«Roland, der Mistkäfer» heisst das Kindermusical, das kürzlich im Coop-Megastore in Hinwil ZH aufgeführt wurde, dargeboten von den vier- bis neunjährigen Schülern der Zürcher Ziel-Schule. Was nach einer herzigen Aktion klingt, bietet bei genauerem Hinsehen Anlass zu Diskussionen: Die Ziel-Schule wird von bekennenden Scientologen geleitet, die Schüler werden unter anderem nach den Lehren von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard unterrichtet.

«Eine typische Scientology-Werbeaktion», urteilt Sektenexperte Georg Schmid über die Aufführung. «Scientology hat keinen guten Ruf. Deshalb müssen sie verdeckt vorgehen.» Habe man dann das Vertrauen der Menschen gewonnen – etwa durch solche Aktionen –, könne man sich leichter outen. Privatschulen seien für dieses Vorgehen besonders geeignet: Sie würden bei Eltern immer beliebter. Zudem sei eine Schule ein einfacher Weg, das eigene Gedankengut zu verbreiten.

Schmid ist erstaunt, dass ein Grossunternehmen wie Coop den Scientologen eine Plattform bietet. «Besonders problematisch finde ich die unfaire Art der Werbung. Es wurde nirgends darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei der Ziel-Schule um eine Scientology-Schule handelt.»

Coop rechtfertigt sich damit, dies im Voraus gar nicht gewusst zu haben. Aber auch jetzt stört man sich nicht daran: «Coop ist gegenüber religiösen Organisationen neutral und hat diesbezüglich keine Bedenken», sagt Mediensprecherin Karin Lasen. Eine reichlich undifferenzierte Haltung gegenüber einer Organisation, die bekannt dafür ist, ihre Anhänger zu vereinnahmen und finanziell auszubeuten.

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