Unbezwingbar! Wer von Sent im Unterengadin her ins Uina-Tal schaut, gewinnt unweigerlich diesen Eindruck: unmöglich, ohne Kletterausrüstung diese 800 Meter hohe, fast senkrechte Felswand zu überwinden. Jahrhundertelang war die Uina-Schlucht tatsächlich unbezwingbar, eine Sackgasse, das dahinter­liegende Hochtal nur vom italienischen Südtirol her erreichbar. Dann wurde im Jahr 1910 für 32 500 Franken ein Weg in den Kalkfels gesprengt. Was als Zugang zur Sesvennahütte und zu den Weiden der Alp Sursass hinter der Schlucht gedacht war, wurde alsbald vor allem von Schmugglern genutzt.

Velofahrer kommen nur zur Hälfte mit

Heute dient der abenteuerliche Fussweg fast ausschliesslich den Natur- und Sportfreunden. Bis kurz vor der Schlucht ist der Weg durchs Uina-Tal eine äusserst beliebte Mountainbike-Route, meist sind deutlich mehr Zweiräder als Zweibeiner unterwegs. Immer enger wird das Tal, der Bach tost lauter, die Alpvegetation wird allmählich karger. Der Weg schlängelt sich immer kühner dem Hang entlang, und plötzlich geht es einfach nur noch aufwärts: Der gut einen Meter breite Weg ist zumeist als felsüberdachte Galerie in den Fels gehauen, führt aber auch durch zwei kurze, unbeleuchtete Tunnel – eine Taschenlampe hilft, die Orientierung nicht zu verlieren. Nervenkitzel pur, auch wenn der Weg über weite Strecken mit Seilen und Geländern gut gesichert ist. Doch trittsicher und schwindelfrei sollte man sein.

Der Schluchtweg lässt sich nur zu Fuss bewältigen, weil er zu steinig ist. Wer das wildromantische Uina-Tal mit dem Bike ­erkunden will, lässt es am besten beim Hof Uina Dadaint stehen, bei dem es Erfrischungen und selbstgemachten Käse zu kaufen gibt.

Wanderer kehren am oberen Schlucht­ende entweder um (der Rückweg bietet ganz andere Ausblicke ins Tal) oder gehen über den 2309 Meter hohen Schlinigpass (Landesgrenze) weiter bis zur Sesvennahütte und von dort am nächsten Tag nach Schlinig im oberen Vinschgau.

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Uina-Schlucht
Quelle: Beobachter

Anreise

Postauto ab Bahnhof Scuol-Tarasp via Sent nach Sur En, wo es auch Parkplätze gibt. Ab dort zu Fuss (2½ bis 3 Stunden) oder mit dem Bike bis zur Schlucht bei Uina Dadaint. Der Fussweg zum Schluchtende dauert eine knappe Stunde, die Fortsetzung zur Sesvennahütte eine weitere Stunde.

 

Übernachten

In Scuol, in Sur En (auch ­Campingplatz) oder in der Sesvennahütte.

 

Verpflegung

Nach ungefähr zwei Wanderstunden, kurz vor der Schlucht, kann man sich im Hof Uina Dadaint stärken.

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