Urs Tschamper hat sich sieben Jahre lang für die Volksschule engagiert. Er berichtet viel Positives über diese Zeit: vom prima Zusammenhalt im Team, von tollen Klassen- und Skilagern, den vielen guten Beziehungen zu Schülern und Eltern, aber auch von den täglichen Freuden, etwa wenn einem Kind endlich «dä Zwänzger abegheit isch».

Jetzt hat der 34-jährige Sekundarlehrer genug. Zur Angst vor einem Burnout kommt die fehlende Wertschätzung: wenig Lohnsteigerung, immer schlechtere Arbeitsbedingungen und neu die «Alibiübung» der Mitarbeiterbeurteilung durch Laien. Alles Sparübungen, die das Fass zum Überlaufen brachten. Zwar werten flexible Arbeitszeiten und die netto etwa acht Wochen Ferien im Jahr den Beruf auf, die spätabendliche oder samstägliche Korrigiererei und unzählige Sitzungen machen diese Vorteile aber wieder zunichte. Honoriert werde dieser Einsatz nicht, und auch in der Öffentlichkeit habe sich das Bild der Lehrer verschlechtert, sagt er.

Im Sommer wechselt Tschamper als Betriebsorganisator zu einer Grossbank: «Ich verdiene dort als Greenhorn im ersten Jahr bereits deutlich mehr als jetzt.» Urs Tschamper denkt, dass der Lehrermangel in den nächsten Jahren enorm zunehmen wird, und hofft, dass die Steuermänner der Bildungsdirektion dadurch zu Kurskorrekturen gezwungen werden. «Meine Loyalität gegenüber dem Kanton ist zu Ende.»

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