. Die Schwierigkeit sieht er darin, dass mit jedem Unternehmer, mit jedem Handwerker separate Verträge ausgehandelt wer- den müssen, die den genauen Leistungsumfang, Garantieleistungen und Zahlungsmodus regeln. Er empfiehlt in jedem Fall die Wahl einer renommierten Firma, um sich gegen alle Eventualitäten abzusichern: «Bei konkursiten Firmen lassen sich keine Garantieleistungen mehr einfordern.»

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Wenn nebst dem Kauf der Küche weitere Erneuerungsarbeiten nötig sind, erhält der Kunde bei Fust eine separate Offerte dafür. Fust schliesst dann als Generalunternehmer Verträge mit Subunternehmern ab. Wey macht zudem geltend, dass seine Firma durch viele wiederkehrende Aufträge mit Baufirmen bessere Konditionen aushandeln kann, als dies einem Einzelnen möglich wäre.

Neben Qualität und Ästhetik spielt der Preis eine wichtige Rolle. Derzeit sind die Preise aufgrund von Überkapazitäten auf dem Bau und bei Zulieferern noch immer relativ günstig. Für dieses Jahr wird jedoch mit einer Bauteuerung von drei bis vier Prozent gerechnet. Eine neue Küche kostet inklusive Montage, aber ohne allfällige bauliche Massnahmen etwa 10000 bis 25000 Franken. Für ein neues Badezimmer ist mit durchschnittlich 5000 bis 15000 Franken zu rechnen – wobei gerade hier die Preisunterschiede gross sind. Denn das Bad verändert sich immer mehr in Richtung Wellnesscenter mit viel Platz und komfortabler Ausstattung.

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Der Preis hängt natürlich auch stark davon ab, ob der Lieferant Apparate und Küchenmöbel fertig montieren kann, ohne dass weitere Eingriffe und Erneuerungsarbeiten nötig sind. Wesentlich teurer kommt es aber, wenn eine umfassende Sanierung mit einem entsprechenden Mehraufwand an Planung, Baumeisterarbeiten oder in der Haustechnik anfällt. Die Kosten für einen Küchenumbau steigen dann bald einmal auf 30000 bis 40000 Franken.

Faktor Zeit nicht unterschätzen
Eine wichtige Rolle bei der Bauerneuerung spielt natürlich der Faktor Zeit. Wenn Bauarbeiten und Montage rasch durchgeführt werden, spart dies nicht nur Kosten, sondern reduziert auch die Dauer, während der Küche, Bad oder Wohnräume «ausser Betrieb» sind. Und das ist nicht ganz unwesentlich – schliesslich werden Erneuerungen meist in bewohnten Wohnungen durchgeführt!

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Neben einer guten Vorbereitung und einem detaillierten Tagesprogramm lässt sich aber auch einiges mit vorfabrizierten Elementen – so genannten Vorwandinstallationen – sparen, die fixfertig auf die Baustelle kommen. Etliche Anbieter führen heute Küchenmöbel und Bauteile im Sortiment, die zum grössten Teil aus vorfabrizierten Elementen bestehen und ab Lager kostengünstig montiert werden können. Zentral ist zudem die optimale Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmer und Lieferanten. Denn erneuern heisst, unter Termindruck und bei engen Raumverhältnissen zu arbeiten. Dazu braucht es erfahrene Unternehmer und Handwerker, die miteinander kommunizieren können und flexibel sind. Martin Rutz von Meier + Steinauer weiss: «Das können nicht alle.»