So schnell wird Karsten Vogt nicht mehr in der Schweizer Gastrobranche arbeiten wollen. Der frischgebackene Volkswirt aus Deutschland suchte nach Abschluss seines Studiums nach einer Übergangslösung und ­heuerte im Panorama-Restaurant Maschgenkamm in den Flumserbergen an.

«Von Anfang an herrschte da oben ein rauer Ton. Der Chef beschimpfte mich als Trottel und Idioten», sagt Vogt. Der 31-jährige Deutsche aus Spaichingen war als Allrounder beschäftigt. Das bedeutete: Schnee schippen auf der Terrasse, Mithilfe in der Küche, einspringen, wo Not am Mann ist. Mittags wurde im ­Restaurant gegessen. Vogt: «Ein Schweinefrass. Es gab verkochte Nudeln mit Tomatensauce oder dreimal hintereinander Chili, immer mit anderen Zutaten. Das nervte. Aber weil ich dachte, es sei gratis, schwieg ich.» Als der Chef ihn vor den Gästen lautstark zur Rede stellt, ist für Vogt das Mass voll. Er kündigt – allerdings nur mündlich.

Das dicke Ende kam nach der Lohnzahlung, die er erst nach Anmahnung erhielt. Für fünf Wochen harte Arbeit zahlte ihm der «Maschgenkamm»-Wirt Lars Zischg Fr. 558.95 aus. Macht pro Woche rund 110 Franken. Neben den üblichen Sozialabzügen zog ihm Zischg Geld ab für Kost und Logis, für Arbeitskleidung und verrechnete zudem eine Konventionalstrafe von rund 820 Franken. «Ich habe von Karsten Vogt gar keine Kündigung erhalten», recht­fertigt sich Zischg. Ein Zeuge aber bestätigt Vogts Darstellung, wonach er Zischg gegenüber seine Kündigungsabsicht ausgesprochen habe. Der massgebliche Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV) sagt klipp und klar: «Eine Kündigung ist grundsätzlich in jeder Form gültig (auch mündlich).» Ebenso widerrechtlich ist gemäss L-GAV der Abzug für die Arbeitskleidung. Diese ist vom Arbeitgeber zu bezahlen. Zischg: «Vogt hat mir die Kleidung nicht zurück­gegeben.» – «Stimmt nicht», sagt Vogt. Er habe sie sogar noch gereinigt.

Bei der Gewerkschaft Syna ist man nicht erstaunt über Karsten Vogts Erfahrungen. «Seit das Wirte­patent abgeschafft wurde, stellen wir immer häufiger fest, dass Wirte den Management­aufgaben beim Führen eines Restaurants nicht gewachsen sind», sagt ein Syna-Sprecher.