Rene Meier aus Basel ist seit Jahren regelmässiger Leser der deutschen Zeitschrift «ComputerBILD» – besser gesagt, er war Leser dieser Zeitschrift. Vor kurzem ist Meier nämlich der Kragen geplatzt: «Es ist eine Frechheit, dass wir Schweizer derart zur Kasse gebeten werden! Ich bin nicht mehr bereit, für ein deutsches Heft in Basel einen Franken mehr zu bezahlen als ennet der Grenze.»

Der Verlag «ComputerBILD» hat neu den Einzelpreis in der Schweiz um 60 Rappen auf Fr. 3.30 erhöht. Das ist rund ein Franken mehr, als das Heft bei «normaler» Umrechnung (100 Deutsche Mark entsprechen etwa 80 Schweizer Franken) kosten würde. In unserem nördlichen Nachbarland ist die Zeitschrift für nur 2.70 DM zu haben. Der Verkaufspreis in der Schweiz ist aber so hoch, als ob das Heft vier Deutsche Mark kosten würde.

Eine Stichprobe des Beobachters bei rund 30 Zeitschriften und Zeitungen hat ergeben, dass alle importierten Presseerzeugnisse zum Teil massiv teurer sind als im Herkunftsland.

Peter Hartmeier, Geschäftsleiter des Verbands Schweizer Presse, erklärt dies vor allem mit den minimen Auflagen, die im Ausland abgesetzt werden können, und mit den hohen Transportkosten.

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Zudem sei der Auslandsverkauf meistens ein Verlustgeschäft. Ein anderes Argument der ausländischen Verleger für die höheren Preise sei, so Hartmeier weiter, dass die zusätzliche Auslandsauflage nicht durch die Werbung des Herkunftslands finanziert werden könne.

Zum einen interessiert es in der Schweiz niemanden, dass Mööh ein neues Joghurt ist oder dass die Bank XY einen neuen Aktienfonds auf den Markt gebracht hat. Zum anderen kann von den Firmen, die in einem Land gezielte Werbung für internationale Güter wie Autos, Kaffee oder Uhren machen, kein höherer Preis verlangt werden, nur weil im Ausland 10000 Leser zusätzlich ihr Inserat anschauen.

Christian Schöttler, Verlagskoordinator bei «ComputerBILD», begründet die Preiserhöhung vorab mit den teuren Transportkosten – «die Zeitschrift wird per Laster in die Schweiz gekarrt» – und mit den hohen Margen der Kiosk AG. In Deutschland lägen die Margen für die Distribution unter 20 Prozent. In der Schweiz sind es happige 45 Prozent.

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Eduard Perret, Leiter Presse und Logistik der Kiosk AG, mag bei den Preisen für ausländische Printerzeugnisse keinen Missstand entdecken, schliesslich handle es sich bei den Zuschlägen um die normale handelsübliche Marge von 30 bis 50 Prozent. Zudem könne die Kiosk AG nichts gegen die ausländische Preispolitik unternehmen, da die Preise von den Verlagen festgelegt würden.

Hohe Margen der Kiosk AG
Also ein Fall für den Preisüberwacher? «Nein», sagt Rudolf Lanz, Informationsbeauftragter des Preisüberwachers in Bern, «wir sind mit diesem Anliegen vor einiger Zeit an die Europäische Union herangetreten.» Die EU teilte dem Schweizer Wettbewerbshüter aber mit, es handle sich hier um ein gesamteuropäisches Phänomen. Sie sieht allerdings keinen Handlungsbedarf, solange nur individuelle Verlagspolitik hinter den hohen Preisen steckt. So kann der Preisüberwacher nichts tun: «Es ist schwierig, den ausländischen Verlagen ein Kartell nachzuweisen, somit sind uns die Hände gebunden», führt Lanz aus.
Ärgerlich sind die hohe Preise für die Schweizer Konsumenten trotzdem. Christian Schöttler von «ComputerBILD» bedauert dies ausserordentlich: «Wir nehmen die Anliegen aller Leser ernst, aber im Ausland haben wir bis jetzt immer Verlust gemacht. Mit dieser Preiserhöhung hoffen wir, wenigstens auf eine ausgeglichenere Rechnung zu kommen.»

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Peter Meier zieht seine Konsequenzen: «Ich kaufe "ComputerBILD" nicht mehr. Schliesslich gibt es auch in der Schweiz gute Computerpublikationen.»

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