Das Mass war irgendwann voll. «Der Missbrauch, der mit leeren Bierflaschen getrieben wird, ist nachgerade so gross geworden, dass auf Abhülfe Bedacht genommen werden musste.» So verklickerte das zuständige Amt im Jahr 1903 der «verehrlichen Kundschaft», dass fortan im Kanton Zürich ein Flaschenpfand erhoben würde. Wie gut, dass die Behörden die undisziplinierten Biertrinker rechtzeitig zu einem sorgfältigeren Umgang mit den Gefässen anhielt, sonst würden dem schweizweit einzigartigen Bierflaschenmuseum in St. Gallen wohl einige geschichtsträchtige Trouvaillen fehlen.

Die Schautafel mit dem amtlichen ­Schreiben von anno dazumal ist eines der wenigen Lesestücke in der Sammlung der Brauerei Schützengarten. Ansonsten ist im Bierflaschenmuseum drin, was draufsteht: Flaschen. Über 3000 an der Zahl, von 260 Herstellern stammend, die es zum grossen Teil nicht mehr gibt. So auch die Brauerei Schönenwegen, aus der das älteste Exem­plar des Museums stammt: eine Tonflasche aus dem Jahr 1860. Später kamen mund­geblasene Glasflaschen auf, eigentliche Kunstwerke mit eingeätztem Schriftzug. Ab etwa 1900 setzten sich die gegossenen Flaschen mit dem charakteristischen Bügelverschluss durch, der dann in der brautechnischen Neuzeit ein erstaunliches Comeback hinlegen sollte.

Was, hier wurde mal gebraut?

Die Exponate in den Vitrinen sind geografisch angeordnet. Das beschert den Besuchern manches Aha-Erlebnis: Welche Einwohner von Buochs wissen schon, dass bei ihnen einmal Bier gebraut wurde, nämlich zwischen 1856 und 1916 in der Brauerei zur Krone? Oder die Birreria Piotta (bis 1916)? Die Brauerei Oerlikon (bis 1905)? Nie gehört! Die Schliessungsdaten dieser drei Beispiele kommen nicht von ungefähr: Zählte man gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz noch rund 600 Hersteller, setzte nach der Jahrhundertwende schlagartig ein Brauereisterben ein. Bis nach dem Ersten Weltkrieg sank der Bierkonsum denn auch um satte 75 Prozent.

Fazit einer Stippvisite im St. Galler Flaschenmuseum: Mit einfachsten Mitteln wird viel Geschichte verabreicht – und dazu jede Menge Lokalkolorit, das sich hinterher am Beizentisch wunderbar wieder aufschäumen lässt.

Quelle: Daniel Ammann
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Standort: Brauerei Schützengarten, St.-Jakob-Strasse 37, St. Gallen (beim Getränkemarkt)

Anreise: Ab Bahnhof St. Gallen mit der Bus­linie 3 (Richtung Heiligkreuz) bis Haltestelle Schützengarten; zu Fuss ein zehnminütiger Spaziergang durch die Altstadt

Öffnungszeiten/Eintritt: Montag bis Freitag 8 bis 12.15 Uhr, 13.30 bis 18.30 Uhr, Samstag 8 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei