Raimund Boll wollte seiner Frau eine Freude machen. Ans Militärmusikfestival Basel Tattoo sollte es gehen. «Wir haben es schon in anderen Jahren versucht, aber immer war es ausverkauft.» Deshalb bestellte er bei alltickets.ch zwei Billette für je CHF 165.40. Als er sie erhielt, stockte ihm der Atem: Der aufgedruckte Originalpreis betrug nur 70 Franken – er bezahlte also mehr als das Doppelte. «Wir beziehen unsere Tickets von verschiedener Seite und bezahlen höhere Preise im Einkauf. Unsere Kunden bezahlen dementsprechend auch mehr», sagt Alltickets-Inhaber Thomas Flückiger.

Dieses Geschäftsgebaren ist in der Schweiz nicht illegal, genauso wenig wie jenes der Schwarzhändler vor den Konzerthallen. «Wir empfehlen, keine Tickets über solche Anbieter zu kaufen», meint Andrea Schäfer von Basel Tattoo. Diese Empfehlung nützt wenig, wenn alle Karten weg sind. Von Massnahmen wie generell personalisierten Tickets will Basel Tattoo nichts wissen. «Was, wenn Sie eines als Geschenk für jemand anderen kaufen wollen?»

Aber die Branche will das Problem eindämmen, wie Ticketcorner-Mediensprecherin Marlies Keck erklärt: «In Absprache mit den Veranstaltern werden die Ticketbezugslimiten reduziert.» Wer keine böse Überraschung erleben will, muss beim offiziellen Anbieter Karten kaufen. Oder aufs nächste Konzert seines Lieblingskünstlers warten.

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