In einem Punkt sind sich die Betroffenen einig: Oliver Rüttimann ist ein guter Trainer, er kommt an bei den fussballversessenen Kindern. Dies bestätigen die Eindrücke, die der Beobachter letzten Herbst bei einem Besuch des privaten Förderangebots diefussballschule.ch hatte, dessen Gründer und Leiter der 40-Jährige ist (siehe Artikel zum Thema «Fussballschulen: Niemand soll im Abseits stehen»). Ebenso einig ist man sich jedoch bei der Einschätzung, die Madeleine Brun nachschiebt: «Aber als Geschäftsmann ist er absolut unseriös.»

Die Familienfrau aus Wetzikon ZH gehört zu einer Reihe von Geschädigten, denen Oliver Rüttimann Geld schuldet. In ihrem Fall geht es um 1400 Franken, die sie im Oktober überwiesen hatte, damit zwei ihrer Kinder ein Trainingscamp in Nürnberg besuchen konnten. Kurz vor Beginn wurde das Lager abgeblasen, ohne Ersatzprogramm. Ihr Geld haben Bruns bis heute nicht mehr gesehen, trotz wiederholtem Nachfassen und einer Strafanzeige wegen Betrugs: Rüttimann tauchte ab, und im Januar wurde die Liquidation seiner Orbiscom AG bekannt, unter deren Lizenz diefussballschule.ch lief.

Neben weiteren geprellten Eltern steht Rüttimann auch bei Lieferanten in der Kreide, die das Kinderfussballprojekt teils zu Vorzugskonditionen unterstützten. Übers Ohr gehauen fühlt sich etwa Ex-Natispieler Giuseppe Mazzarelli, der heute im Sportartikelhandel tätig ist. Er stattete Rüttimann mit Material im Wert von 12'000 Franken aus - 2000 Franken wurden ihm zurückbezahlt, den Rest hat er zähneknirschend abgeschrieben.
Leere Versprechen?

Wer so viele gelbe Karten erhalten hat, verlässt das Spielfeld - müsste man meinen. Irrtum: Übers Internet wirbt diefussballschule.ch unverdrossen für die ab April startenden Camps 2008 in «Zürich-West», wie es in den Unterlagen vage heisst. Wer sich anmeldet, bekommt flugs eine Rechnung, zahlbar innert fünf Tagen.

Business as usual also? Alle Ausstände würden demnächst beglichen, versichert Marco Vollmeier, Geschäftspartner des nicht erreichbaren Oliver Rüttimann, «und das Programm findet wie vorgesehen statt». Wo genau, mochte er nicht sagen - was kaum erstaunt: Das Sportamt der Stadt Zürich hat für diefussballschule.ch alle ihre Anlagen gesperrt. Bei Madeleine Brun läuten da aus eigener Erfahrung die Alarmglocken: «Vorgängig würde ich das niemals bezahlen», rät sie interessierten Eltern. Daran ändert auch nichts, dass Rüttimann nach wie vor mit dem Seriosität vorgaukelnden Logo der Fifa auftritt: «My game is fair play.»

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