Rechts ragt der Fels empor, links gehts fast senkrecht ein paar hundert Meter hinunter in die Morge-Schlucht: Wie ein übergrosser Dachkännel schlängelt sich der Weg immer weiter ins Seitental ­hinein, das Richtung Sanetschpass führt.

Was heute ein spektakulärer Wanderweg ist, war ab 1430 eine sogenannte ­Suone: ein an den Felsen befestigtes Kanälchen, das die Reben und Äcker des staubtrockenen Rhonetals bewässerte. Bis 1934 war die Torrent-Neuf-Suone in Betrieb; danach verfiel sie allmählich. Nach einer aufwendigen Instandsetzung führt sie jetzt als Wanderweg zu den Überresten der Bisse, wie die Suone auf Französisch heisst.

Mit Geländern, Seilen, Ketten, Schutzdächern, Fangnetzen und einem kleinen Tunnel ist der Suonenweg gut gesichert und selbst mit leichtem Schuhwerk einfach zu begehen. Einzig schwindelfrei muss man sein: Vier luftige Hängeseilbrücken schwingen sich kühn an von Steinschlägen verschütteten Passagen vorbei. Puristen bedauern, dass die Torrent-Neuf-Suone gänzlich ungefährdet begangen werden kann. In der Tat mindert der perfekte Schutz das Abenteuer-Feeling – dafür können jetzt auch ungeübte Berggänger hautnah erleben, wie waghalsig die Erbauer vor bald 600 Jahren gewesen sein müssen. Ein kulturhistorisches Highlight!

Quelle: Pierrot Heritier
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Anreise

Mit dem Zug via Lötschberg oder Lausanne nach Sion, ab dort Postauto; im SBB-Online-Fahrplan als Ziel «Binii» oder «Savièse, Prafirmin Torrent-Neuf» eingeben. Mit dem Auto via Sion Richtung Savièse bis St-Germain, dann hat es Wegweiser zu den Parkplätzen nahe der Torrent-Neuf. Ab den Parkplätzen und Bushaltestellen ist der Weg markiert.

 

Wanderung

Bis zur Kapelle Ste-Marguerite normale Suonenwanderung durch den Wald (rund 45 Minuten), anschliessend entlang der steilen Felswand (offen seit dem 1. Mai bis 1. November, eine Stunde pro Richtung) und wieder zurück. Mehr Infos unter www.torrent-neuf.ch, weitere Suonenwanderungen unter www.suone.ch und www.suonenmuseum.ch/... (Inventar der Suonen).

 

Einkehren

An Sommerwochenenden sowie bei schönem Wetter auch wochentags einfache Gaststätte bei der Kapelle sowie am Wegende bei Brac.

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Rückreise

Von den erwähnten beiden Haltestellen fahren nur sehr wenige Busse, darum auf dem Rückweg besser den Wanderweg von der Kapelle hinunter nach Chandolin-près-Savièse nehmen (300 Höhenmeter, 45 Minuten), ab der Haltestelle Sommet Verbindungen zurück nach Sion (wochentags stündlich, am Wochenende mit Lücken).