1. Home
  2. Bildung
  3. Lehre & Studium
  4. Berufsbildung: Wie lang müssen Eltern zahlen?

BerufsbildungWie lang müssen Eltern zahlen?

Weigern sich die Eltern, ihr volljähriges Kind zu unterstützen, muss dieses selbst für die Durchsetzung der Unterhaltspflicht sorgen – notfalls mit einer Klage vor Gericht. Bild: Thinkstock Kollektion

Gibt es eine Altersgrenze, bis zu der Eltern ihren Kindern die Ausbildung finanzieren müssen? Und was genau bedeutet «Erstausbildung»?

von Helena Ott und Tinka Lazarevicaktualisiert am 2017 M01 30

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung gibt es keine feste maximale Altersgrenze. Vielmehr sind die Eltern verpflichtet, ihre Kinder so lange zu unterstützen, bis diese ihre Erstausbildung abgeschlossen haben. Entscheidet sich ein Kind für ein Studium, kann dieses unter Umständen bis nach dem 25. Geburtstag dauern.

Das Kind soll die Ausbildung ernsthaft vorantreiben und versuchen, die Kosten in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Ist es ihm zum Beispiel möglich, bei den Eltern zu wohnen, müssen diese keine Wohnung auswärts bezahlen. Hat ein Kind einen Lehrlingslohn oder jobbt es in den Ferien, dürfen die Eltern erwarten, dass es sich an den Kosten beteiligt.

Weigern sich die Eltern, ihr volljähriges Kind zu unterstützen, muss dieses selbst für die Durchsetzung der Unterhaltspflicht sorgen – notfalls mit einer Klage vor Gericht. Die Eltern sind aber nur verpflichtet zu zahlen, soweit es ihnen nach individueller Leistungsfähigkeit finanziell zumutbar ist.

loading...

Das sagt das Gesetz (Art. 277 ZGB)

  1. Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes.
  2. Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann.
Guider Logo

Mehr zur Unterhaltspflicht gegenüber Kindern bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Sind Eltern verpflichtet, bis zu einer festen Altersgrenze für den Unterhalt der Kinder zu sorgen? Welche Unterstützung leistet der Bund und die Kantone? Wie sollen sich Lehrlinge an den Haushaltskosten beteiligen? Diese und andere Fragen zur Unterhaltspflicht von Eltern beantwortet Guider seinen Mitgliedern.

Das sagt das Bundesgericht

Das Verweigern jeglichen Kontaktes mit dem pflichtigen Elternteil durch das erwachsene Kind führt in der Regel zur Unzumutbarkeit der Unterhaltsleistung (BGE 129 III 375).

Einem Elternteil können Unterhaltsleistungen an ein mündiges Kind, das noch in Ausbildung ist, grundsätzlich nur zugemutet werden, wenn ihm nach Ausrichtung der Unterhaltsleistungen noch ein Einkommen verbleibt, das den erweiterten Notbedarf um ungefähr 20 Prozent übersteigt (BGE 118 II 97).

Das sagen die Budgetberatungsstellen

Wenn den Eltern aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse keine Unterhaltsbeiträge zugemutet werden können, so können Stipendien oder Darlehen beantragt werden. Stipendien werden nicht nur für die Uni bezahlt, sondern auch für den Besuch einer Fachhochschule. Die Amtsstelle, die sich mit Ausbildungsbeiträgen beschäftigt, gehört in der Regel zur kantonalen Erziehungs- oder Bildungsdirektion: www.swissuniversities.ch

Statt lange mit den Eltern zu streiten oder wenn die Stipendien nicht reichen, können volljährige Kinder Sozialhilfe beantragen, denn eine Erstausbildung ist gemäss der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe ein Unterstützungsgrund. Das Sozialamt wird dann eine Verwandtenunterstützungspflicht prüfen.

Ausbildung gewechselt: Ist Unterhalt noch geschuldet?

Eltern müssen ihr volljähriges Kind so lange unterstützen, bis es eine «angemessene Erstausbildung» abgeschlossen hat. Die Matura gilt nicht als Erstausbildung, da sie noch nicht dazu befähigt, einen Beruf auszuüben.

Auch wenn die Eltern und das Kind gemeinsam eine Ausbildung ins Auge gefasst haben, heisst das nicht, dass dieser Weg strikt befolgt werden muss, um den Anspruch auf Unterhalt zu verlieren. Manchmal ist es unerlässlich, die Ausbildungs- und Berufswahl den aktuellen Gegebenheiten anzupassen oder die Fähigkeiten und Neigungen neu auszuloten.

Die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber dem volljährigen Kind erlischt auch nicht einfach, wenn der Studiengang gewechselt oder Prüfungen nicht bestanden werden. Dennoch ist dies kein Blankoscheck für den Sohn oder die Tochter, um ein Luxusleben finanziert zu bekommen. Das Kind muss seine Ausbildung gewissenhaft betreiben, und wenn eine Erwerbstätigkeit neben der Ausbildung möglich ist, muss dieses Einkommen bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt werden.

Guider Logo

Merkblatt «Unterhalt für volljährige Kinder» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Müssen beide Elternteile für den Unterhalt des Kindes aufkommen? Kann die volljährige Tochter oder der Sohn Unterhaltsbeiträge der Eltern einklagen? Mitglieder von Guider erhalten im Merkblatt «Unterhalt für volljährige Kinder» Antworten dazu.

Buchtipp

Start!

Alles übers Studieren in der Schweiz

Mehr Infos

Start!
Start!