In Meiringen unten weicht die Spätsommersonne den Asphalt auf, aber oben im Chaltenbrunnenmoor, bloss zwei Kilometer Luftlinie von Meiringen entfernt, hat der Herbst schon Einzug gehalten. Das Riedgras legt einen rostroten-ockergelben Teppich, in den kleinen Tümpeln spiegelt sich der Himmel, die Bergföhren am Rand des Moorgebiets sorgen für ein bisschen Grün. Genau über dem Farbenzauber des Chaltenbrunnenmoors dräut eine graue Gewitterwolke, während das restliche Haslital unter tiefblauem Himmel liegt.

Die spätsommerliche Farbenpracht ist die richtige Saison für einen Besuch im höchstgelegenen Moor Europas auf über 1800 Metern über Meer. Weil es fernab von Siedlungen und Strassen liegt, lohnte sich der Torfabbau nie – deshalb blieb es bis heute weitgehend unberührt. Und weil es ziemlich unzugänglich ist, bleibt es vor grossen Touristenströmen verschont.

Wer das 20 Hektaren grosse Naturschutzgebiet erkunden will, muss einen Aufstieg von mindestens 600 Höhenmetern auf sich nehmen – das ist die vergleichsweise bequeme Variante. Viel schöner, aber auch deutlich schweisstreibender ist der Aufstieg von Meiringen aus: Reist man mit dem Zug über den Brünigpass an, sieht man vor sich eine mehrere hundert Meter hohe senkrechte Felswand. Hier hinauf – wie soll das gehen? Ganz gefahrlos, über ein nicht mehr befahrenes, in den Stein gehauenes Strässchen und fortan auf einem steilen Pfad über mehrere Alpweiden, bis man in der Ferne den Lungernsee sieht, hinter dem Brünigpass. Gleich nach der Wandelalp beginnt das Moorgebiet auf ­einer Hangterrasse. Neben der einmaligen Naturlandschaft belohnt die unverbaubare Aussicht für den strapaziösen Aufstieg.

Quelle: Haslital Tourismus
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Leichtere Variante: Ab Bahnhof Meiringen mit der Postautolinie Richtung Schwarzwaldalp (Alpin-Zuschlag, nur bis 26. Oktober) bis zur Haltestelle Kaltenbrunnen (beim gleichnamigen Bergrestaurant), ab dort der beschilderten Wanderroute via Under- 1 und Oberstafel 2 zum Moor 3 folgen. Gleicher Weg retour. Gut 600 Höhenmeter hinauf und hinunter, mindestens zwei Stunden Marschzeit.

Schwerere Variante: Ab der Postautohaltestelle Willigen Dorf (mehrere Linien ab Bahnhof Meiringen) den Wanderwegweisern folgen: Falcheren 4 – Isetwald 5 – Im Obersten Wandel 6 – Chaltenbrunnenmoor 3 – Oberstafel 2 – Zwirgi 7 – Willigen. Rund 1200 Höhenmeter hinauf und hinunter, mindestens fünf Stunden Marschzeit.