Wer ein Haus bauen will, das weder der Umwelt noch der eigenen Gesundheit schadet, muss genau planen: von der Wahl des Grundstücks bis hin zu einem möglichen späteren Abbruch. Ausschlaggebend sind Standort, Energieverbrauch, Baumaterial und Wohnkomfort. Von handgestrickt kann keine Rede sein: «Moderne Ökohäuser sind bis ins letzte Detail durchdacht und mit modernster Technik ausgerüstet», sagt Simon Rakeseder, Architekt und Berufsschullehrer. Vor zwei Jahren hat er für sich, seine Frau Sandra und die drei Kinder in Amden SG über dem Walensee ein Haus erstellt. Der Bau gilt als ökologisch mustergültig.

Mit dem Kauf oder Bau eines Hauses geht oft ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Der Tatsache, dass sich die Bautätigkeit und das Wohnen stark auf die Umwelt auswirken, sind sich aber viele Eigenheimbesitzer nicht bewusst: Jede Minute wird in der Schweiz ein Quadratmeter Kulturland überbaut, werden 90 Tonnen Baumaterial verarbeitet, entstehen durch Abbrüche neun Tonnen Abfall, werden in den Haushalten 30000 Kilowattstunden Strom und 3000 Liter Heizöl verbraucht.

Rakeseders hatten ein klares Ziel vor Augen: «Wir wollen komfortabel wohnen, ohne dabei die Umwelt und uns selbst unnötig zu belasten», sagt das Ehepaar. Entscheidend war zuerst die Lage: Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie möglichst kurze Wege standen dabei ebenso auf der Kriterienliste wie Einkaufsmöglichkeiten und Schulen vor Ort.

In Amden braucht man kein Auto



Amden erwies sich als optimal: Der Bus fährt von frühmorgens bis spät in die Nacht nach Ziegelbrücke, wo Anschluss an die SBB-Schnellzüge besteht. Im Dorf gibt es mehrere Lebensmittelgeschäfte, Schulen bis zur Oberstufe, ein Hallenbad – und die Berge erheben sich gleich vor der Haustür. Ein Auto braucht die Familie deshalb nur selten: «Ich fahre mit Bus und Zug zur Arbeit, und meine Frau sowie die Kinder finden in Amden alles, was sie brauchen», sagt Simon Rakeseder.

Entscheidend beim Hausbau ist eine sorgfältige Wahl des Standorts aber nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch für die Gesundheit der Bewohner. Vor dem Kauf untersuchte ein Baubiologe das von Rakeseders favorisierte Grundstück auf erdmagnetische Felder, Wasseradern und Elektrosmogbelastung durch Mobilfunkantennen. Resultat: Der Experte fand zwei Störzonen sowie eine rund zwei Kilometer entfernte Antenne. Simon Rakeseder achtete bei der Planung deshalb darauf, die Schlafzimmer so zu positionieren, dass der Einfluss der Störzonen und der Antenne minimiert werden konnte.

Elektrosmog entsteht unter anderem auch dann, wenn Kabel ringförmig verlegt werden und so ein elektromagnetisches Feld aufbauen – bei sensibel reagierenden Menschen kann das unter anderem zu Schlafstörungen führen. Im Haus der Rakeseders sind deshalb alle Leitungen möglichst weit von den Schlafzimmern entfernt verlegt und sternförmig angeordnet. Zusätzlich schalten so genannte Netzfreischalter in jedem Zimmer den Strom aus, sobald das letzte elektrische Gerät abgeschaltet wird.

Verursacher von negativen Einflüssen sind aber nicht nur elektrische Leitungen, sondern auch Bodenheizungen: Durch die Strömungsbewegung des Wassers in den Leitungen entstehen nämlich Reibungsenergien. Das Ehepaar Rakeseder liess deshalb keinen Unterlagsboden aus Zement einbauen, sondern einen aus Kalk, der diese Energie abschirmt. «Messungen haben gezeigt, dass es funktioniert», sagt Simon Rakeseder.

Baumaterialien können die Gesundheit der Hausbewohner ebenfalls stark beeinträchtigen. Auch heute noch werden ganz legal Tausende von teilweise giftigen Stoffen verarbeitet, die dann nach und nach in die Raumluft gelangen. Dazu zählt beispielsweise Formaldehyd, das in Spanplatten enthalten ist: Der Stoff kann Augen und Schleimhäute reizen sowie Kopfschmerzen verursachen (siehe Nebenartikel «Unser täglich Gift: Stoffe, die Ihre Gesundheit gefährden»).

Für Decken und Wände wählte die Familie Rakeseder zum grossen Teil massives, unbehandeltes, einheimisches Holz, das in einem nahe gelegenen Betrieb verarbeitet wurde. So ist zum einen der Anteil an «grauer Energie» klein, der durch Transport und Verarbeitung entsteht; und zum anderen kann das Holz bei einem späteren Abbruch bedenkenlos entsorgt werden. Massives Holz verwendeten die Rakeseders auch für Böden, Treppen, Türen und neue Möbel. Die hier üblicherweise eingesetzten Kunststoffe enthalten oftmals heikle Chemikalien.

Ein weiteres wichtiges Anliegen für die Familie war der Energieverbrauch ihres Hauses. Eine bis zu 25 Zentimeter dicke Isolation, eine Belüftungsanlage mit Wärmetauscher und Erdregister, ein begrüntes Dach sowie ein grosser Windfang als Pufferzone sorgen dafür, dass die Wärme im Winter im Haus und im Sommer draussen bleibt. Die Messungen während der ersten zwei Betriebsjahre zeigten deutlich, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat: Das Gebäude braucht viermal weniger Energie als ein nach den aktuell gültigen Vorschriften realisierter Neubau. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, die die Wärme aus einer 130 Meter tief in den Boden hinunterreichenden Sonde bezieht.

Die Räume sind leicht umzunutzen



Geschickt geplant ist auch die Grundrissaufteilung des Hauses. Alle Zimmer ausser dem Wohn- und Essbereich sind gleich gross und können deshalb verschieden genutzt werden. So ist der ursprünglich als Büro gedachte Raum heute ein Spielzimmer für die Kinder.

Passen wird das Haus aber auch noch, wenn Simon und Sandra Rakeseder einmal älter sind: Die heute als Waschküche und Bastelraum genutzten Räume im Erdgeschoss können später ohne grossen Aufwand zu einer Alterswohnung für die Eltern umgebaut und die oberen Geschosse vermietet oder durch die dann erwachsenen Kinder genutzt werden. Die nutzungsneutralen Zimmer und die Möglichkeit, gegebenenfalls eine zweite Wohnung einzubauen, sorgen dafür, dass sich der Aufwand bei allfälligen Umbauten in Grenzen halten wird.

Ganz günstig war die umwelt- und gesundheitsschonende Bauweise nicht: Auf rund 15 Prozent schätzt Architekt und Bauherr Simon Rakeseder die Mehrkosten gegenüber einem Gebäude ohne nachhaltige Investitionen.

Trotzdem geht die Rechnung am Schluss auf: «Es kommt immer darauf an, welche Prioritäten man setzt und mit welchem Zeithorizont man rechnet», sagt Rakeseder. Zum einen hat die Familie auf teure Innenausbauten wie ein Gästebad oder trendige Verbundmaterialien verzichtet und ihr Geld lieber in die Umwelt und die eigene Gesundheit investiert. Zum anderen macht sich der geringe Energieverbrauch bei den Betriebskosten bezahlt – insbesondere jetzt, da die Nachbarn für die Füllung eines Öltanks tief in die Tasche greifen müssen.

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Quelle: Nik Hunger

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Buchtipps

  • Hansruedi Preisig, Werner Dubach, Ueli Kasser, Karl Viridén: «Öko-logische Baukompetenz – Handbuch für die kostenbewusste Bauherrschaft»; Werd-Verlag, 1999, Fr. 44.90
  • Reto Coutalides, Roland Ganz, Walter Sträuli: «Innenraumklima»; Werd-Verlag, 2002, Fr. 49.90
  • Beatrix Mühlethaler, Stefan Haas: «Natürlich wohnen und bauen. Ratgeber für ökologisches Einkaufen und Renovieren». Alles über gesundheitsverträgliche Baumaterialien und wie sie verwendet werden. 1. Auflage, 2004, 144 Seiten, 24 Franken (für Beobachter-Abonnenten 21 Franken). Erhältlich beim Beobachter-Buchverlag, Telefon 043 444 53 07, Fax 043 444 53 09