«In der ersten Klasse wollte mich der Lehrer zum Rechtshänder erziehen. Ich bekam Trotzanfälle, hatte keine Freunde und wurde in die Sonderschule versetzt.

Meine Eltern waren überfordert und brachten mich in Kinderheimen unter. 1961 in Lütisburg SG, 1967 in Albisbrunn ZH. Wenn ich zu Hause war, schlug mich der Vater. Wir Kinder zitterten im Bett, wenn er betrunken heimkam. Oft rannte ich in ­Panik davon und blieb bis zu drei Tage weg.

Die IV-Regionalstelle Luzern bezeichnete mich als ‹sowohl intellektuell wie auch ­charakterlich nicht für eine Lehre geeignet›. Mit 16 arbeitete ich als Hilfsmonteur, später als Tankstellengehilfe und Kranführer. Den Zahltag musste ich zu Hause abliefern. ­Vater und Mutter gingen einmal im Monat mit mir aus. Dann gabs einen doppelten Wurstsalat und ein Päckchen Brunette.

Diese Monotonie löschte mir ab. Ich trank und stürzte jeweils so heftig ab, dass ich die Stelle verlor. 1971, als ich 18 war, wollte mich der Vater mit Gewalt vom Bett an den Esstisch schleppen. Da drückte ich ihn gegen die Wand und schrie ihn an: ‹Du vergreifst dich nie mehr an mir, sonst bringe ich dich um.› Ein Arzt spritzte mich ruhig.

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So kam ich 1973 in die Psychiatrische Klinik Oberwil ZG. Man diagnostizierte epileptische Anfälle, die durch Alkohol ausgelöst würden. Eine Fehldiagnose. Das Gutachten stempelt mich ab, spricht von ‹frühkindlicher Hirnschädigung› und ‹Milieuschaden mit affektiver Verwahrlosung›.

Auf Anraten der Klinik liess ich mich Ende 1973 bevormunden, als ich 20 wurde. Ein Fehler. Der Vormund steckte mich sofort wegen ‹liederlichen Lebenswandels› für ‹unbestimmte Zeit, 1–3 Jahre› in die Arbeits­erziehungsanstalt Kalchrain TG. Das sei ein grosser Landwirtschaftsbetrieb, hatte er mir erzählt. Dabei war es ein Gefängnis für jugendliche Kriminelle.

Es herrschte eine brutale Hackordnung. Dort lernte ich, wie man Autos knackt und Ähnliches. Nach einem Fluchtversuch kam ich drei Tage in die Arrestzelle. 1,3 auf zwei Meter. Kaum Licht. Ich lief Tag und Nacht hin und her. Danach war ich komplett von der Rolle. Ein Onkel holte mich im Juni 1976 aus der Anstalt und wurde mein Vormund.»

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