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ModelberufEin Traum auf dünnen Beinen

Der Modelberuf verspricht Glamour und Abenteuer – vielen drohen aber Stress, Ausbeutung und Magerwahn. Schweizer Models berichten ­von ihren Erfahrungen.

von und

Julia Saner sieht aus, als käme sie von einem Strandspaziergang. Fast ungeschminkt und in weiter Bluse und Sommerhose sitzt sie in der Lobby des Berner Hotels Schweizerhof; die Sonnenbrille im Haar hält ein paar widerspenstige Lockensträhnen aus ihrem Gesicht. Die 19-Jährige lebt ein Leben, von dem Tausende junger Mädchen träumen. Letzten Herbst lief sie erstmals an der ­Mailänder «Fashion Week» für Gucci, ein paar Wochen später in Paris für Chanel, und im vergangenen Februar war sie zum ersten Mal in der amerikanischen «Vogue» – als Teil einer Fotostrecke mit den 35 Top-Fashion-Models der Welt.

Innert weniger Monate wurde aus der Berner Gymelerin «Tschuls» das interna­tional gefragte Topmodel Julia Saner. «Das Ganze ist schon unglaublich», sagt Saner und blickt auf das Wasserglas vor sich. ­Unglaublich aufregend und fast ebenso anstrengend. Ein Anruf, und am nächsten Tag gehts auf ans andere Ende der Welt. «Ich habe völlig aufgehört zu planen.»

Der Modelberuf ist ein hartes Geschäft; die körperlichen Anforderungen sind ex­trem. Saner spürt dieser Tage selbst ihre Grenzen. Reisen, Jetlag, lange Shootings – und all dies mit einem Körper, der über keine Reserven verfügen darf: «Man kann eigentlich nie zu dünn sein», sagt Saner. Nachdem sie neun Monate durchgearbeitet habe, brauche sie jetzt eine Pause. ­Saner ist eine der wenigen jungen Frauen, die die Voraussetzungen haben, um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein. Die meisten machen ganz andere Erfahrungen.

Obenherum noch knapper geworden

«Die werde ich nicht nehmen», sagt Ursula Knecht, Chefin der Zürcher Modelagentur Option, und nickt freundlich Richtung Tür, durch die gerade ein hochgewachsenes Mädchen die Agentur betritt. Ein Blick von Knecht, und die Modelkarriere der 17-Jährigen ist vorüber, noch bevor das Casting begonnen hat. Trotzdem wird die junge Frau zum Umziehen ins WC ­geschickt. Aus Höflichkeit.

Knecht ist seit 24 Jahren im Geschäft, hat erfolgreiche Schweizer Models wie ­Nadine Strittmatter und Patricia Schmid entdeckt. Ihr schnelles Urteil ist vernichtend: zu massiger Kopf, zu kurze Beine, schlechte Haut. Keine Chance. «Die hier sind dagegen perfekt», sagt Knecht und legt ein paar Polaroids auf den Tisch.

Die Mädchen auf den Bildern haben feingliedrige Körper, lange Hände und schlanke Fesseln. Keinerlei Kurven, kaum Busen. Mädchen eben, keine Frauen. Die Körper sind nicht schön, sondern aussergewöhnlich – aussergewöhnlich lang und dünn. Von den einstigen Traummassen 90-60-90 für Brust, Taille und Hüfte sind nur noch 80-60-90 übrig geblieben. Die Haute Couture ist obenherum noch knapper geworden. Geblieben ist die Grösse: gern 1,80 Meter oder mehr. Der vielbeklagte Magerwahn? Knecht schüttelt den Kopf: «Es gibt viele Gerüchte. Ich habe in all den Jahren noch nie ein magersüchtiges Model auf dem Laufsteg gesehen.»

Die Modebranche scheint diesbezüglich ihre eigenen Massstäbe zu haben. 2006 starben zwei südamerikanische Models an Unterernährung: Die Uruguayerin Luisel Ramos brach bei einer Modenschau tot ­zusammen, die Brasilianerin Ana Carolina Reston starb im Spital an Organversagen. Mit 1,74 Metern und 40 Kilogramm war ihr Körper zu ausgemergelt und schwach, um sich gegen eine einfache ­Infektion wehren zu können. Stardesigner Wolfgang Joop ­erklärte darauf in einem Interview: «Wir ­leben nun einmal in einer Konsumgesellschaft, wo der Konsum regiert. Da muss man manchmal Opfer bringen.»

Trotzdem gab es Bestrebungen, gegen Mager­exzesse anzugehen, auch innerhalb der Modebranche. Nach den Todesfällen waren an der Mailänder «Fashion Week» Mädchen mit einem Body-Mass-Index von weniger als 18 nicht zugelassen. Ana Carolina Reston hätte bei 1,74 Metern rund 15 Kilogramm zunehmen müssen. Das wären 37 Prozent ihres Körpergewichts gewesen.

Warum international weiterhin dünne Models gefragt sind, kann Option-Chefin Knecht nicht sagen. «Das wird eben verlangt. Die Modedesigner wollten einfach wenig Busen und nicht mehr als 90 Zentimeter Hüfte.» Und die Agenturen liefern entsprechende Models.

800 bis 1000 Franken im Monat

Das Problem liege im Erfolg des Ausser­gewöhnlichen, sagt Uta Maria Matschiner, Lektorin für Modegeschichte und Modetheorie an der Kunstuniversität Linz. «Wenn ein angesagter Modedesigner ­hagere, riesengrosse Mädchen über den Laufsteg schickt, die mit seiner aktuellen ­Kollektion umwerfend aussehen, dann werden ihm andere folgen, um an den ­Erfolg anzuknüpfen.» So würden immer mehr dürre, grosse und maskuline Mädchen gebucht.

Matschiner lässt wenig Hoffnung, dass sich an dieser Vorliebe schnell was ändert: «Trends, die Rundungen anstelle von Kanten und Knochen betonen, setzen sich derzeit einfach nicht durch. Das erinnert an die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als ­Ärzte, Künstler und Frauenrechtlerinnen das Korsett aus der Mode verbannen wollten, aber Jahrzehnte dazu benötigten.»

Wie rigide die Standards der Modebranche angewandt werden, erlebt auch Jus-Studentin Emmylou, die in hohen Peeptoes, Röhrenjeans und Hüftgurt zum Casting bei der Zürcher Modelagentur ­Visage erscheint. «Mit 23 Jahren und ­einem Hüftumfang von 94 Zentimetern hast du null Chancen auf eine internationale Karriere. Sollte dich nicht Karl Lagerfeld höchstpersönlich entdecken, wird das nichts mehr», sagt ihr Visage-Chefin Zi­neta Blank ins Gesicht und zerstört damit die Modelträume der jungen Frau. Blank hält nichts von unnötiger Ausschmückung. «Ehrlich und direkt» ist ihr Motto. Das er­spare nicht nur der Agentur, sondern auch den Mädchen viel Zeit.

Ein neues Model muss den gewissen Look haben. Vor allem kantige Typen sind gefragt, die auffallen und anecken. «Die Newcomerinnen sollten schön und edgy zugleich sein», sagt Blank, die früher selbst als Model arbeitete, bevor sie vor 15 Jahren ihre eigene Agentur gründete. Bei neun von zehn Mädchen falle es ihr schwer, nachzuvollziehen, warum sie sich auch nur die geringste Chance im Modelbusiness ausrechneten. Von jährlich rund 800 Bewerberinnen nimmt Visage kaum mehr als zehn auf; höchstens zwei davon werden international erfolgreich.

Die ersten Jahre seien finanziell kaum lukrativer als ein Praktikumsjob. 800, vielleicht 1000 Franken monatlich bleiben den Einsteigerinnen. Zwischendurch arbeiten die Neuen auch gratis. Dass trotzdem ­immer mehr Mädchen von einer Karriere als Model träumen, schreibt Blank unter anderem Castingshows wie Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel» zu. «Jede glaubt, für sie gäbe es auch noch einen Platz in dieser Branche», sagt Blank. «Nicht jede hat dafür die Qualifikationen. Ich bewerbe mich ja auch nicht als Bankdirektorin und bin dann auch noch enttäuscht, wenn ich nicht genommen werde.»

Dennoch versuchen einige alles, um als Model arbeiten zu können. Ariana* war 14 Jahre alt, als sie von einer renommierten Agentur entdeckt wurde. «Ich war noch ein Kind, als mich die Agenturchefin bei ­einem Wettbewerb für eine Shampoo-Werbekampagne ansprach. Sie war begeistert von mir, sagte, sie sehe mich auf den Laufstegen von Paris und New York», erzählt Ariana. Tatsächlich wurde das Nachwuchsmodel mehr und mehr gebucht – doch mit den Aufträgen stiegen auch die Ansprüche.

«Sie sagten immer wieder, ich sei zu dick»

Regelmässig musste sie sich in der Agentur zeigen. «Sie fanden immer einen neuen Vorwand, mich alle paar Wochen in die Agentur zu locken. Dabei wollten sie nur überprüfen, ob ich zugenommen hatte», sagt Ariana. «Immer wieder wurde mir gesagt, ich sei zu dick, ich solle abnehmen – das, obwohl ich bei einer Grösse von 1,78 Metern gerade einmal 56 Kilo wog», erinnert sie sich. Sie begann, immer mehr Sport zu treiben und immer weniger zu ­essen. Innert weniger Monate hatte sich die unterdessen 16-Jährige von schlank auf mager heruntergehungert. Dass sie eine falsche Richtung eingeschlagen hatte, wollte sie sich indes nicht eingestehen. Stattdessen schaute sie auf die Mädchen, die ein Glas Orangensaft und eine Möhre pro Tag zu sich nahmen, und redete sich ein, im Gegensatz zu denen doch eigentlich ganz gesund zu leben. «Ich war bereits extrem dünn, als mir eine Mitarbeiterin der Agentur sagte, dass meine Hüfte einfach nicht schmaler würde. Fettabsaugen wäre in diesem Fall wohl die einzige Lösung. Ich war schockiert», berichtet Ariana. Heute, vier Jahre später und mit acht Kilo mehr, ist die 23-Jährige froh, dass sie aus dem Business ausgestiegen ist.

Zerplatzter Traum vom grossen Geld

Viele Mädchen bezahlen für ihren Traum vom Modeln nicht nur körperlich, sondern auch finanziell einen hohen Preis. Vor der «definitiven Aufnahme muss der Betrag von 600 Franken cash bezahlt werden», heisst es in einer «Auflistung der Abzüge», die die Zürcher Time Model Agency der Studentin Leonie* zusammen mit ihrem Vertrag zugestellt hat. Darin enthalten sind die Kosten für Internetauftritt, Fotobücher und Bearbeitung der Sedcards (Bewerbungsunterlagen der Models).

Als Sicherheit für eventuelle Aufwendungen musste Leonie zudem ein Depot von 200 Franken hinterlegen, das Testshooting kostete weitere 500 Franken, die direkt an den Fotografen zu bezahlen ­waren. Nach ein paar Monaten wurde ihr auch noch ein Catwalk-Kurs für 750 Franken verordnet: «Obligatorisch war dieser zwar nicht, telefonisch hat man mir jedoch eindringlich erklärt, dass eine Weiter­vermittlung ohne diesen Kurs äusserst schwierig sei», erinnert sich Leonie.

Tina Maiwald, die stellvertretende Geschäftsleiterin der Time Model Agency, bestreitet, dass ihre Models gedrängt worden seien, solche Kurse zu besuchen. Und die 600 Franken Gebühren vorgängig einzuziehen sei zwar geplant gewesen, aber nie umgesetzt worden.

Gebühren von mehreren hundert Franken sind für den Einstieg ins Model­geschäft allerdings nichts Aussergewöhn­liches, wie ein Vergleich des Beobachters zeigt. So etwa werden für die Herstellung des Werbematerials bei den meisten Agenturen die effektiven Kosten in Rechnung gestellt, und zwar unabhängig davon, ob das Model Aufträge erhält oder nicht. Bei Leonie läpperten sich innerhalb von einem Jahr rund 350 Franken für Laserkopien und Sedcards zusammen. Zusatzleistungen wie Instruktionen, Erstellung von Port­folios, Arbeitsbewilligungen für Auslands­einsätze, Pressearbeit, aber auch simple Änderungen der Kontoangaben können in der Gesamtabrechnung ein dickes Minus verursachen.

Wer nicht genügend Geld für diese ­Gebühren hat, dem schiessen die meisten Agenturen Geld vor. Die Schulden werden mit dem Honorar verrechnet. Wer nur wenige Aufträge erhält, dem kann allerdings das Gleiche passieren wie Studentin Leonie, der nach Abzug ihrer Schulden, einer Vermittlungsprovision von zwölf Prozent sowie Sozialversicherungsbeiträgen mit­unter nicht mehr als ein paar Franken für ­einen Arbeitstag blieben. «Zu Beginn dachte ich, dass das halt so läuft, dass ich dann schon irgendwann mehr reinkäme. Mittlerweile glaube ich, dass manche Agenturen schlicht mit den Hoffnungen junger Mädchen spielen», sagt sie. Als das Geschäft auch nach drei Jahren nur schleppend voranging und ihr für fünf Shootings nicht mehr als 500 Franken Nettohonorar jährlich blieben, entschied sich Leonie, die Agentur zu wechseln. Doch auch der Vermittlungsvertrag einer anderen Agentur liess nichts Gutes erahnen. Sie unterschrieb nicht und versucht sich seither ­selber zu vermarkten.

Agenturen wälzen Risiko auf Models ab

Bianca Bauer hat noch nie einen Agenturvertrag unterschrieben. Die Aargauerin hat vor drei Jahren das Schweizer Äquivalent zur TV-Show «Germany’s Next Topmodel» gewonnen und wurde auf dem Sender 3+ zum «Supermodel 2008» gekürt. Gebracht hat ihr diese Show nichts, wie sie heute sagt. Im Gegenteil: «Ich musste mich zeitweise sogar mehr beweisen als andere Newcomerinnen.» Mittlerweile könnte sie problemlos nur noch von ihren Model­einkünften leben, will es aber nicht. Zu intransparent, zu unsicher sei die Branche, um sich vollständig auf sie zu verlassen. So erführen die Models bei kaum einer Agentur, wie viel der Kunde wirklich für sie bezahlt. «Ich vermute, dass gewisse Agenturen zwischen 50 und 70 Prozent Provision kassieren», so Bauer. In der Branche ist es zudem üblich, dass die Models das Risiko verspäteter oder ausbleibender Zahlungen selbst tragen. «Auf die meisten Honorarzahlungen wartete ich drei, vier Monate, manchmal auch länger», erzählt das Model. Die Begründung sei stets dieselbe gewesen: Der Kunde hat noch nicht bezahlt.

Inhalt der Verträge teils «haarsträubend»

«Die Agenturen verdienen gut an mir. Ich sehe nicht ein, weshalb ich mir alles gefallen lassen muss», sagt die 22-Jährige selbstbewusst. Heute arbeitet sie vorwiegend für eine Berner Modelagentur: «Die zahlen meistens schnell.» Nicht viele Mädchen wagen es, sich gegen die Agentur zu wehren – sind sie zu aufmüpfig, könnte es sonst schnell heissen: Die Nächste, bitte.

Gabriela Baumgartner, Juristin im Beobachter-Beratungszentrum, hat die Verträge der Agenturen Visage, Option, Time Model Agency, Fotogen, Inset und Scout überprüft. «Der Inhalt dieser Verträge ist teils haarsträubend», sagt Baumgartner. ­Alle genannten Agenturen würden das ­Inkassorisiko auf ihre Models abwälzen. Wenn der Kunde also zu spät oder nicht bezahlt, muss das Model auf sein Honorar warten oder sogar verzichten. «Das mag rechtlich zulässig sein, ist aber dennoch stossend», so Baumgartner. Die Verträge enthalten Regelungen, wonach das Model weder Geld von der Agentur fordern noch den Kunden selber betreiben darf. Es kann noch nicht einmal die Agentur zu einer Betreibung zwingen. Entscheidet sich diese jedoch selber für rechtliche Schritte, gehen die Kosten dafür voll zu Lasten des Models. «Es ist ungeheuerlich, dass die Agentur entscheiden kann, ob die Models ihre ­Honorare selber einfordern dürfen oder leer ausgehen», empört sich die Juristin.

Auch schleppende Honorarauszahlungen werden bei fast allen Agenturen bereits im Vertrag angekündigt. Zwei Agenturen warnen in einer Klammerbemerkung, dass mit Wartezeiten von bis zu 90 Tagen zu rechnen sei. Ebenfalls zwei Agenturen überlassen die Sozialversicherung dem Model. «Das ist jedoch nur bei Selbständig­erwerbenden zulässig», so Baumgartner. Berufliche Selbständigkeit kann man gemäss AHV-Richtlinien jedoch erst nach dem 17. Lebensjahr beantragen. ­Viele Models werden allerdings schon als Minderjährige unter Vertrag genommen. Als selbständig anerkannt werden zudem nur jene, die drei bis fünf verschiedene Auftraggeber vorweisen können. Viele Verträge ver­unmöglichen diese Bedingung allerdings mit einer Konkurrenzverbotsklausel. Diese ist aber gemäss Arbeitsvermittlungsgesetz nicht zulässig, wie Ueli Greub, Ressortleiter Vermittlung und Verleih beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), bestätigt.

Ansturm auf Modelagenturen hält an

«Die Verträge sind auch in weiteren Punkten sehr nachteilig für die Models», sagt Baumgartner. Bei drei Agenturen treten die Models das Recht am eigenen Bild oder sämtliche Urheberrechte gegen eine pauschale Entschädigung ab. Bei einer anderen Agentur stellt das Model mit Unterzeichnung des Vertrags eine Blankovollmacht aus. Das heisst, die Agentur kann im Namen und auf Rechnung des Models tun und lassen, was sie will. Eine weitere Agentur verbietet dem Model zudem eigene ­Absprachen mit dem Kunden, was rechtlich unzulässig ist. Trotz diesen widrigen ­Bedingungen herrscht im Modelbusiness kein Mangel an willigen Arbeitskräften. Die Verheissungen von Laufsteg und Mode­magazinen sowie der anhaltende Hype um TV-Castingshows sorgen für einen stetigen Strom junger Mädchen, die in die Agenturen drängen. Diese betonen, die Verträge hätten sich in dieser Form bewährt und die Models seien damit einverstanden.

Berufsverband will Anfängerinnen briefen

In England haben sich einige Agenturen zusammengeschlossen und einen Verhaltenskodex sowie Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen herausgegeben, auf die sich Models berufen können. Darin ist zum Beispiel festgehalten, dass Agenturen den Models Kopien der Kundenverträge zustellen müssen, wie viele Mahlzeiten zu garantieren und wie Anreise, Abreise und Überzeit zu verrechnen sind.

Leider hält sich aber kaum eine Agentur vollumfänglich an diesen Kodex. Umso wichtiger wäre eine funktionierende Organisation, die die Anliegen der Models ­gegenüber ihren Arbeitgebern vertritt. Verschiedene Anstrengungen in diese Richtung, die in den letzten Jahren in Angriff genommen wurden, verpufften. Ein ak­tueller Versuch – der Modelberufsverband Barfuss – steht ganz am Anfang. Das Projekt wurde von Nicole Jarchow ins Leben gerufen. «Das Wichtigste ist, Transparenz zu schaffen und Aufklärungsarbeit zu leisten», sagt die 40-Jährige, die früher selbst modelte und während zehn Jahren auch eine eigene Agentur führte.

Jarchow hat Grosses vor. Dereinst soll der Berufsverband Workshops anbieten, in denen Mitgliedern das Know-how für den Karrierestart vermittelt wird: «Die Agenturen können nur profitieren, wenn Models, die bei ihnen anklopfen, bereits mit ge­wissen Kenntnissen ausgestattet sind», ist ­Jarchow überzeugt. Allerdings verteuert die vorgesehene Gebühr von 350 Franken für eine zertifizierte Mitgliedschaft im ­Berufsverband den Karriereeinstieg zusätzlich – ohne Erfolgsgarantie. Und ob die Branche tatsächlich auf zertifizierte Anfängerinnen wartet, die auf ihre Rechte pochen und sich über die gängigen Gagen im Klaren sind, darf bezweifelt werden.

* Name geändert

So kommst du ins Geschäft

Bevor du dich bei einer Agentur bewirbst, ist es ratsam, dass du versuchst, dir die ­folgenden Fragen ehrlich zu beantworten:

  1. Bist du schön?

  2. Bist du interessant?

  3. Wirst du auf ein Merkmal immer wieder angesprochen?

  4. Bist du von Natur aus schlank?

  5. Hast du lange Beine, ausgewogene ­Proportionen, schöne Haut und ­gepflegtes Haar?

  6. Bist du ausdauernd?

  7. Kannst du ein paar Wochen ohne Freund, Familie und Freunde sein?


Bewirb dich nur, wenn du wirklich jede dieser Fragen mit Ja beantworten kannst. Du ersparst dir damit viele Enttäuschungen.

Das musst du wissen

Agenturen
Eine seriöse Agentur ist das A und O. Professionelle Agenturen verdienen ihr Geld durch Kommissionen, die sie für die Bookings ihrer Models erhalten. Ein gutes Model ist also viel Geld wert – wenn du hast, was es braucht, werden sich die Agenturen von sich aus um dich bemühen. Der beste Weg ist also, dich gleich bei einer grossen Agentur zu bewerben. Und wenn du nicht genommen wirst: Lass es sein. Es gibt viele windige Agenturen, die dich zwar aufnehmen, aber keine Jobs für dich finden werden. Sie verdienen ihr Geld hauptsächlich, indem sie den eigenen Models das Geld aus der Tasche ziehen – mit über­teuerten Gebühren für die Website, für selbst durch­geführte Modelkurse, Portfolios oder nur schon für die Aufnahme in die Agentur­kartei. Wenn eine Agentur an dich glaubt, wird sie das nötige Geld vorschiessen.

Portfolio
Du brauchst kein aufwendiges Portfolio ­eines teuren Fotografen, um dich bei einer Agentur zu bewerben. Zwei Bilder – ein ­Foto des Gesichts und eine Ganzkörper­aufnahme – genügen. Wenn die Agentur an dir ­interessiert ist, wird sie dir helfen, dein Portfolio zusammenzustellen, und dir dafür einen guten Fotografen organisieren.

Scouts
Sei vorsichtig, wenn du von jemandem ­angesprochen wirst, der vorgibt, Scout ­einer Modelagentur zu sein. Verlange seine Visitenkarte und kläre ab, ob die ­Person tatsächlich dort arbeitet. Wenn du dich entscheidest, zu einem Termin zu gehen, nimm auf jeden Fall eine ­erwachsene ­Begleitperson mit.

Quellen: Association of Model Agents (ama), Zi­neta Blank (Visage)

Veröffentlicht am 18. Juli 2011