Der Name ist ein typisch schweize­risches Understatement: «Stägli» klingt harmlos, doch der Aufstieg ist happig. 1149 Stufen geht es auf dem «Tuusigerstägli» hoch durch den Wald. Gradlinig und schnörkellos. 244 Meter Höhendifferenz auf einem halben Kilometer – das ist zwar nicht grad senkrecht, aber es fühlt sich so an. Unten brettert der Verkehr über die A1, oben zwitschern die Vögel, und dazwischen hört man sein eigenes Keuchen. Die ersten Hüllen fallen, noch bevor hundert Stufen überwunden sind. Wer den Kreislauf in Schwung bringen und erschlaffte Muskeln auf die Wandersaison vorbereiten will, ist hier goldrichtig.

Freiwillige sorgen für Applaus

Dabei war die Treppe nie als Spazierweg und schon gar nicht als Trainingsroute geplant. Als sie 1896 gebaut wurde, lag neben ihr die Druckleitung des Speicherkraftwerks Rupoldingen. Die Treppe gewährte den Zugang. Irgendwann wurde das Kraftwerk nicht mehr benötigt, die Leitung abgebaut. Dass aus der Stiege ein «Stägli» wurde, ist dem Aarburger Herbert Scheidegger, genannt «Born-Hörbi», zu verdanken. Der Arzt hatte ihm frische Luft und Bewegung verordnet – und so kam «Born-Hörbi» 1986 auf die Idee mit dem «Tuusigerstägli». In mehr als einem Jahr Arbeit schlugen er und seine Helfer die Tritte in den Berg – die alte Stiege war längst verlottert.

Heute sorgt eine Gruppe von Senioren dafür, dass das «Stägli» sicher und hübsch bleibt. Jeden Montag steigen sie hoch, kontrollieren die Stufen, wechseln morsche Balken aus, füllen Kies auf. Alle hundert Tritte zeigen Täfelchen an, wo man steht, und zuoberst gibts sogar verbalen Applaus: «Bravo!», lobt das letzte Schild.

Wer nach dem halbstündigen Aufstieg noch ein wenig Alpenpanorama braucht, geht oben links Richtung Hägendorf. Nach wenigen Minuten erreicht man einen Aussichtspunkt mit Panoramatafel. Und danach heisst es schlicht: «Stägeli ab!»

Stägli
Quelle: Stephan Rappo

Anreise

Mit dem Zug oder Auto bis Aarburg-Oftringen, dann der Hauptstrasse entlang Richtung Boningen, nach etwa zehn Minuten rechts den Feldweg einschlagen, kurz darauf steht man am Fuss des «Tuusigerstägli».

 

Ausserdem

Teufelsschlucht bei Hägendorf, vom Ende des «Stägli» in zirka einer Stunde erreichbar. Die Schlucht hochwandern auf den Allerheiligenberg (rund 1,5 Stunden), dort Einkehr in der gleichnamigen Berg­wirtschaft (offen Donnerstag bis Sonntag) und mit dem Bus zurück nach Hägendorf.