Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Obwohl es drei Jahrhunderte her ist, seit Bergstürze das Derborence-Tal umgestalteten, sieht man die Spuren deutlich: die Abrissstellen, von denen sich in den Jahren 1714 und 1749 rund 50 Millionen Kubikmeter Gestein lösten, aber auch der Schuttkegel im Tal. Les Diablerets – die Teufelshörner –, so tauften die wenigen überlebenden Talbewohner die Bergkette.

Es entstand ein See, es wuchs ein Urwald

Nur dank dieser Katastrophe entstand der Bergsee, der nun idyllisch daliegt und an dessen Ufern im Juni 40 wilde Orchideenarten blühen. Auf dem kargen Schwemmsandboden des Geröllfelds nördlich davon wachsen zaghaft erste Föhren – ein archaischer Urwald, wie es ihn nirgendwo sonst in den Alpen gibt, natürlich längst unter Naturschutz; auf 152 Quadratkilometern ist auch die Jagd verboten.

Als Wanderer kommt man ab Solalex in rund zwei Stunden auf einem stetig, aber nicht übermässig steilen Anstieg via Anzeinde zum Pas de Cheville. Der beste Aussichtspunkt ins Bergsturzgebiet findet sich unmittelbar vor dem steilen Abstieg Richtung Derborence.

Wers gern mystisch mag, holt Charles Ferdinand Ramuz aus dem Rucksack. Der wohl bekannteste Autor der Romandie hat 1935 in «Bergsturz auf Derborence» die Leidensgeschichte der Talbewohner eindringlich nacherzählt, Francis Reusser hat sie 50 Jahre später spektakulär verfilmt. Und wer seinerzeit in Geologie einen Fensterplatz hatte, geniesst einfach, dass er hier eine Nachhilfestunde erhält – gratis und franko zu einer fantastischen Aussicht auf eine wilde Bergwelt.

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Wer auch den Bergsee sehen will, hängt eine weitere Wanderstunde an.

Quelle: Max Schmid/swiss-image.ch

Anreise: Mit den SBB via Lausanne nach Bex und mit der TPC-Schmalspurbahn Richtung Villars-sur-Ollon. Dort (oder je nach Verbindung schon in Barboleuse) umsteigen auf den Bus nach Solalex. Mit dem Auto über die A1/A12 und A9 bis St-Triphon, dann via Ollon und Gryon nach Solalex.

Rückreise: Ab Solalex wie bei der Anreise (zwei Verbindungen am Nachmittag). Oder ab Derborence mit Postauto nach Sion (nur eine Verbindung am Nachmittag, Alpin­zuschlag, reservierungspflichtig), mit den SBB via Visp–Lötschberg oder Lausanne.

Essen: in Solalex, Anzeinde und Derborence.