Für einen schönen Schweizer Berg gehört es sich einfach, von einem Dichter besungen zu werden. Den meisten war dieses Glück im 19. Jahrhundert beschieden, als Dichterfürsten wie Goethe oder Reiseschriftsteller wie Twain die Alpen als romantischen Gegenentwurf zur Industrialisierung feierten. Naturgemäss beschränkten sich die Besten auf das Beste; die Anfänger mussten sich mit dem begnügen, was am Wegrand unerwähnt blieb.

So geschah es mit dem Pizzo Colombe, der sich nur in einem längst vergessenen Reisebuch von 1865 beschrieben findet. In «Across Country from Thonon to Trent» beschreibt Douglas W. Freshfield, Präsident der britischen «Royal Geographical So­ciety», den Taubenspitz als «phantastische Linie von wettergegerbten Bergzacken».

Der mit weissen Dolomittürmchen bespickte Colombe ist der vielleicht imposanteste Aufschluss von Sedimentgestein im Gotthardmassiv. Die Türmchen sind das Ergebnis der Wassererosion: Die weicheren Schichten wurden ausgeschwemmt, übriggeblieben sind felsige Bruchstücke, die ungeschützt Wind und Regen trotzen.

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Von der Alpe Casaccia führt eine Rundwanderung hinauf zum Passo delle Colombe, wo man mit einem Blick auf den Gotthard und die Berner Hochalpen belohnt wird. Nach einem Abstecher in den obersten Teil des Val Piora führt der Weg über den Passo del Sole zurück zur Lukmanierstrasse. Wer Glück hat, kann Murmeltiere, Schneehühner und Gämsen beobachten.

Und wer Zeit hat, kann in den folgenden Tagen noch den einen oder anderen der sechs naturkundlichen Wanderwege unter die Füsse nehmen, die Blenio Turismo am Lukmanier eingerichtet und bestens ausgeschildert hat.

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Quelle: Christian Goupi/AGE/Prisma
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Route: Start auf der Alpe Casaccia (1818 m), hinauf zum Passo delle Colombe (2381 m), über die Alpe Carorescio zum Passo del Sole (2376 m) und die Alpen Lareccio und Ai Pini zurück nach Casaccia. Gut 4 Stunden.

Anfahrt: Von Disentis GR oder Olivone TI auf der Lukmanierstrecke zur Alpe Casaccia. Postauto hält am Ausgangspunkt der ­Wanderung. Grosser Parkplatz vorhanden.