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Arosa Humorfestival«Ich hatte Schiss vor Frank Baumann»

Das Humorfestival in Arosa hat Tourismusdirektor Pascal Jenny quasi geerbt. Einfach war das nicht. Doch mittlerweile sind seine liebsten Momente im Jahr dabei.

«Ich bin rastlos, es muss ständig was gehen. Und ja, die Ideen sind verrückt.» – Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa.
von aktualisiert am 11. Oktober 2018

Pascal Jenny blickt auf die Hektik unter seinen Füssen. Züge fahren ein, Passantenströme ziehen durch die Halle. Es ist Mittag in einer Bar mit Blick auf den Hauptbahnhof Zürich. Und Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa, ist in seinem Element – die Berge, die Abgeschiedenheit eine Autobahn und 360 Kurven entfernt. Alltag. Fast zweimal pro Woche pendelt der 43-Jährige von Arosa in die Welt. Und ist froh darum. «Ich brauche das. Die Stadt. Das Gefühl vom Leben hier. Sonst wäre ich nur halb so glücklich in meinem Job.»

Seit zehn Jahren ist der gebürtige Aargauer Tourismusdirektor in Arosa. Ein Ex-Spitzenhandballer, touristischer Quereinsteiger. Jetzt sitzt er da, weisses Hemd, Businessmeetings den ganzen Tag. Er weibelt für das Arosa Humorfestival Leserangebot Mit dem Beobachter ans Arosa Humorfestival . Für seinen Lieblingsmoment im Jahr: Wenn er im Dezember wieder hinter der Bühne des Festivalzelts steht und im Publikum jenen Zuschauer entdeckt, der lacht, bis er weint.

An Arosa erinnert in Zürich das gestickte Logo an Jennys Hemdkragen. Sonst nichts. Es gibt jene, die sagen, dass er zu viel Zeit im Unterland, zu wenig Zeit an den heimischen Stammtischen verbringe. Doch Arosa und Jenny sind mehr als ein Geschäft. Mehr als Standortförderung und Marketing.

Heiratsantrag am Bach

Im Bach hinter dem Aroser Ferienhaus seiner Familie bauten er und seine Geschwister früher Staudämme und setzten Fische aus. Am gleichen Bach machte er seiner Frau den Heiratsantrag. Das Haus am Bach hat sein Ururgrossvater gebaut, August Jenny, der erste Kurdirektor von Arosa. Als Pascal Jenny das Jobangebot erhielt, wusste er nicht von seinem Ururgrossvater. Damals wohnte er mit seiner Frau in Wil SG, leitete das Schweizer Sportfernsehen in Zürich. «Irgendetwas hatte mich schon immer nach Arosa gezogen. Als mir dann mein Grossvater die Geschichte von meinem Vorfahren erzählte, konnte ich gar nicht mehr Nein sagen.»

Das war 2008. Jenny ist inzwischen dreifacher Vater, Arosa längst Heimat. Seine Kinder sind hier auf die Welt gekommen, gehen hier in die Schule. «Auch ich habe einen schönen Teil meiner Kindheit hier verbracht. Aber immer nur als Gast. Jetzt sind die Arosa-Erinnerungen anderer Gäste in meiner Verantwortung. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie viel Arbeit dahintersteckt.»

Plötzlich ohne Hauptsponsor

Ungefähr zwei Monate pro Jahr arbeiten der Tourismusdirektor und sein Team für das Humorfestival. Es lockt Leute aus der ganzen Schweiz nach Arosa, in der Vorsaison, elf Tage lang. Es ist einer der grössten Bündner Kulturanlässe und ist Jenny quasi in den Schoss gefallen. Doch ein leichtes Erbe ist es nicht: Vor zwei Jahren verlor das Festival seinen Hauptsponsor, und Pascal Jenny sucht seitdem nach Ersatz. «Das macht mir schon Bauchweh.» Nach einer Absage der Kulturförderung Graubünden hilft jetzt die Gemeinde aus.

«Ich habe das Humorfestival zwar als Pflichtaufgabe geerbt, doch es ist längst zu meinem Ding geworden. Mit Frank Baumann, dem künstlerischen Leiter Humorfestival Arosa «Des Schweizers Humor ist eher überschaubar» , über das Programm zu diskutieren, die Verhandlungen mit den Künstlern, das ist eigentlich der schönste Teil des Jobs.» Auch der Werber und Moderator Frank Baumann ist ein Erbe des Vorgängers. Und Pascal Jenny war erst nicht sonderlich froh darüber. «Ich ging mit einem unguten Gefühl ins erste Gespräch. Baumann, das war für mich der Typ, der im Fernsehen Leute fertigmacht. Ich hatte Schiss.»

Die Angst war unbegründet. Zusammen haben die beiden dem Festival eine Erneuerungskur verpasst: Sie verlagerten die Abendvorstellung vom Dorfkern ins Festivalzelt auf dem Tschuggen, 1991 Meter über Meer. Als die Veränderungen bekannt wurden, schrieb Festivalgründer Florenz Schaffner in einem offenen Brief, er befürchte, dass Baumann und Jenny zu den Totengräbern des Anlasses werden. Doch das Arosa Humorfestival blieb und bleibt ein Gästemagnet 25% Rabatt Mit dem Beobachter günstiger ans Arosa Humorfestival und sorgt im Dezember jeweils für 15'000 zusätzliche Logiernächte.

Es steckt viel von Pascal Jenny in Arosa. Als Tourismusdirektor lancierte er Anlässe wie die Schneefussball-WM, den Swiss Management Run und die bekannte Kampagne mit «Heidi und Gigi», die Verbindung der beiden Skigebiete Arosa und Lenzerheide. In der Szene gilt Arosa als innovativ, Pascal Jenny als einer der profiliertesten und umtriebigsten seiner Branche. Vor drei Jahren wählte ihn die Zeitschrift «Bilanz» zu den einflussreichsten Touristikern der Schweiz, gerade eben ist für die Wahl zum Aargauer des Jahres nominiert worden.
 

«Ich verfolge keine Idee, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass mein Team sie auch zu Boden bringen kann.»

Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa


«Als Kind musste ich meinen Grosseltern helfen, die Kühe einzutreiben. Ich konnte die sturen Tiere keinen Meter bewegen. Und als Handball-Profi habe ich sieben Mal den Titel verpasst. Sieben Mal. Ein Ex-Sportler, der nie etwas gewonnen hat. Jetzt bin ich, hoffe ich, endlich im richtigen Beruf angekommen.» Jennys Grinsen kommt schnell. Er lässt sich die Freude weder von Sitzungen noch von Skeptikern dämpfen.

«Ich höre oft: Oh, hast du wieder eine deiner Ideen gehabt? Ich bin rastlos, es muss ständig etwas gehen. Und ja, die Ideen sind verrückt. Aber ich verfolge keine Idee, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass mein Team sie auch zu Boden bringen kann.»

Wie das Arosa Bärenland: ein Tierschutzzentrum, gut drei Hektaren gross, direkt unter der Bergbahn-Mittelstation Weisshorn. Die neue Heimat für gerettete Zirkusbären wurde diesen August eröffnet. Ein neues Aushängeschild, das Tierschutz und Tourismus verbindet.

Mit der Eröffnung seines Herzensprojekts ist für Pascal Jenny ein Kapitel zu Ende gegangen. Für immer, das war nie das Ziel. «Es wäre der richtige Moment weiterzuziehen. Aber ich bin Familienvater. Meine Kinder sind hier zu Hause.» Warum aufhören, wenn alles stimmt?

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Anina Frischknecht, Redaktorin

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