Von Linthal nach Ziegelbrücke

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Was fällt einem spontan ein beim Stichwort Glarnerland? Klar: hohe Berge. Und natürlich Schabziger, der hier seit über tausend Jahren produziert wird und gemäss einem Landsgemeindebeschluss von 1463 als erster Markenartikel der Schweiz gilt. Die Historiker unter uns mögen ausserdem an die frühe Industrialisierung des Kantons denken, die Süssen an die sündhafte Glarner Pastete.

All das ist zu haben auf der Fahrt durch die Dörfer des Zigerschlitzes. Die Route führt von Linthal, am Fuss des Klausen­passes, hinunter nach Ziegelbrücke, und das zumeist auf verkehrsarmen Neben­strassen. «Hinunter» ist dabei durchaus wörtlich gemeint: Die Glarner Bergriesen sind nur als prächtige Kulisse ein Thema – schweisstreibende Steigungen stellen sich keine in den Weg.

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Kernstück ist der Glarner Industrieweg, von dem die Tour einen guten Teil abdeckt. Der Themenweg ist eine Reverenz an die Zeit, als die Region eine der am stärksten industrialisierten Gegenden auf dem europäischen Festland war: Im 18. und 19. Jahrhundert hatte die Textilindustrie den kleinen Kanton gross gemacht. Davon übrig geblieben sind ausgedehnte Fabrikareale, herrschaftliche Villen in Parkanlagen, einstige Arbeitersiedlungen, Kanäle und Kraftwerke. Objekttafeln an etwa 50 der be­deutendsten Anlagen liefern interessante Details und machen ein prägendes Stück Schweizer Industriegeschichte fassbar.

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Route: Linthal (649 Meter über Meer)– Schwanden–Glarus–Näfels–Ziegelbrücke (420 Meter über Meer); Tourlänge: 30 Kilometer; Karte: VSC-Velokarte Blatt 12 (Glarus–Schwyz)

Charakteristik: Fast immer leicht abfallend, praktisch ausschliesslich auf Nebenstrassen, ideal auch für Familien mit Kindern

Abstecher/Sehenswürdigkeiten: Braunwald, Wandergebiet mit Klettersteigen (www.braunwald.ch; Standseilbahn ab Linthal); Freulerpalast in Näfels (www.freulerpalast.ch)

Von Basel in die Franches-Montagnes

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Basel gilt als velofreundlichste Grossstadt der Schweiz. Dank dichtem Radwegnetz und flacher Topographie bewegt man sich hier bequem auf zwei Rädern – die urbanen Zutaten wie Lärm und Verkehr bleiben natürlich trotzdem. Also ist eine Stadtflucht in südwestlicher Richtung angesagt, in eine etwas verkannte Gegend: in die Franches-Montagnes.

Die erste Etappe führt entlang der Birs. Die Stadt wird zur Agglo, zum Dorf, später zum Land, je weiter es das Laufental hinaufgeht. Alles angenehm zu fahren, und am Ende des Tages wartet mit Delémont ein ebensolcher Übernachtungsort. Am nächsten Tag sind die Gorges du Pichoux dafür besorgt, dass es nicht allzu lauschig wird: Die Klus, die das Flüsschen Sorne in den Faltenjura gesägt hat, ist ein magischer Ort mit stiebenden Wasserfällen und tausend Quellen, wie die Legende sagt. Ein Naturschauspiel, das davon ablenkt, dass hier eine beschwerliche Rampe zu bewältigen ist.

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An ihrem Ende öffnet sich das Hochplateau der Franches-Montagnes, eine naturbelassene Weiden- und Moorlandschaft. Kurz vor dem Ziel sollten «Gümmeler», denen nicht nur die Muskeln am Herzen liegen, im Ort Bellelay einen Stopp einlegen: Auf der Anlage der früheren Prämonstratenser-Abtei lässt sich in einer historischen Käserei der Tête de Moine («Mönchskopf») kennenlernen, der genau hier vor über 800 Jahren erstmals hergestellt wurde.

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Route: Tag 1: Basel SBB (277 Meter über Meer)–Arlesheim–Laufen–Liesberg–Delémont (431); Tag 2: Delémont–Le Pichoux–Bellelay (936)–Les Genevez (1093)–Tramelan (900); Tourlänge: 81 Kilometer; Karten: VSC-Velokarte Blatt 3 (Jura) und Blatt 4 (Basel–Aarau)

Charakteristik: Erste Etappe ohne grössere Schwierigkeiten, Tag zwei nach der Schlucht von Pichoux steil hinauf in die Freiberge

Abstecher/Sehenswürdigkeiten: Landschaftsgarten Arlesheim (www.arlesheim-ermitage.ch); Schlossruine und Kapelle Vorbourg (bei Delémont)

Auf und ab durchs Appenzellerland

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Das sieht man ja jeweils an der Tour de France: Ohne Zwischenverpflegung geht gar nichts beim Velofahren. Gut, eine knapp 50 Kilometer lange Rundfahrt über grüne Hügel wäre für die hochgezüchteten Profis bloss ein besseres Aufwärmen. Aber das Prinzip als solches ist zweifellos nachahmenswert: Bevor die Batterien leer sind, soll man sie wieder aufladen.

Es könnte daher sein, dass die kulinarische Tour durchs Appenzellerland einige Zeit in Anspruch nimmt. Das liegt daran, dass ein paar ruppige Aufstiege das Tempo drosseln. Und noch mehr an den fast kitschig schönen Aussichten, die sich hinter jeder Kurve verbergen und die Genussfahrer zum einen oder anderen Fotohalt zwingen. Satte Wiesen und putzige Häuser vor schroffem Gebirge – wie auf der Etikette des allgegenwärtigen Appenzeller Biers.

Womit wir wieder beim Thema und dem eigentlichen Grund für die moderate Durchschnittsgeschwindigkeit wären: Es liegen schlicht zu viele kulinarische Verlockungen am Wegrand. Die Rundtour durch die kleinen Halbkantone ist so angelegt, dass sie an den schönsten Landbeizen und Fachgeschäften mit regionalen Spezialitäten vorbeiführt. Wie sehr man auch pedalt: Vor Biberli, Mostbröckli und Chäsflade gibt es kein Entrinnen.

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Route: Appenzell (775 Meter über Meer)– Eggerstanden–Sammelplatz–Leimensteig (1005)–Haslen–Stein–Hundwil–Urnäsch–Gonten (902)–Gontenbad–Appenzell; Tourlänge: 47 Kilometer; Karte: VSC-Velokarte Blatt 7 (St. Gallen)

Charakteristik: Ein stetiges Auf und Ab über sanfte Hügel und durch schmucke Dörfer – mit verlockenden gastronomischen Haltestellen; Achtung: verkehrsreiche Strasse zwischen Stein und Hundwil

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Abstecher/Sehenswürdigkeiten: Kunsthalle Ziegelhütte/Museum Liner in Appenzell (www.museumliner.ch); Schaukäserei in Stein (www.schaukaeserei.ch); Rodelbahn und ­Seilpark Kronberg (www.kronberg.ch; ­Seilbahn ab Jakobsbad)