Sie können einem leidtun, die Touristen in ihren Autos, die nur 600 Meter von hier entfernt über den Beton der Autobahn in Richtung Chiasso oder Lugano brausen. Denn sie wissen nicht, was sie verpassen. Der Geopark Gole della Breggia ist völlig zu Unrecht eher unbekannt, weshalb er oft links liegengelassen wird. Dabei hat dieser Geopark auf kleinstem Raum einiges zu bieten.

Hauptattraktionen sind die geologischen Sehenswürdigkeiten und der Reichtum an Fossi­lien – kein Wunder, liegt der Park doch gleich um die Ecke des Unesco-Weltnaturerbes Monte San Giorgio, einer der weltweit grössten Fundstätten für Fossilien aus der Triaszeit. In der Breggia-Schlucht sind die ­einen Fossilien allerdings mi­kroskopisch klein und die anderen, grösseren gut versteckt. Was man auf dem rund sechs Kilometer langen Rundgang durch die Schlucht stattdessen sehen und erleben kann, ist mindestens so eindrücklich: Man erhält Einblick in 100 Millionen Jahre Erdgeschichte.

Als es die Alpen noch nicht gab

Die Breggia hat hier, im untersten Teil des Valle di Muggio, ein Fenster zur Urzeit in die Landschaft erodiert. Die freigelegten Gesteinsschichten, die aus dem dunkelgrünen Wasser der Breggia emporragen, erzählen von der Zeit lange vor der Alpen­bildung, als sich hier noch ein Meer befand.

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Wir besichtigen die Spuren von urzeitlichen Steinlawinen, Vulkanausbrüchen oder Klimaveränderungen, die sich ganz ohne Zutun des Menschen ereignet haben, denn diesen gab es damals noch gar nicht. Neben den geologischen Sehenswürdigkeiten trumpft in der Breggia-Schlucht aber auch die ­wild­romantische Natur auf, mit reicher Tier- und Pflanzenwelt, kleinen Wasserfällen, natürlichen Pools und wild schäumenden Stromschnellen.

Ausserdem passiert man auf dem Weg alte Mühlen, in denen im 19. Jahrhundert noch Kakaobohnen, Gerste und Kalkstein gemahlen wurden. Und auch die Chiesa Rossa ist einen Abstecher wert. Dort forderte an Weihnachten 1390 eine Familien­fehde über 100 Tote.

Eine bizarr anmutende Besonderheit ist das alte, nur zum Teil abgebrochene Zementwerk im Geopark. Von 1960 bis 2003 wurde hier Kalkstein für die ­Zementproduktion abgebaut. Und wer weiss, vielleicht verwendete man den hiesigen ­Zement auch für den Bau der nahen Autobahn. Dort, wo so viele unwissende Touristen auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten einfach am Geopark vorbeirauschen.

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Rundgang im Geopark:
Von der Mulino del ­Ghitello in ­Balerna aus dauert der Sechs-Kilometer-Rundgang drei Stunden.

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Die Stadt der Burgen erkunden

Das Unesco-Weltkulturerbe von Bellinzona besichtigt man am besten zu Fuss. Von der obersten Burg – Sasso Corbaro – hat man einen guten Überblick über die ganzen Anlagen und die Altstadt. Danach geht es talwärts an der Chiesa di San Sebastiano vorbei zum Castello di Montebello samt zugehörigem Museum und ­weiter zur Piazza del Sole. Von dort bringt einen der Lift hoch zum Castelgrande. Ein Spaziergang über die Befestigungsmauer in Richtung Fluss Tessin und ein Rundgang durch die Altstadt ­runden die Besichtigung des Weltkulturerbes ab. (Bild: Christof Sonderegger/swiss-image.ch)

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Den Nachthimmel bestaunen

Wer einen Besuch des Benediktinerinnenklosters St. Johann in Müstair, das seit 1983 Weltkulturerbe ist, mit einem Einblick in die Sternenwelt verbinden möchte, der sollte das Alpine Astrovillage Lü-Stailas besuchen. Die Sternwarte profitiert von ihrer europaweit vorzüglichen Lage ohne Luft- und Lichtverschmutzung. Sie bietet Kurse für Einzelpersonen und Gruppen an, etwa einen drei Nächte dauernden ­Beobachtungskurs für Anfänger. Hier lernt man, sich am Nachthimmel zu orientieren, eine Sternkarte zu ­benutzen oder die ­Protuberanzen auf der Sonne zu beobachten. (Bild: Alpine Astrovillage)

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Quelle: Beobachter Edition