Richtig anfeuern

Michi demonstriert, wie einfach das ist.

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  • Moderne Öfen sind für eine schadstoffarme Verbrennung konzipiert. Das nützt aber nur dann, wenn sie richtig befeuert werden.
     

Brennmaterial

 

  • Das naturbelassene Holz sollte ein bis zwei Jahre gelagert sein und vor Gebrauch mindestens einen Tag in einem beheizten Raum aufbewahrt werden. Verboten ist das Verbrennen von ­Paletten, Kisten, Möbelholz, Zeitungen, Kartons und sonstigem Abfall.


Anfeuern

 

  • Nicht wie man es in der Pfadi lernte, ­also von unten nach oben, wird heute ein Feuer angezündet, sondern von oben nach unten. Die neue Methode senkt den Schadstoffausstoss stark.
  • Zwei bis vier grosse Scheiter mit ­etwas Abstand nebeneinanderlegen.
  • Quer dazu wieder zwei bis vier grosse (oder etwas kleinere) Scheiter.
  • Eventuell eine weitere Schicht quer.
  • Zwei kleine und dünne Scheiter ­(Tannenholz) quer darüber.
  • Dazwischen wird die Anzündhilfe ­platziert.
  • Quer darüber nochmals zwei kleine und dünne Scheiter.
  • Anzünden. Weil so die entstehenden Gase immer durch die oben befindliche Flamme strömen, brennen sie nahezu vollständig aus.


Abbrennen

 

  • Spätestens nach 15 Minuten sollte das Feuer rauchfrei brennen – denn Rauch bedeutet immer auch Feinstaub. Das Feuer sollte nie durch zu festes Schliessen der Luftzufuhr oder der Kamin­klappe gedrosselt werden. Immer nur einzelne Scheiter auf die noch starke Glut legen – damit das Holz sofort Feuer fängt. Die Kamin- und Luftklappe erst schliessen, wenn keine Glut mehr ­erkennbar ist. Auch das regelmässige ­Reinigen durch den Kaminfeger bringt tiefere Feinstaubemissionen.
     

Alt bewährt und neu im Trend: Heizen mit Holz

Quelle: Stock-Kollektion colourbox.com

Grüne Kacheln mit Blumenmuster, eine obere und untere «Chust» aus Sandstein und über dem Kachelofen der Spruch in verschnörkelter Schrift: «Wer nid cha über sich sälber lache, söll auch ka Sprüch über anderi mache», erinnert sich Alois Jäggi an seine Kindheit. Der Ofen war das Prunkstück der Stube im schaffhauserischen Beringen und im Winter Mittelpunkt des Familienlebens in den vierziger und fünfziger Jahren. «Vater sass jeweils mit der Pfeife auf dem Sofa neben dem Ofen, Mutter strickend im Korbstuhl am Fenster, die Schwester auf der warmen oberen Ofenchust und ich auf der unteren», so der heute 75-Jährige. «Dann hörten wir gemeinsam Radio, Hörspiele wie ‹Polizischt Wäckerli› oder das Wunschkonzert, und wir haben diskutiert oder gesungen: Volkslieder wie ‹Am Brunnen vor dem Tore› oder ‹Wo Berge sich erheben›.»

Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich der Kachelofen als zentrales Element in den Stuben durch. Das bedeutete eine einschneidende Verbesserung der Wohnkultur: Er heizte viel effizienter als ein offenes Feuer, es waberte kein beissender Rauch mehr durch den Raum, und mit dem Einschliessen des Feuers konnte die Brandgefahr enorm eingeschränkt werden. Seither diente der Kachelofen während Jahrhunderten als einzige Heizung im Haus.

«Nur gerade in der Küche, von wo wir einheizten, und in der Stube war es im Winter warm. An extrem kalten Tagen durften wir die Luke über dem Ofen öffnen und so das darüberliegende Schlafzimmer heizen. In den Schlafzimmern unter dem unisolierten Dach hingegen konnte es vorkommen, dass uns das Wasser in den Zinnblech-Bettflaschen über Nacht gefror», erzählt Jäggi.

Die meisten kennen sie höchstens noch aus der Kindheit, doch man trifft sie heute wieder in modernen Wohnungen an: massive Speicheröfen wie der Kachelofen. «Der Ofen als Heizung ist ganz klar ein Trend», bestätigt Hafnermeister Ernst Fischbacher aus Frauenfeld. Jährlich installiert und baut er rund 20 Speicher- und Kachelöfen, die vorwiegend als Übergangsheizung dienen (siehe «Heiss begehrt», unten), und im Durchschnitt auch zwei, die sogar die Zentralheizung ersetzen. Diese sorgen – im Gegensatz zu früher – für Wärme im ganzen Haus.

Und so funktioniert die moderne Zentralheizung per Kachelofen: Bei der ersten Variante wird im Ofen mittels eines Wärmetauschers oder eines Kollektors Wasser erhitzt, das in einen Kreislauf gespeist wird. Mit dem heissen Wasser werden Boden-, Wandheizung oder die Radiatoren erhitzt, die sich in den Räumen befinden, die die direkte Strahlungswärme des Ofens nicht erreicht. Bei der zweiten Variante erstreckt sich das System über zwei Stockwerke. Unten, im Zentrum des Hauses, befindet sich der Hauptofen, im Stock direkt darüber ein sogenannter Satellit, der vom Ofen – wie die Chust, das «Ofenbänkli» von früher – mit Wärme versorgt wird und die oberen Zimmer heizt. Auch das Warmwasser kann während der Heizperiode mit dem Ofen aufbereitet werden – während des Sommers übernehmen diese Aufgabe idealerweise Sonnenkollektoren.

Voraussetzung für ein solches Heizsystem ist eine gute Wärmedämmung des Hauses – mindestens den Minergie-Standard sollte es aufweisen. «Natürlich könnte man auch weniger gut isolierte Häuser so heizen – aber die dafür benötigte Holzmenge wäre dann umständlich gross», sagt Hafner Fischbacher. Wie viel Heizleistung ein Haus erfordert, hängt vor allem von dessen Isolation und von der Wohnfläche ab und sollte für eine Kachelofenheizung bei maximal sechs Kilowatt liegen.

«An normalen Wintertagen reichte ein einmaliges Einfeuern mit einer ‹Welle›, einem Bürdeli Holz. Dann hiess es, das Feuer im Auge zu behalten. War das ganze Holz verbrannt, schoben wir die Glut zuhinterst in den Ofen und machten die Schieber möglichst zu – aber nicht zu viel, denn die Glut sollte ja nicht ausgehen, sondern möglichst lange anhalten», sagt der 75-jährige Jäggi.

Das Prinzip der heutigen Kachelöfen entspricht zum grössten Teil noch jenem von anno dazumal, aber sie verfügen natürlich über moderne Technik. So befindet sich etwa ein Temperaturfühler im Ofen, der registriert, wann die Temperatur der Rauchgase langsam abnimmt – das Feuer also am Ausgehen ist. Dann werden per Motor die Luftklappen automatisch geschlossen. Der Wirkungsgrad heutiger Öfen ist ebenfalls um einiges besser als früher – es verpufft also weniger Wärme ungenutzt. Auch heute muss zwar noch täglich eingefeuert werden, doch der Ofen gibt dann während rund 14 Stunden Wärme ab, was dazu führt, dass in gut isolierten Häusern stets die gleiche Temperatur herrscht.

Die Stube zu heizen war nur eine Aufgabe von Jäggis Kachelofen. Unter ihm fanden die Schuhe Platz, am Haken daneben hing die feuchte Försterjacke des Vaters, auf dem Ofen standen zwei Korbflaschen, in denen die Mutter Essig angesetzt hatte, und über dem Ofen hing die frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen. Die Asche aus dem Ofen und dem Kochherd wurde jeweils direkt in einen Kübel im Boden gewischt. «Wenn ein wichtiger Familienanlass bevorstand und wir mal wieder richtig saubere Zähne haben sollten, wurde die Zahnbürste in den Aschenkübel getunkt – ansonsten benutzten wir zum Putzen nur Wasser», erinnert sich Jäggi.

Heute produzieren die Öfen nur noch sehr wenig Asche – dank der guten Verbrennung und der automatischen Steuerung. Das hat auch einen positiven Einfluss auf die Schadstoffemissionen – heizen mit Holz gilt daher als ökologisch und ist erst noch CO2-neutral: Die Verbrennung von Holz setzt gleich viel CO2 frei, wie die Bäume im Verlauf ihres Wachstums der Atmosphäre entzogen haben. Die gleiche Menge CO2 würde auch entstehen, wenn man das Holz im Wald ungenutzt verrotten liesse. Dieser Aspekt ist laut Hafner Fischbacher einer der Gründe, warum Speicheröfen im Trend sind. Ein weiterer Grund: «Die Energie für die Heizung kommt aus der eigenen Gegend, etwa aus dem Wald, in dem man spaziert, und auch das Geld dafür bleibt in der Gemeinde – nicht wie beispielsweise beim Öl.»

Weil die Installationskosten einer Kachelofen-Zentralheizung relativ hoch sind, könnte man vermuten, dass sich nur überzeugte Naturschützer dafür entscheiden. Für Speicheröfen, die mit Kalk oder Lehm verputzt oder aus Natursteinplatten gefertigt sind, muss mit einem Preis von 15'000 bis 25'000 Franken gerechnet werden. Der waschechte Kachelofen kostet 5000 bis 10'000 Franken mehr. Für alle anderen Komponenten wie Wärmetauscher oder Kollektoren, Steuerung, Hydraulik, Energiespeicher und Wärmeverteilung kommen rund 20'000 Franken dazu. Total kostet eine solche Anlage also rund 40'000 bis 50'000 Franken. Eine stolze Summe.

Wegen der längeren Lebensdauer eines Speicherofens im Vergleich mit anderen Heizsystemen können sich die Kosten trotzdem sehen lassen, wie Berechnungen der Beratungsfirma Energie & Holz aus Zürich zeigen. Günstiger als der Speicherofen ist demnach pro Kilowattstunde Energie nur gerade die Luft-Wärmepumpe. Öl- und Gasheizungen aber sind bereits leicht teurer.

«Interessanterweise stehen hinter dem Entscheid für eine solche Hausheizung trotzdem weniger finanzielle Überlegungen, sondern die entsprechende Lebensphilosophie», sagt Hafnermeister Fischbacher und kommt ins Schwärmen: «Unschlagbar ist sowieso die urtümliche und unglaublich angenehme Strahlungswärme eines solchen Ofens.»

Das hatte auch Alois Jäggi in seinen jungen Jahren zu schätzen gewusst: «Mein Lieblingsplatz im Haus war die untere Chust – in dieser Wärme habe ich mich extrem wohl gefühlt, habe ich viel gelesen oder Radiogehört, und auch wenn es mir moralisch mal nicht gutging, habe ich immer die Wärme der unteren Chust gesucht.»

 

 

Die breite Palette von Ofenmodellen

 

Ofenart geschlossenes Cheminée
Beschreibung eingebaut, mit geschlossenem Feuerraum, häufig mit Warmluftkanälen, zum Teil Beheizung eines Speicherkörpers oder von Strahlungswänden
Feuerraum aus Metall oder schamottiert, relativ gross, Scheiter 25 bis 33 Zentimeter
Wirkungsgrad rund 75 Prozent
Wärmespeicherung ohne Speichermasse gering, bei Beheizung eines Speicherkörpers mehrere Stunden
Kosten den 8000 bis 20'000 Franken – je nach System
Vorteile hoher dekorativer Wert, schnelle Raumerwärmung
   
Ofenart Cheminéeofen (Schwedenofen)
Beschreibung frei stehend, verkleidet mit Metall, Schamottsteinen, Kacheln oder Speckstein
Feuerraum gross, wird er ganz ausgenutzt, entsteht schnell grosse Hitze
Wirkungsgrad 60 bis 80 Prozent
Wärmespeicherung 0 bis 2 Stunden
Kosten 2000 bis 8000 Franken (mit Qualitätssiegel)
Vorteile hoher dekorativer Wert, preiswert, einfache Installation, schnelle Raumerwärmung
   
Ofenart

Pelletofen

Beschreibung frei stehend, automatischer Betrieb, Anschluss an Zentralheizungssystem möglich
Feuerraum klein
Wirkungsgrad rund 90 Prozent
Wärmespeicherung 0 bis 2 Stunden
Kosten 5000 bis 90'000 Franken (mit Qualitätssiegel)
Vorteile automatische Zündung, wenig Asche, geringe Emissionen, kleines Brennstofflager
   
Ofenart Speicherofen
Beschreibung fest aufgebaut, mit Kacheln, Speckstein oder Verputz verkleidet, viel Strahlungswärme, Anschluss an Zentralheizungssystem möglich
Feuerraum Anlage und Brennstoff angepasst, Scheiter 25 bis 50 Zentimeter
Wirkungsgrad 75 bis 90 Prozent
Wärmespeicherung 18 bis 36 Stunden, je nach Speichervolumne
Kosten ab 15'000 Franken, nach oben offen
Vorteile hoher dekorativer Wert, wenig Holz nachlegen, gute Wärmespeicherung, «gemütlich»

Weitere Infos

www.holzenergie.ch