Haben wir es bald nur noch mit «Window dressers», «Ticket Inspectors» oder «Cloakroom Attendants» zu tun? Und nicht mehr mit Schaufensterdekorateuren, Kondukteuren oder Garderobieren? Wer die Stellenangebote durchforscht, versteht häufig nur noch Bahnhof. Immer öfter stösst man auf englische Berufsbezeichnungen und fragt sich, welche Stelle da überhaupt ausgeschrieben ist.

Eine Forschungsarbeit an der Universität Zürich hat ergeben, dass sich seit 1990 die Zahl dieser so genannten Anglizismen in Schweizer Stelleninseraten mehr als verdreifacht hat. In 26'500 ausgewerteten Inseraten wurden über 2700 verschiedene englische Bezeichnungen gefunden - der Spitzenreiter brachte es auf erstaunliche 43 Anglizismen in einem Inserat.

In gewissen Branchen ist die inflationäre Verwendung von Anglizismen leicht erklärbar. «Wir bewegen uns in einem internationalen Geschäftsumfeld, in dem sich für viele Funktionsbezeichnungen englische Begriffe etabliert haben», erklärt etwa Nicole Pfister-Bachmann, Mediensprecherin der Credit Suisse. Das Englische trage im Zeitalter der Globalisierung zur internationalen Verständigung bei. So ist es in Banken, Versicherungen, Informatik- und Pharmaunternehmen, die häufig global Leute rekrutieren, durchaus üblich, einen Personalabteilungsleiter mit «Human Resources Manager» und einen Finanzverantwortlichen mit «Chief Finance Officer» zu bezeichnen.

«Englische Ausdrücke können das Berufsbild aufwerten», erklärt Rita Baldegger vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Gefahr besteht allerdings, dass diese Ausdrücke für Stellen eingesetzt werden, die in Wirklichkeit weniger anspruchsvolle Aufgaben umfassen, als damit suggeriert wird. In einigen Sparten wirken englische Fachausdrücke unpassend, um nicht zu sagen absurd. «Je nach Berufsgruppe und Ausbildungsstand können solche Begriffe den Stellensuchenden sogar verunsichern», meint Suzanne Auer, Kommunikationschefin des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie. Einen Hausmeister schrecke die Bezeichnung «Facility Manager» wohl eher ab.

Insbesondere das Wort «Manager» kann zu Missverständnissen führen. «Viele wissen nicht, dass ‹Manager› im Englischen nicht dieselbe Bedeutung hat wie im Deutschen», erklärt Auer. Während der deutsche «Manager» ins Firmenkader gehört, ist der englische meist nicht mehr als ein Abteilungsleiter. Um solche Fehlinterpretationen zu vermeiden, ist es wichtig, das ganze Stellenprofil zu lesen. Meist gibt dieses Aufschluss darüber, was der Job wirklich umfasst (siehe nachfolgende Box «Welcher Beruf steckt hinter dem englischen Fachausdruck?»).

Balsam vom «Funeral Master»
Während sich der «Facility Manager» langsam durchsetzt - es gibt in der Schweiz sogar die entsprechende Ausbildung -, werden fleissig neue Begriffe kreiert. Was halten Sie etwa von «Funeral Master»? Wer es nicht weiss: Das ist ein Bestattungsunternehmer mit Kenntnissen im Einbalsamieren. Für diese Berufsbezeichnung gab es unlängst die Auszeichnung «Sprachpanscher des Jahres», verliehen vom Verein Deutsche Sprache an den Bundesverband deutscher Bestattungsunternehmer. Zu Recht, denn erstens lautet die korrekte englische Übersetzung «Funeral Director» - und zweitens trägt in diesem Fall die englische Bezeichnung wohl kaum zur globalen Verständigung bei.

Anzeige

Welcher Beruf steckt hinter dem englischen Fachausdruck?

  • Billing Manager:
    betreut das Abrechnungssystem seines Unternehmens und entwickelt es weiter
  • Call Dispatcher:
    leitet Anrufe weiter
  • Compliance Officer:
    versucht Skandale, die das Image des Unternehmens schädigen könnten, abzuwenden
  • Duty Officer:
    zuständig für die Start- und Landevorbereitung eines Flugzeugs
  • Head of Operations:
    verantwortlich für Beschaffung, Logistik, Produktion und Vertrieb von Produkten
  • Hotliner:
    nimmt Anrufe von Kunden entgegen, die spezielle Dienste erfragen oder Unterstützung bei technischen Problemen erwarten
  • Incentive Manager:
    entwickelt Ideen für neue und geeignete Anreizsysteme für die Mitarbeitenden des Unternehmens
  • Listbroker:
    ist mit der Verwaltung grosser Adressdatenbanken beschäftigt
  • Location Coordinator:
    Logistiker, der für reibungslosen Bürobetrieb sorgt
  • Logistic Assistant:
    Lagermitarbeiter
  • New Business Developer:
    zuständig für Auf- und Ausbau neuer Unternehmenskontakte
  • Packaging Manager:
    Verpackungsspezialist
  • Pitch Consultant:
    sozusagen der «Anbahner» in Sachen Werbung und Marketing, der Agenturen und Kunden zusammenbringt
  • Runner:
    arbeitet bei Fernsehsendern und ist für die Logistik des Bildmaterials et cetera verantwortlich
  • Sampling Manager:
    Zuständiger für Produktmuster
  • Security Consultant:
    Nachtwächter
  • Teletutor:
    muss im Gegensatz zum Hotliner nicht nur Kundenanfragen und Probleme entgegennehmen, sondern sie auch lösen
  • Traffic Clerk:
    Fluggastbetreuer am Flughafen
  • Underwriter:
    ist ein fast ausschliesslich für Versicherungen tätiger Experte mit einem breiten Aufgabenfeld
  • Welcome & Sales Manager:
    empfängt Kunden im Eingangsbereich eines Unternehmens
  • Yield Manager:
    analysiert die Absatzchancen eines Unternehmens und versucht anschliessend mit Hilfe von Marketingmassnahmen, so viel wie möglich an Ertrag für das Unternehmen zu gewinnen


Quelle: www.careertool.ch